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Tier

Eutererkrankungen bei Milchkühen vermeiden

Euterentzündungen sind die häufigsten und teuersten Krankheiten im Bereich der Milcherzeugung. Die Hauptverluste entstehen durch verminderte Milchleistung und nicht verwertbare Milch. Neben Fruchtbarkeitsstörungen sind Eutererkrankungen die zweithäufigste Abgangsursache für Milchkühe.

Kuheuter

Quelle. taviphoto - iStock.com

In Deutschland beziffern sich die wirtschaftlichen Verluste, die durch Eutergesundheitsstörungen verursacht werden, jährlich auf etwa 1,4 Milliarden Euro. Legt man diese Verlustsumme um auf die jährlich erzeugte Milchmenge von etwa 30 Millionen Tonnen, dann ist jedes erzeugte Kilogramm Milch allein durch Eutererkrankungen von vornherein mit etwa 4,7 Cent an theoretischen Kosten (bzw. an entgangenem Gewinn) belastet.

Mastitis - Eine Entzündung des Rindereuters

Die Mastitis des Rindes ist eine bakterielle Entzündung der Milchdrüsen. Treffen die falschen Krankheitserreger auf die richtigen Bedingungen, können sie sich ungehemmt vermehren.

Die Bakterien dringen in der Regel über den Strichkanal in das Euter ein und wandern über die Milchzisterne und die Milchkanäle in die Drüsenläppchen in die einzelnen Alveolen. Die Keime vermehren sich dort in kurzer Zeit, woraufhin der Organismus der Kuh mit einer Entzündung reagiert. Neben Bakterien gibt es vereinzelt auch Hefen, Schimmelpilze und Algen, die eine Euterentzündung verursachen können, die aber auf Antibiotika nicht ansprechen.

Mehrere Faktoren machen es den Krankheitserregern möglich, sich ungehemmt zu vermehren: Tier, Umwelt und Erreger. Tierbedingte Faktoren sind beispielsweise die körpereigenen Abwehrkräfte, das Vorhandensein von Stressfaktoren und das Laktationsstadium. Zu den umweltbedingten Faktoren zählen vor allem mangelnde Haltungshygiene, Hygienemängel beim Melken, Zitzenkonditionsmängel und fehlerhafte Melktechnik. Die Art der Krankheitserreger spielt natürlich auch eine große Rolle.

Werden gleichzeitig Mastitiserreger und erhöhte Zellzahlen in Viertelanfangsgemelken festgestellt, handelt es sich um eine Mastitis.

Wie kann man Mastitis feststellen?

Durch das Vormelken in einen Vormelkbecher mit dunklem Untergrund lassen sich Veränderungen in der Milch wie Flocken feststellen. Die Zellzahlen in der Milch sind auch ein guter Indikator für die Eutergesundheit. Bei Entzündungen steigen sie stark an. Der Schalmtest ist ein einfaches und preiswertes Verfahren, mit dem ein Verdacht auf Entzündung eines Euterviertels direkt im Stall festgestellt werden kann. Dabei gibt man eine Testflüssigkeit zu frisch gemolkener Milch. Je zähflüssiger das Gemisch wird, desto höher die Zellzahl. Um einen Mastitisverdacht zu erhärten, müssen Milchproben in einem Labor untersucht werden.

Subklinische Mastitis ist die häufigste Verlustursache

Zurückgeführt werden müssen die Verluste im Wesentlichen auf eine von den Milcherzeugern nicht erkannte oder nicht beachtete subklinische Mastitis. Die Verluste bestehen dabei zu rund 70 Prozent aus der verringerten Milchleistung der betroffenen Euterviertel. Die aufgrund hoher Zellzahlen nicht verwertbare Milch hat einen Anteil von rund 11 Prozent an den Verlusten; erhöhte Remontierungskosten durch vorzeitiges Ausscheiden erkrankter Tiere aus dem Produktionsprozess, erhöhter Arbeitsaufwand für das Melken und die Betreuung erkrankter Tiere sowie Tierarztkosten schlagen zusammen mit etwa 19 Prozent zu Buche.

Jede subklinische Mastitis kostet mindestens 250 Euro je Kuh und Laktation. Eine schwere klinische Euterentzündung mit Fieber und Allgemeinstörungen bedeutet sogar einen Verlust von etwa 500 Euro je Kuh und Laktation.

Aber nicht nur ökonomische Gründe sprechen für die Vermeidung von Euterentzündungen: Milchkühe mit einer akuten Mastitis können starke Schmerzen haben.

Zahlreiche Faktoren begünstigen die Erkrankung

Es sind jedoch nicht allein die Krankheitserreger, die eine Mastitis verursachen. Eine Reihe anderer Faktoren wie Haltungsbedingungen, Melkhygiene und -technik sowie die körpereigene Abwehr der Kuh können die Erkrankung begünstigen. Heutige Milchkühe mit ihren hohen Leistungen sind sehr leichtmelkig (schwächere Schließmuskeln) und haben kürzere Strichkanäle, sodass Krankheitserreger leichter in das Euter eindringen können. Deshalb müssen umweltbedingte Keime im Stall so niedrig wie möglich gehalten werden. Liegeboxen und Laufgänge müssen sauber und trocken sein, denn Bakterien brauchen Feuchtigkeit, um sich zu vermehren. Eine gute Stallhygiene und helle gut durchlüftete Ställe mit breiten Laufwegen und optimal gestaltete Liegeflächen sind damit wichtige Voraussetzung, um die Eutergesundheit einer Herde zu erhalten oder wiederherzustellen. Es gibt also viele Stellschrauben, an denen gedreht werden kann, um Euterentzündungen zu vermeiden.

Trockenstellen ohne Antibiotika

Bei eutergesunden Tieren kann auf den Einsatz von Antibiotika zum Trockenstellen verzichtet werden. Dies trägt zur generellen Reduzierung von Antibiotika bei und spart Kosten.

In der Regel wird empfohlen alle Kühe antibiotisch trocken zu stellen, um bestehende Infektionen zu heilen oder vor Neuinfektionen in der Trockenstehzeit zu schützen. Verschiedene Studien haben jedoch gezeigt, dass es bei eutergesunden Kühen gar nicht nötig ist, sie antibiotisch trockenzustellen.

Beim selektiven Trockenstellen werden die Kühe zum Zeitpunkt des Trockenstellens in eutergesunde Kühe und euterkranke selektiert - daher der Begriff selektives Trockenstellen. Dieses Verfahren setzt voraus, dass die Tierhalterin bzw. der Tierhalter den Eutergesundheitsstatus der eigenen Herde gut kennt.

Zellzahlen der Milchkontrolle heranziehen

Für die Einteilung der Kühe kann die Zellzahl aus der letzten Milchkontrolle vor dem Trockenstellen herangezogen werden:

  • Kühe mit Zellzahlen unter 100.000 Zellen gelten als eutergesund und werden ohne Antibiotika trockengestellt.
  • Bei Tieren mit Zellzahlen zwischen 100.000 und 200.000 Zellen pro Milliliter wird zum Zeitpunkt des Trockenstellens der Schalmtest durchgeführt. Bei negativen Reaktionen und keinen deutlichen Vierteldifferenzen wird das Tier als eutergesund eingestuft und auch ohne Antibiotikum trockengestellt.
  • Von Tieren mit Zellzahlen über 200.000 Zellen müssen Viertelgemelksproben zur zyto-bakteriologischen Untersuchung genommen werden. Entsprechend dem Ergebnis wird dann weiter gezielt verfahren.

Einsatz von Zitzenversieglern

In Betrieben mit hohem Infektionsdruck - insbesondere bei Aufstallung der Trockensteher auf Tiefstreu oder Tretmist - wird zum Schutz vor Neuinfektionen empfohlen, die Zitzenzisternen mit einem internen Zitzenversiegler zu versiegeln. Der Zitzenversiegler wird in die Zitzenzisterne hinein gegeben und verschließt die innere Strichkanalöffnung bis zum erstmaligen Melken nach dem Abkalben. Der Zitzenversiegler kann als alleiniger Schutz vor Neuinfektionen bei eutergesunden Tieren eingesetzt oder mit einem antibiotischen Trockensteller kombiniert werden.

Die Trockenstellvorbeugung und Therapie muss zusammen mit der Hoftierärztin oder dem Hoftierarzt entsprechend dem Leitkeim in der Herde festgelegt werden.