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Tier

Der Kuhstall wird digital

Die Landwirtschaft 4.0 ist im Kuhstall angekommen: Melkroboter übernehmen das Melken, die Inhaltstoffe der Milch werden automatisch gemessen und die Bewegungsaktivität der Kühe ermittelt. Digitale, vernetzte Systeme verbinden die Daten und steigern das Tierwohl und die Effizienz im Stall.

Kühe am Futtertisch

Werden die Kühe wie hier mit einem automatischen Fütterungssystem gefüttert, bedeutet dies für den Landwirt eine enorme Arbeitsersparnis. Die Kühe profitieren davon, weil sie mehrmals am Tag frisch angemischte Futterrationen vorgelegt bekommen. Quelle: landpixel.de

Der wirtschaftliche Erfolg eines Milchviehbetriebes hängt nicht nur von der Milchleistung ab, sondern vor allem vom Gesundheitsstatus der gesamten Herde. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle: ein Stall mit Kuhkomfort, Licht, viel frischer Luft und ausreichend Platz sowie eine an der Milchleistung ausgerichteten Fütterung und ausreichend Wasser. Nur Tiere, die sich wohl fühlen, bringen auch gute Leistungen. Tierwohl ist eine Verpflichtung für jede Milchviehhalterin und jeden Milchviehhalter. Automatische und digitale Systeme unterstützen sie dabei, denn die Technik erleichtert die Einzeltierbeobachtung sowie die tägliche Arbeit und liefert viele Daten, die zusammengenommen ein gutes Bild vom Wohlergehen einer jeden Kuh abgeben.

Gleichbleibende Futterrationen

Die Kuh hat einen Stoffwechsel wie ein Hochleistungssportler. Sie reagiert sehr sensibel auf eine unausgewogene Futterration oder auch auf Rationen, deren Inhaltstoffe und Bestandteile variieren – etwa durch Varianzen beim Beladen des Futtermischwagens. Schwankungen in der Futterration sind direkt in der Milchleistung abzulesen. Inzwischen übernehmen in immer mehr Betrieben automatische Fütterungssysteme das Füttern. Sie entlasten den Landwirt und füttern die Kühe mehrmals am Tag mit einer gleichbleibenden Ration. Der Vorteil: die Kühe haben immer frisches Futter im Trog, sie fressen mehr und der Stress bei der Futteraufnahme wird reduziert. Das kommt vor allem den rangniederen Tieren zugute, die ungestört fressen können, ohne von den anderen Kühen verdrängt zu werden. Und die Landwirtin oder der Landwirt hat einen guten Überblick darüber, wieviel Futter die Kühe einer Futtergruppe gefressen haben, weil die automatischen Fütterungssysteme die Daten aufzeichnen.

Vitalitätsdaten per Sensor

Milchkuh mit Transponder beim Fressen

Über Sensoren wie hier am Hals der Kuh lassen sich wertvolle Informationen zu Wiederkauaktivität, Fress- und Bewegungsverhalten des Tieres erfassen. Quelle: landpixel.de

Das Verdauungssystem der Kühe ist die Schaltstelle für Wohlbefinden, Gesundheit und Leistung. Wie es einer Kuh geht, lässt sich heute mit vielen technischen Möglichkeiten analysieren. Sensoren am Hals einer Kuh erfassen die Wiederkautätigkeit sowie das Fressverhalten und die Futteraufnahme, Pedometer an den Beinen oder Sensoren am Hals messen die Bewegungsaktivität der Kuh. Mit diesen erfassten Daten lassen sich Brunst und der optimale Besamungszeitpunkt der Kühe erkennen. Die Sensoren weisen auch aus, wie lange eine Kuh steht oder liegt. Auch daraus ergeben sich wichtige Hinweise über die Gesundheit der Kühe, über eventuelle Lahmheiten, Eutererkrankungen oder auch bevorstehende Kalbungen.

Krankheiten frühzeitig erkennen

Landwirt im Stallbüro

Vom Büro die Kühe und die Daten im Blick: Im Herdenmanagementprogramm auf dem PC laufen die am Tier und beim Melken erhobenen Daten zusammen. Der Milcherzeuger kann sich alle wichtigen Informationen zu den Tieren ansehen und Arbeitslisten erstellen. Quelle: landpixel.de

Wenn dann noch die erhobenen Daten aus dem Melkstand oder dem automatischen Melksystem hinzukommen, wird das Bild vom Wohlbefinden der einzelnen Kuh noch deutlicher. Neben der Milchmenge werden auch Leitwert und Farbe der Milch bzw. in manchen Systemen zusätzlich die Inhaltstoffe und der Zellgehalt der Milch gemessen. Werden alle Daten zusammengeführt, funktionieren sie wie ein Frühwarnsystem: fällt beispielsweise die Milchmenge im Vergleich zum Vortag deutlich ab und die Auswertung des Bewegungsprofils der Kuh ergibt, dass sie viel gestanden hat, könnte sich eine Euterentzündung ankündigen. Der Milcherzeuger hat dadurch die Möglichkeit, auffällige Kühe frühzeitig und gezielt zu untersuchen und Erkrankungen zu erkennen, bevor sie klinisch sichtbar werden und hohe Kosten verursachen. Ein enormer Gewinn für Tier und Mensch. Viele überbetriebliche Auswertungen zeigen auf, dass bei Erkrankungen wie beispielsweise Euterentzündungen neben den reinen Behandlungskosten auch die Folgekosten wie eine geringe Milchleistung die Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung belasten.

Doch die erhobenen Daten können nur optimal genutzt werden, wenn sie in einem Herdenmanagementprogramm zusammengeführt werden. Sinnvollerweise sollten auch externe Daten wie die Ergebnisse der Milchkontrolle, Protokolle des Klauenpflegers oder des Tierarztes über eine Schnittstelle integriert und verarbeitet werden können. In den Herdenmanagementprogrammen lassen sich Alarm- und Tierkontrolllisten nach bestimmten Kriterien anlegen oder Tiere für die Selektion nach dem nächsten Melkdurchgang zusammenstellen.

Kühe per GPS orten

Immer häufiger können die Daten und Alarme auch direkt auf das Smartphone geschickt werden. Inzwischen gibt es zahlreiche Apps für das Smartphone für Herdenmanagement, Fruchtbarkeit oder die Fütterung, teilweise auch unabhängig von den Herdenmanagementsystemen oder der Software der Melktechnikfirmen. Dadurch haben alle, die im Stall arbeiten, praktische Hilfsmittel und die nötigen Informationen sofort zur Hand.

Doch was helfen alle Informationen über die einzelne Kuh, wenn man die Kuh im Stall aufwendig suchen muss? Die Milchviehherden werden größer, es wird schwieriger, die Einzeltiere im Stall auszumachen. Ortungssysteme per GPS (Global Positioning System) helfen, den Standort der Kühe schnell und präzise zu bestimmen. Mit satellitengestützter Technik ist es möglich, den Standort der Tiere in Echtzeit zu ermitteln und auf Tablet-PC oder Smartphone darzustellen.  Kühe, die längere Zeit nicht am Melkroboter waren und geholt werden müssen, sind schnell gefunden. Ebenso Kühe, die zur Besamung anstehen. Das sorgt für Ruhe in der Herde. Und die Landwirtin oder der Landwirt spart wertvolle Arbeitszeit. Außerdem bieten Ortungssysteme die Chance, die Wege der Kuh im Stall nachzuvollziehen. Diese Informationen können dazu genutzt werden, die Einteilung bzw. die Organisation des Stalls zu optimieren.

Fazit

Die Vernetzung im Kuhstall kommt voran. Sensoren erfassen Aktivitäts- und Gesundheitsdaten jeder Kuh, die dem Milcherzeuger helfen, Auffälligkeiten in seiner Herde frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Das kommt sowohl dem Wohl des Tieres als auch der Wirtschaftlichkeit des Betriebes zugute. Die Daten ermöglichen es, die Bedürfnisse des einzelnen Tieres zu erkennen. Ebenfalls möglich ist der Austausch dieser Daten mit Beratern oder dem Tierarzt. An der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft arbeitet man an Lösungen, das gesamte Herdenmanagement und die Einzeltierdaten hinsichtlich Leistung, Fruchtbarkeit, Gesundheit und Tierverhalten in Zukunft komplett digital zu erfassen. Dann könnten Softwaresysteme sämtliche Parameter auswerten und direkte Handlungsempfehlungen mitliefern. Diese sollen die Tierhalterinnen und Tierhalter unterstützen, ersetzen aber keinesfalls die tägliche Kontrolle und Tierbeobachtung durch den Milcherzeuger.