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Tier

Tierwohl in der Pferdehaltung

Pferde sind Herden- und Steppentiere, die einen großen Teil ihres Tages mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind und in Freiheit dafür große Wegstrecken zurücklegen. Alle Empfehlungen zur Haltung und zum Wohl des Pferdes bauen auf diesen natürlichen Verhaltensweisen auf.

rennende Pferde auf der Weide

Quelle: Cordula Möbius

In der Praxis der Pferdehaltung gibt es verschiedene Ansätze, das Wohlbefinden von Pferden zu steigern. Dazu zählen mehr Weidegang, der Bau von so genannten Aktiv- bzw. Bewegungsställen und natürlich die Bereitstellung von ausreichend Raufutter. Wesentlich für das Wohlbefinden der Tiere sind jedoch auch die Rahmenbedingungen, unter denen Pferdehaltung stattfindet: Erfolgt die Betreuung durch qualifiziertes Personal oder eher durch ungelernte Arbeitskräfte? Wer organisiert die Pflege der Tiere (Hufschmied, Entwurmung, Schutzimpfungen)? Wie gestaltet sich das Training? Als Orientierung für die Beurteilung der Tiergerechtheit von Pferdehaltungen dienen die Leitlinien, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erstellt hat.

BMEL: Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten

Einzelhaltung weit verbreitet

Welche Haltungsform gewählt wird, hängt in der Regel von der Struktur der Betriebe ab (Sport- oder Freizeitställe, Pferdezucht). Viele von ihnen praktizieren auch heute noch die Haltung von Pferden in Einzelboxen, die allerdings immer häufiger mit einem davorliegenden Paddock kombiniert wird. Dieser gestattet mehr Sicht-, Hör- und Geruchskontakt zwischen den Tieren als früher übliche Aufstallungsformen. Dem Bedürfnis der Pferde nach Bewegung und Sozialkontakten wird er aber auch nur eingeschränkt gerecht. Im Sinne des Wohlbefindens der Tiere, sollte ihnen deshalb ein täglicher Weidegang (von mehreren Stunden und in der Gruppe) gewährt werden.

Anteil der Gruppenhaltungen nimmt zu

Anders sieht es bei der Gruppenhaltung von Pferden aus, deren Anteil in Deutschland immer mehr zunimmt. Bei dieser Haltungsform leben die Tiere in kleineren Gruppen (Auslaufhaltung) oder großflächig angelegten Bewegungsställen zusammen. Fress-, Auslauf- und Ruhebereiche sowie weitere Strukturelemente sind getrennt voneinander angeordnet, so dass die Pferde zu mehr Bewegung angeregt werden.

Pferdeweiden richtig pflegen

Der tägliche Weidegang ist in den meisten Pferdebetrieben heute eigentlich selbstverständlich, auch bei der Haltung von Sportpferden. Doch Pferdeweiden müssen gut gepflegt werden. Dies wird leider häufig vernachlässigt, was zu einem vermehrten Wuchs von Unkräutern oder gar Giftpflanzen (Jakobskreuzkraut, Graukresse) führen kann. Experten empfehlen, die Grasnarbe nicht zu kurz verbeißen zu lassen, Kot abzusammeln, Gailstellen so klein wie möglich zu halten, regelmäßig nachzusäen sowie staunasse und nasse Flächen zu meiden (Gefahr des Befalls mit Endoparasiten sowie von Strahlfäule und Mauke). Darüber hinaus sollten Pferdeweiden stabil eingezäunt sein.

Stets genügend Raufutter und Wasser

Raufutter sollten Pferde stets genügend zur Verfügung haben. Es ist essenziell für ein gut funktionierendes Verdauungssystem. Fachleute empfehlen die tägliche Menge von ca. 1,5 Kilogramm Heu je 100 Kilogramm Körpergewicht als Richtwert. Da Pferde sehr verdauungssensibel sind, sollten sie nur Raufutter in besonders guter Qualität erhalten. Bei Allergikern und Pferden mit Husten bietet sich eine Heulage-Fütterung an. Die Gabe geeigneter Mineralstoffmischungen beugt Mangelerscheinungen (aber auch einer Überversorgung) an Nährstoffen vor. Sauberes Tränkwasser sollte stets in ausreichender Menge zur Verfügung stehen und für jedes Pferd sicher zugänglich sein. Besonders im Winter müssen Tierhalterinnen und Tierhalter auf die Funktionsfähigkeit der Tränken achten (Gefahr von Koliken).

Viele Pferde leiden unter Wohlstandskrankheiten

Bei Pferden, die in Arbeit stehen, kann die Zufütterung von Kraftfutter erforderlich sein. Nach wie vor gilt der Hafer aufgrund seiner ernährungsphysiologischen Eigenschaften als das Pferdefutter schlechthin, auch wenn das Angebot an Ergänzungsfuttern und Müslis auf dem Markt immens ist. Hier sind zunehmend auch getreidefreie und zuckerreduzierte Futtermischungen zu finden, was unter anderem daran liegt, dass heute immer mehr Pferde an Wohlstandserkrankungen (Herz- und Kreislaufbeschwerden, Hufrehe, Equines Metabolisches Syndrom oder Equines Cushing Syndrom) und Allergien leiden. Viele Tiere sind einfach zu dick, weil ihre Besitzer den Nährstoffbedarf falsch einschätzen, die Energie- und Eiweißwerte der Weiden unterschätzen oder es einfach zu gut mit ihren Tieren meinen. Die effizienteste Methode, dicke Pferde wieder schlank zu bekommen, ist - neben einer bedarfsgerechten Ernährung - genügend Bewegung und ein gut durchdachtes Training – unter dem Reiter, an der Longe oder vor der Kutsche.

Gesunde Pferde durch gutes Stallklima

Pferde gesund zu erhalten ist auch eine Frage des richtigen Stallklimas. Pferdeställe sollten hell und gut belüftet sein. Ihre Innentemperatur sollte der Außentemperatur folgen. Die Wahl der Einstreu beeinflusst das Wohlbefinden der Pferde in hohem Maße. Geeignet sind Materialien, die trocken und verformbar sind und Nässe gut binden. Der Staubentwicklung und hohen Schadgaskonzentrationen sollte vorgebeugt werden. Stroh ist der Klassiker, doch es gibt zahlreiche Alternativen (Strohpellets, Hobelspäne, Miscantus).

Biosecurity – nicht nur wegen Herpes und Druse

Seit sich die Fälle von Herpes und Druse in deutschen Ställen mehren, rückt die Biosicherheit und der Schutz der Pferde vor ansteckenden Krankheiten wieder mehr in den Blickpunkt der Pferdehalterinnen und -halter. Empfohlen wird ein Hygienemanagement, dass auf mehreren Säulen basiert. Dazu zählen:  - das Tiermanagement: separater Quarantänestall, gemeinsames Impf- und Entwurmungsmanagement etc., - das Personenmanagement, das alle Personen betrifft, die mit den Pferden auf dem Betrieb in Verbindung kommen: Stallbesitzer, Reiter, Tierarzt, Schmied, Futtermittellieferanten und Entmister sollten in Bezug auf die Biosicherheit (z.B. Händewaschen, Desinfektion, besondere Hygienemaßnahmen bei Krankheitssituationen) an einem Strang ziehen, - das Umweltmanagement der Stallanlage, der Wiesen, der Paddocks und weiterer baulicher Anlagen: saubere und trockene Lagerung des Futters, räumliche Trennung von Mist- und Futterlagerstätten, regelmäßige Reinigung und Desinfektion von Stallfahrzeugen und Arbeitsgeräten etc.