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Milchviehhaltung in Deutschland

Die Milcherzeugung ist nicht nur der wichtigste Betriebszweig in der deutschen Landwirtschaft. Mit 4,2 Millionen Kühen ist Deutschland zudem größter Milcherzeuger der EU.

Landwirt im Kuhstall macht sich Notizen

Quelle: Syda Productions

Deutsche Landwirte erzeugten 2017 rund 31,3 Millionen Tonnen Kuhmilch. Das ist ein Fünftel der in der EU (EU 28) angelieferten Milchmenge und macht Deutschland damit zum größten Milcherzeuger der EU. Innerhalb Deutschlands ist die Milcherzeugung der wichtigste Produktionszweig der Landwirtschaft.

Betriebe und Strukturen

Die meisten Milchkühe hierzulande werden in Bayern (1,2 Millionen Tiere) und Niedersachsen (865.218 Tiere) gehalten. Damit stellen diese beiden Bundesländer allein knapp 50 Prozent des gesamten deutschen Milchkuhbestandes. Obwohl Bayern die meisten Kühe hält, ist es das Bundesland mit den kleinsten Milchkuhherden. Im Schnitt halten bayerische Milchviehbetriebe 39 Tiere. Im extremen Gegensatz dazu der Osten Deutschlands: hier stehen die größten Milchkuhherden. Betriebe in Brandenburg halten im Durchschnitt 225 Tiere, solche in Mecklenburg-Vorpommern 232.

Sinkende Betriebszahlen, steigende Milchleistung

In den letzten 40 Jahren hat sich in der Milcherzeugung ein starker Strukturwandel vollzogen. Die Anzahl der Milchbetriebe ist kontinuierlich zurückgegangen, während der durchschnittliche Kuhbestand je Haltung anstieg. Zwischen 1970 und 2017 ist die Zahl der Milcherzeuger von 838.000 auf rund 66.000 gesunken. Die durchschnittliche Anzahl der Tiere je Haltung hat sich im gleichen Zeitraum von 7,3 auf 64 erhöht.

Die Jahresmilchleistung konnte durch Züchtung und verbessertes Management über die Jahrzehnte gesteigert werden: Heute erzeugt eine Kuh im Schnitt 7.746 Kilogramm Milch pro Jahr. 1970 waren es 3.280 Kilogramm, also gerade mal die Hälfte.

Laufstallhaltung dominiert

Etwa 70 Prozent aller Milchkühe in Deutschland werden in offenen Laufställen gehalten. Das geht aus der letzten Landwirtschaftszählung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2010 hervor. Es ist anzunehmen, dass der Wert mittlerweile über 70 Prozent liegt, denn Stallneubauten sind heute fast immer Boxenlaufställe. Ein Vorteil dieser Stallform ist die klare Trennung in die Funktionsbereiche Fressen, Liegen und Melken. Innerhalb dieser Bereiche können sich die Kühe in einer licht- und luftdurchfluteten Atmosphäre frei bewegen und ihrem Sozial- und Komfortverhalten nachgehen.

Aber auch die Anbindehaltung, die in früheren Zeiten in vielen Betrieben die Regel war, gibt es heute noch. Sie ist meist in kleinen Milchbetrieben mit wenigen Kühen zu finden, vorwiegend im Süden Deutschlands – dort besonders im Alpenraum. Laut der letzten Landwirtschaftszählung wurden 2010 noch 27 Prozent aller Kühe angebunden gehalten. Die Anbindehaltung geht jedoch im Zuge des Generationenwechsels und des Strukturwandels deutlich zurück. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter (ADR) nahm die Zahl der Betriebe mit Anbindehaltung in Deutschland zwischen 1995 und 2013 um 77 Prozent ab.

Weidehaltung – vor allem auf mittelgroßen Betrieben

Etwa 42 Prozent der deutschen Milchkühe haben im Schnitt etwa fünf Monate pro Jahr Weidegang. Mittelgroße Betriebe bieten dabei mehr Weidegang als kleine und große Betriebe. In großen Milchviehherden mit über 200 Kühen ist die benötigte Grünlandfläche im betriebsnahen Bereich meist der begrenzende Faktor. In solch großen Betrieben ist der Weidegang daher meist wenig praktikabel. Bei Betrieben mit 50 bis 199 Kühen sieht das anders aus. Hier geht in Deutschland jede zweite Kuh auf die Weide. Bei diesen Betrieben handelt es sich in der Regel um klassische Grünlandstandorte. In kleineren Betrieben mit bis zu 49 Kühen haben laut Landwirtschaftszählung (2010) 42 Prozent der Tiere regelmäßig Weidegang.

Automatisierung – voll im Trend

Die Arbeiten in der Milchviehhaltung werden zunehmend automatisiert. Insbesondere Automatische Melksysteme (AMS) haben hier eine rasante Entwicklung erfahren. 2016 waren in Deutschland ca. 7.800 AMS in 5.500 Betrieben im Einsatz. Zwei Drittel aller Milchviehhalter entscheiden sich bei Neukauf für einen Melkroboter. Laut Kuratorium für Technik und Bau-wesen in der Landwirtschaft (KTBL) kommt es durch den Einsatz eines AMS zu einer sieben Prozent höheren Milchmenge, bei gleichzeitig deutlicher Zunahme der Arbeitsproduktivität. Neben AMS sind auch sensorgestützte Abruffütterungen oder automatische Fütterungssysteme weit verbreitet. Hier und da kommen sogar schon Roboter zur Reinigung der Laufflächen und zur Vorlage des Grundfutters zum Einsatz.

Deutsche Holsteins vorherrschend

Im Mai 2017 gab es in Deutschland über 12,4 Millionen Rinder. Davon gehören etwa 46 Prozent zur Rasse Deutsche Holsteins (schwarz- und rotbunt), die zu den reinen Milchrassen zählt. Von besonderer Bedeutung für die Milcherzeugung sind auch Rinder der Doppelnutzungsrasse Fleckvieh. Sie haben bundesweit einen Anteil von knapp 28 Prozent, werden jedoch überwiegend in den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg gehalten.

Ökologische Milchviehhaltung im Aufwärtstrend

2016 wurden in Deutschland 181.000 Ökomilchkühe gehalten. Das sind 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit erreicht der Anteil der Ökokühe am gesamten Milchkuhbestand in Deutschland einen neuen Höchststand von 4,1 Prozent. 2016 lieferten Ökolandwirte mit rund 795.000 Tonnen auch deutlich mehr Biokuhmilch ab als im Jahr zuvor. Somit stieg der Bioanteil an der Gesamtanlieferungsmenge von Kuhmilch in Deutschland auf 2,5 Prozent. Einer der Hauptgründe für diese starke Zunahme ist die Krise am konventionellen Milchmarkt 2016. Diese veranlasste viele konventionelle Landwirte umzustellen. Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) rechnet für 2017 mit einem weiteren Anstieg bei Biomilch in Deutschland.

Mehr Informationen zur Ökologischen Milchviehhaltung


BZL-YouTube-Kanal: Videoreihe "Milchkühe verstehen"


Tierwohl

Das Thema Tierwohl gewinnt in der Milchviehhaltung zunehmend an Bedeutung. Das Ziel ist ein praktikabler und ökonomisch tragfähiger Konsens zwischen Verbrauchererwartungen und der Landwirtschaft.

Derzeit gibt es zahlreiche staatliche und nichtstaatliche Programme und Initiativen, die Anforderungen an das Tierwohl bzw. den Tierschutz definieren. Die Programme und Initiativen unterscheiden sich inhaltlich wie auch hinsichtlich der Produktionsrichtungen, die sie abdecken. Welche Tierschutzprogramme und -initiativen es gibt und welche Anforderungen diese stellen, hat das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) auf der folgenden Seite zusammengefasst.

Das KTBL hat außerdem Leitfäden mit Tierschutzindikatoren herausgebracht, die unter folgenden Links heruntergeladen werden können:

Jahresmilchpreise 2017

2017 war ein gutes Milchjahr. Fast 36,6 Cent – also ein Drittel mehr als im Krisenjahr 2016 – erhielten die Landwirtinnen und Landwirte im Schnitt für ihre Milch. 2018 starteten die Preise allerdings verhalten.

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