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Tier

Nutztiere wirksam vor Wölfen schützen

Nutztiere wirksam vor Wölfen schützen

Seit 2000 gibt es in Deutschland wieder freilebende Wölfe. Aus Naturschutzsicht ein Riesenerfolg, waren Wölfe bei uns doch mehr als 150 Jahre lang ausgerottet. Doch des einen Freud, des anderen Leid: Wölfe sind Fleischfresser und reißen nicht nur Wild- sondern auch Nutztiere. In der Regel trifft es Schafe und Ziegen in Weidehaltung. 2019 sind laut Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf in Deutschland 2476 Schafe, 83 Ziegen, 194 Stück Gatterwild und 127 Rinder durch Wölfe getötet oder verletzt worden. Die Angaben sind unabhängig davon, ob und in welchem Umfang die Nutztiere zum Zeitpunkt des Übergriffs durch Herdenschutzmaßnahmen geschützt waren.

Ein wolfsicherer Weidezaun kann helfen

Einen hundertprozentigen Wolfsschutz für Nutztiere in der freien Weidehaltung gibt es nicht. Dies liegt vor allem darin begründet, dass man bei Schutzmaßnahmen immer Kompromisse machen muss zwischen dem, was gut schützt und dem, was vom Aufwand her realisierbar ist. Durch die flächendeckende, professionelle Anwendung von Schutzzäunen kann man aber die Nutztierschäden auf ein verträgliches Maß reduzieren. Die Bundesländer haben für die Zauntypen "Feste Weidezäune" und "Mobile Weidezäune" Standards erarbeitet, die in den Wolfmanagementplänen der Ländern veröffentlicht werden. Zäune nach solchen Standards gelten als wolfsicher und gewähren Anspruch auf Förderung bzw. Entschädigungszahlungen.

Anforderungen an einen wolfsicheren Weidezaun

Grundsätzlich müssen Schutzzäune, die einen ausreichenden Schutz vor Wölfen bieten sollen, lückenlos sein und bodenbündig abschließen. Es ist auf ausreichend Abstand zu Böschungen oder ähnlichen Einsprunghilfen zu achten. Die Einzäunung sollte täglich auf Schwachstellen kontrolliert und diese zeitnah beseitigt werden. Darüber hinaus muss die eingezäunte Fläche groß genug sein, um den Schafen oder Ziegen die Möglichkeit zu bieten, einem am Zaun auftauchenden Wolf auszuweichen. Ist die Fläche zu klein, geraten die Herden schneller in Panik, was zu Ausbrüchen und somit zur Zerstörung der Zaunanlage führen kann. In letzter Konsequenz heben die Tiere dadurch die Schutzfunktion des Zaunes auf.

Feste Weidezäune

Feste Weidezäune, welche aus Maschendraht oder einem Drahtknotengeflecht (durchschlupfsicher) bestehen, sollten eine Höhe von 120 bis 140 cm haben. Ein fest verspannter Bodenabschluss, der auch elektrifiziert werden kann, dient als Unterwühlschutz. Außerdem kann ein Eingraben des Zauns, oder ein ausgelegtes und fixiertes Drahtgeflecht vor dem Zaun ein Untergraben durch den Wolf verhindern. Eine Erhöhung über der Zaunoberkante (z. B. ein Flatterband oder eine Breitbandlitze) schützt zusätzlich vor einem Überspringen des Zauns.

Mobile Weidezäune

Mobilen Weidezäune, meist elektrifizierte Draht- oder Netzzäune, sollten eine Höhe von 90 bis 110 cm haben. Dabei darf die unterste stromführende Litze nicht mehr als 20 cm vom Boden entfernt sein, um ein Untergraben durch den Wolf zu verhindern. Auch muss gewährleistet sein, dass der Zaun mindestens 2.000 Volt Strom führt und eine Entladeenergie von mindestens 1 Joule aufweist. Um das eher dünne Geflecht des Netzzaunes auch optisch deutlich sichtbar und damit abschreckender zu gestalten, wird von mehreren Bundesländern empfohlen, Kunststoffstreben senkrecht in das Geflecht einzuziehen.

Förderung von Schutzzäunen und Herdenschutzhunden

In allen Bundesländern mit etablierten Wolfsvorkommen gibt es mittlerweile staatliche Zuschüsse mit bis zu 80 Prozent der anfallenden Nettokosten für präventive Maßnahmen zum Schutz von Schafen, Ziegen und Wild in Gatterhaltung. Zwischen den Bundesländern gibt es jedoch teils erhebliche Unterschiede, welche Maßnahmen gefördert werden und wie hoch. Häufig ist die Förderung der Präventionsmaßnahmen zudem nur in ausgewiesenen Wolfsgebieten möglich und es kann eine Höchstförderrate auf drei Jahre bezogen nicht überschritten werden. Neben wolfssicheren Weidezäunen fördern einige Bundesländer auch die Anschaffung eines Herdenschutzhundes.

Entschädigung im Schadenfall

Im Schadenfall, das heißt wenn ein Tier verletzt oder getötet wird, muss dieser Vorfall schnellstmöglich (innerhalb von 24 Stunden) der zuständigen Behörde gemeldet werden. Diese veranlasst eine Prüfung durch ausgebildete Mitarbeiter. Typisch für einen Wolfsriss ist beispielsweise der kräftige, gezielte Biss in Hals oder Kehle. Bestätigen die Experten, dass ein Wolf die Ursache des Schadens war, wird eine Entschädigung gezahlt. In begründeten und dokumentierten Fällen können bis zu 100 Prozent der anfallenden Kosten (auch Folgekosten wie Tierarztrechnungen oder Kosten zur Tierkörperbeseitigung) erstattet werden.

Doch Achtung: Ohne eine nachgewiesene ausreichende Prävention (Mindestschutz) zum Schutz der Herde besteht in keinem Bundesland ein Anspruch auf Entschädigung. Es ist daher für Tierhalter in betroffenen Gebieten ratsam, die Weidezäune nach den jeweiligen Anforderungen des Bundeslandes wolfsicher zu gestalten.

Niedersachsen fördert Wolfschutzzäune für Rinderweiden

Seit Juni 2016 haben Wölfe in Niedersachsen vermehrt Rinder (meist Kälber) gerissen. Betroffen sind die Landkreise Cuxhaven, Stade, Rotenburg/Wümme und Heidekreis. Deshalb gibt es eine Ausnahmeregelung im Rahmen der in Niedersachsen geltenden "Richtlinie Wolf" für rinderhaltende Betriebe. Sie gilt für mehrere Gemeinden in den betroffenen Landkreisen. Die Materialkosten von Wolfschutzzäunen werden zu 80 Prozent vom Land Niedersachsen gefördert.

Rinder werden nur selten von Wölfen gerissen, weil sie wesentlich wehrhafter sind als Schafe, Ziegen und Gatterwild. Es gibt daher bislang keine speziellen Vorgaben für Wolfschutzzäune. Das Wolfsbüro in Niedersachsen empfiehlt einen elektrisch geladenen Fünf-Litzen-Zaun mit maximal 20 Zentimetern Abstand zwischen den einzelnen Litzen und dem Boden und einer Höhe von mindestens 90 Zentimetern. Zusätzliche Maßnahmen wie höhere Zaunvarianten und/oder ein Flatterband sowie Herdenschutzhunde werden ebenfalls gefördert. Kommt es zu gerissenen Rindern und handelt es sich dabei nachweislich um einen Wolfsriss, gibt es vom Land Ausgleichszahlungen. Das Land zahlt 100 Prozent des amtlich ermittelten Wertes von toten Rindern, 80 Prozent der Tierarztkosten bei verletzten Tieren und 80 Prozent der Tierkörperbeseitigungskosten.

Bundes-Wolfsschutz-Kompetenzzentrum

Seit Februar 2016 gibt es die "Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf" (DBBW). Zuständig für den Wolfschutz ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Angesiedelt ist die DBBW bei der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in Gelnhausen. Sie kooperieren mit dem "LUPUS-Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland" und dem "Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin" (IZW).

Die Aufgaben der DBBW wurden in Zusammenarbeit mit den Bundesländern entwickelt, denn für den Vollzug des Artenschutzes sind die Bundesländer verantwortlich. Inzwischen haben alle Flächenbundesländer Wolf-Managementpläne, die unter anderem die geförderten Schutzmaßnahmen und die Entschädigungszahlungen bei Wolfsrissen regeln. Die DBBW stellt die in den Bundesländern gültigen Regelungen zusammen und erfasst die von den Ländern ermittelten Schadensfälle durch Wölfe. Eine weitere Aufgabe ist die Beratung der Naturschutzbehörden der Bundesländer.

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Seiten-Titel: Ökologische Ziegenhaltung

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Seiten-Titel: Tierwohl in der Schafhaltung

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