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Tier

Ökologische Ziegenhaltung

Ziegen stellen keine hohen Anforderungen an das Haltungssystem. In der Regel reicht ein einfacher Kaltstall mit Tiefstreu für die genügsamen Tiere. Für die ökologische Milchziegenhaltung ist Weidegang von Frühjahr bis Herbst anzustreben.

Ziegen auf der Weide

Quelle: Dominic Menzler / BLE

Dies verursacht jedoch teilweise - je nach Weidemanagement -  große Probleme mit Innenparasiten. Bei Weidehaltung in der Vegetationszeit ist nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau ein Winterauslauf nicht zwingend vorgeschrieben. Bei ganzjähriger Stallhaltung muss den Tieren, wann immer es die Bedingungen zulassen, Zugang zu einem Auslauf im Freien gewährt werden.

Die vorgeschriebene Stallfläche beträgt im ökologischen Landbau je Ziege mindestens 1,5 Quadratmeter und pro Zicklein 0,35 Quadratmeter. Im Auslauf müssen mindestens 2,5 bzw. 0,5 Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Der natürliche Lebensraum der Ziegen ist die Bergregion. Deshalb klettern Ziegen gerne und schätzen einen erhöhten Ruheplatz. Solche Ruhemöglichkeiten in mehreren Etagen sind als Holzkonstruktionen ohne großen Aufwand in Selbstbauweise in den Stall zu integrieren.

Fütterung

In der ökologischen Milchziegenhaltung ist vor allem die Fütterung der jungen Kitze schwierig. Die Aufzucht der Kitze mit Ziegenmilch steht grundsätzlich in Konkurrenz zur Verarbeitung oder Vermarktung der Milch und ist somit in der Regel unwirtschaftlich. Die erfolgversprechendste Methode ist die Verfütterung von Kuhmilch von Anfang an. Sie kann als Warmtränke oder als Kalttränke leicht mit Wasser verdünnt und angesäuert gegeben werden. Steht keine natürliche Milch zur Verfügung wird in der Praxis Bio-Vollmilchpulver als Ersatz eingesetzt.

Den Jungtieren sollten möglichst schon ab der dritten Lebenswoche Kraftfutter, Heu und Trinkwasser zur freien Verfügung angeboten werden.

Zur Fütterung nicht laktierender Muttertiere reichen Weidegang und Stroh oder Heu. Hochträchtige und laktierende Tiere erhalten je nach Milchleistung zusätzlich Saft- und Kraftfutter. Da Ziegen besonders empfänglich für Listeriose sind, ist es wichtig, schimmelfreie Futtermittel einzusetzen. Die Gabe von Mineralfutter ist bei heranwachsenden, hochtragenden und laktierenden Ziegen erforderlich. Lecksteine sollten ständig zur Verfügung stehen.

Rassenwahl

In der ökologischen Milchziegenhaltung sind vor allem die Bunte und die Weiße Deutsche Edelziege weit verbreitet. Daneben haben auch Saanen-Ziege, Toggenburger und Kreuzungen aus den verschiedenen Rassen größere Bedeutung.

Ziegen mit Hörnern halten

Das Ideal in der Bioziegenhaltung ist es, den Ziegen ihre Hörner und damit ihren Charakter zu lassen. Das Tierschutzgesetz erlaubt das Enthornen von Ziegen zudem nur im Einzelfall mit tierärztlicher Indikation und auch dann nur mit Betäubung und Schmerzausschaltung. Das Enthornen ist mit hohen Belastungen und Risiken für das Tier verbunden. Denn anders als beim Rind haben Kitze eine relativ große Hornanlage und eine sehr dünne Schädeldecke. Die Zucht auf genetische Hornlosigkeit steht erst am Anfang.

Auf der anderen Seite ist es nicht unproblematisch, Ziegen mit Hörnern zu halten. Die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier ist hoch. Selbst eine geeignete Strukturierung und großzügige Gestaltung der Stallräume können Rangkämpfe nicht vollständig verhindern.

Konkurrenz mindern

Es gibt verschiedene Ansätze, um Rangkämpfe, Stress und Aggressionen im Laufstall zu minimieren. Ungünstig sind zum Beispiel Fressgitter, bei denen sich die Ziegen mit ihren Hörnern umständlich herausfädeln müssen. Auch durchgängige Nackenriegel eignen sich weniger, da sie ein rivalisierendes Verhalten fördern. Besser sind Palisadengitter, die einen Blick nach hinten erlauben. Schmale Gänge oder Sackgassen, in denen sich die Ziegen nicht ausweichen können, sollten vermieden werden. 

Ausreichend viele Liegenischen, Futterplätze und Tränken verringern die Konkurrenz zwischen den Tieren. Milchziegen brauchen große Mengen hochwertigen Futters, insbesondere in der Hochlaktation. Genügend Platz am Futtertisch ist ebenso notwendig wie ein ständiges Angebot von Grundfutter hoher Qualität und eine häufige Futtervorlage. Eine wirkliche ad libitum Fütterung liegt nur vor, wenn immer mindestens zehn Prozent Futterreste auf dem Futtertisch liegen. Auch zusätzliche Heuraufen vermindern die Konkurrenz am Fressplatz. Sichtblenden am Fressgitter über dem Futter bringen mehr Ruhe beim Fressen.

Die Liegefläche muss ausreichend groß sein - mindestens 1,5 Quadratmeter pro Tier sind empfehlenswert. Erhöhte Liegebretter erweitern das Platzangebot zusätzlich und vermindern die Aggressionen zwischen den Tieren. Trennwände oder verschiedene Ebenen bieten Sichtschutz, so dass sich rangniedere vor ranghöheren Tieren zurückziehen können. Ziegen ruhen und stehen bevorzugt auf erhöhten Flächen und klettern gerne. Zudem können sich durch eine Strukturierung Ziegen besser aus dem Weg gehen.

Keine allgemeingültige Lösung

Trotzdem gibt es keine Lösungen, die in allen Fällen funktionieren. Das gilt beispielsweise für die Fütterung an Futterautomaten oder die Zutriebe zum Melkstand. Tatsache ist, dass einige Ziegenhalterinnen und Ziegenhalter – mit sehr unterschiedlichen Ställen und Verfahren – mit hörnertragenden Ziegen zurechtkommen, andere trotz guter Haltung vor immensen Problemen stehen.