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Tier

Rindfleischerzeugung in Deutschland

Deutschland ist zweitgrößter Rindfleischerzeuger der EU. Neben Mastbullen spielen (Alt-)Kühe aus Milchvieh- und Mutterkuhherden eine bedeutende Rolle in der deutschen Rindfleischerzeugung.

Deutsche Rinderhalter produzieren rund 1,1 Millionen Tonnen Rindfleisch pro Jahr (2016). Damit ist Deutschland nach Frankreich (1,5 Mio. Tonnen) zweitgrößter Rindfleischerzeuger der EU. In Deutschland steht die Rindfleischerzeugung mit einem Produktionswert von 3,9 Milliarden Euro auf Rang fünf der wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionszweige – hinter Milch, Schweinen, Getreide und Futterpflanzen. Der Durchschnittsverzehr an Rind- und Kalbfleisch liegt bei knapp 10 Kilogramm pro Jahr und Bundesbürger, was etwa einem Sechstel des jährlichen Gesamtfleischverzehrs entspricht. Beliebter sind beim deutschen Verbraucher nur noch Schweine- (36 kg) und Geflügelfleisch (12 kg).

Rindfleischerzeugung: Ein Mix aus verschiedenen Haltungsformen

Die Rindfleischerzeugung in Deutschland ist im Wesentlichen von zwei Haltungsformen geprägt: Etwa 45 Prozent des deutschen Rindfleischs stammen aus der Mastbullenhaltung, weitere 35 Prozent von (Alt-)Kühen aus Milchvieh- und Mutterkuhherden. Fleisch von Färsen, Jungrindern (8 bis 12 Monate) und Kälbern (< 8 Monate) macht hierzulande zusammen weniger als 20 Prozent aus. Die Ochsenmast spielt so gut wie keine Rolle.

Die Rindfleischerzeugung in Deutschland ist eng verknüpft mit der Milchviehhaltung. Kälber und Rinder, die nicht für die Reproduktion der Milchviehherden nötig sind, werden als Mastkälber, Fresser, Mastbullen, -färsen und -ochsen sowie Magervieh (Altkühe, Färsen, Altbullen) der Rindfleischerzeugung zugeführt. Auch die Kälber der rund 670.000 in Deutschland gehaltenen Mutterkühe gehen nach dem Absetzen in die Rindermast.

Zusammensetzung der Rindfleischproduktion in Deutschland, gemessen an den Schlachtmengen aus gewerblichen Schlachtungen (2016), Quelle: eigene Berechnungen, auf Basis von Daten der Fachserie 3 Reihe 4, Destatis

Die meisten Mastbullen stehen im Nordwesten

Die bedeutendste Tiergruppe in der deutschen Rindfleischerzeugung sind die Mastbullen mit einem Bestand von rund einer Million Tiere. 92 Prozent davon sind Jungbullen im Alter zwischen ein und zwei Jahren (Stand November 2016).

Die regionalen Schwerpunkte der Mastrinderhaltung liegen im westlichen Niedersachsen, nördlichen Nordrhein-Westfalen und in einigen Regionen Bayerns. Außerdem spielt die Rindermast in Teilen von Schleswig-Holstein eine bedeutende Rolle. In diesen vier Bundesländern leben fast drei Viertel aller deutschen Mastbullen.

Im Durchschnitt halten deutsche Rindermäster 13 Tiere je Betrieb. Verglichen mit anderen Ländern Europas und der Welt ist das wenig. Die allermeisten Rindermäster in Deutschland halten zwischen ein und neun Tiere. Betriebe mit mehr als 100 Tieren gibt es auch, allerdings nur etwa zwei Prozent. In diesen Betrieben stehen aber fast 28 Prozent aller deutschen Mastbullen. Die meisten Betriebe mit Mastbullen gibt es in Bayern. In den neuen Bundesländern hat die Bullenmast dagegen nur wenig Bedeutung.

Kühe beim Fressen

Quelle: Countrypixel

Mastverfahren richtet sind vor allem nach Rasse

In der Bullenmast unterscheidet man vor allem zwischen drei Mastverfahren: Intensiv-, Wirtschafts-, und Weidemast. Die Intensivmast ist in spezialisierten Bullenmastbetrieben am weitesten verbreitet. Dabei wird das hohe Wachstumspotenzial der Bullen durch eine sehr nährstoffreiche Fütterung mit energiereicher Maissilage als Grundfutter und Kraftfutterergänzung von Anfang an voll ausgeschöpft. Die Wirtschaftsmast strebt dagegen hohe Tageszunahmen erst zu einem späteren Mastabschnitt an. Dann lässt sich der Nährstoffbedarf der Tiere wegen des größeren Futteraufnahmevermögens besser über wirtschaftseigenes, hochverdauliches Grundfutter decken und es muss weniger teures Kraftfutter gefüttert werden.

Die Ausgestaltung des jeweiligen Mastverfahrens richtet sich in erster Linie nach der eingesetzten Rasse. So müssen für fleischbetonte Rinderrassen mit hohem Wachstumspotenzial wie Fleckvieh, Gelbvieh oder Charolais andere Strategien gefahren werden als für weniger wachstumsintensive milchbetonte Rassen wie zum Beispiel Deutsche Holsteins. Auch das Alter der Tiere spielt eine wichtige Rolle für das Mastverfahren.

Die Haltungsbedingungen sind in den intensiven Verfahren der Rindermast weitestgehend standardisiert. Meist werden die Tiere in Gruppenbuchten mit sechs bis acht Tieren auf Vollspaltenboden gehalten. Es gibt aber auch Haltungen mit Tretmist, in denen eine mit Stroh eingestreute Liegefläche mit einer planbefestigten Fressfläche kombiniert wird. Jungtiere werden unabhängig vom Stallsystem in der Mast bis zum Absetzen von der Milch auf Stroh oder auf weichen Liegeflächen gehalten.

Bei der Weidemast werden die Tiere saisonal oder ganzjährig auf der Weide gehalten, Zukauffutter wird nur in den Wintermonaten und in der Endmastphase verwendet. Die Weidemast hat in Deutschland allerdings nur wenig Bedeutung.

Ökologische Rindermast

Die Erzeugung von Biorindfleisch hat 2016 deutlich zugelegt. 48.600 Tonnen (Schlachtgewicht) Biorindfleisch wurden im vergangenen Jahr erzeugt, das sind 4,3 Prozent der gesamten Rindfleischproduktion in Deutschland. Den größten Anteil an der ökologischen Rindfleischproduktion hat die Mutterkuhhaltung. Sie kommt den ökologischen Haltungsbedingungen mit viel Auslauf am nächsten. Anders als in der konventionellen Rindermast spielt im Ökolandbau die Ochsen- und Färsenmast eine Rolle. Der Grund: Ochsen und Färsen können im Gegensatz zu Bullen problemlos auf der Weide gehalten werden. Damit kann das für alle Ökowiederkäuer geltende Sommerweidegebot gewährleistet werden.

Tierwohl

Das Thema Tierwohl gewinnt auch in der Rindermast zunehmend an Bedeutung. Das Ziel der Tierwohlbemühungen ist ein praktikabler und ökonomisch tragfähiger Konsens zwischen Verbrauchererwartungen und der Landwirtschaft.

Derzeit gibt es zahlreiche staatliche und nichtstaatliche Programme und Initiativen, die Anforderungen an das Tierwohl bzw. den Tierschutz definieren. Die Programme und Initiativen unterscheiden sich inhaltlich wie auch hinsichtlich der Produktionsrichtungen, die sie abdecken. Welche Tierschutzprogramme und –initiativen es gibt und welche Anforderungen diese stellen, hat das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) auf der folgenden Seite zusammengefasst.

Das KTBL hat außerdem einen Leitfaden mit Tierschutzindikatoren für die Mastrinderhaltung herausgebracht, der unter folgendem Link heruntergeladen werden kann: