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Tier

Legehennenhaltung in Deutschland

Legehennenhaltung in Deutschland

Seit dem Verbot der K├Ąfighaltung im Jahr 2010 hat sich die Legehennenhaltung in Deutschland grundlegend ver├Ąndert. Aktuell stellt die Tierwohl-Initiative die Branche vor neue Herausforderungen.

In Deutschland werden rund 45 Millionen Legehennen gehalten. Mit diesen Tieren erzeugen deutsche Legehennenhalter etwa 14 Milliarden Eier pro Jahr, was einem Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent entspricht. Rund 9,6 Milliarden Eier werden j├Ąhrlich importiert, ├╝berwiegend aus den Niederlanden (72 Prozent) und Polen (19 Prozent). Damit z├Ąhlt Deutschland innerhalb der EU zu den gr├Â├čten Importeuren von Konsumeiern.

Haltungsformen ÔÇô seit 2010 ist alles anders

Mit dem Verbot der K├Ąfighaltung im Jahr 2010 hat sich die Legehennenhaltung in Deutschland stark ver├Ąndert. Seitdem werden Eier nur noch in Kleingruppen-, Boden-  und Freilandhaltung sowie in ├Âkologischer Haltung erzeugt.

Wegen der starken Nachfrage des Lebensmitteleinzelhandels nach Eiern aus Bodenhaltung haben deutsche Eiererzeuger insbesondere in diese Haltungsform investiert. Damit ist die Bodenhaltung mit 63 Prozent der Haltungspl├Ątze hierzulande die dominierende Haltungsform. Neben der klassischen Bodenhaltung, bei der F├╝tterungs- und Tr├Ąnkeeinrichtungen auf nur einer Ebene angeboten werden, gibt es noch die Volierenhaltung. Dabei d├╝rfen bis zu vier Ebenen ├╝bereinander angeordnet sein, was die erlaubte Besatzdichte auf das Doppelte erh├Âht.

Welche Anforderungen gelten in welchem Haltungssystem?

Kleingruppenhaltung Bodenhaltung/ Volierenhaltung Freilandhaltung ├ľkohaltung
Stallfl├Ąche je Tier 800 cm2 1.100 cm2 1.000 cm2 1.600 cm2
Auslauffl├Ąche je Tier _ _ 4 m2, muss bewachsen sein und tags├╝ber uneingeschr├Ąnkt zug├Ąnglich sein 4 m2, muss bewachsen sein und tags├╝ber uneingeschr├Ąnkt zug├Ąnglich sein
Beleuchtung K├╝nstliches Licht Mind. 3 % der Stallgrundfl├Ąche als Licht├Âffnungen Mind. 3 % der Stallgrundfl├Ąche als Licht├Âffnungen Mind. 3 % der Stallgrundfl├Ąche als Licht├Âffnungen
Herdengr├Â├če 30 bis 60 Tiere je Abteil Max. 6.000 Tiere 6.000 Tiere 3.000 Tiere

Die Freilandhaltung ist bis heute auf 17 Prozent der Haltungspl├Ątze angewachsen und nimmt damit in Deutschland Rang zwei ein. Bei dieser Haltungsform muss jeder Henne zus├Ątzlich zum Stallraum noch Auslauffl├Ąche zur Verf├╝gung gestellt werden.

Auch die ├Âkologische Eiererzeugung konnte zulegen auf heute 10 Prozent der Haltungspl├Ątze. Kennzeichen der ├Âkologischen Haltung ist neben dem vorgeschriebenen Auslauf und einer geringeren Besatzdichte im Stall, die F├╝tterung mit ├ľkofutter.

Die Kleingruppenhaltung ist in Deutschland seit 2016 nicht mehr zul├Ąssig. F├╝r bestehende Einrichtungen gilt allerdings noch eine Auslauffrist bis 2025.Der Anteil der Kleingruppenhaltungen nimmt daher in Deutschland stetig ab und liegt aktuell nur noch bei 10 Prozent. Zum Vergleich: 2008 gab es noch rund 60 Prozent Kleingruppenhaltungen. Mit 10 Prozent ist Deutschland nach ├ľsterreich (2 Prozent) das Land mit dem geringsten Anteil an Kleingruppenhaltungen in der EU.

Die meisten Legehennen gibt es im Nordwesten

Der Schwerpunkt der deutschen Legehennenhaltung liegt in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In diesen beiden Bundesl├Ąndern lebt fast die H├Ąlfte aller Legehennen. Die gr├Â├čten Betriebe liegen mit durchschnittlich 64.000 Hennen in Brandenburg, die kleinsten in Baden-W├╝rttemberg. Dort werden im Schnitt 11.000 Hennen je Betrieb gehalten.

Die meisten Betriebe in Deutschland halten zwischen 10.000 und 30.000 Hennen. Nur etwa f├╝nf Prozent der Betriebe halten mehr als 100.000, weitere zwei Prozent mehr als 200.000 Hennen. Fast 40 Prozent aller Legenhennen in Deutschland leben allerdings in diesen gro├čen Betrieben mit mehr als 100.000 Tieren.

Hochspezialisiert: In f├╝nf Stufen bis zur Legehenne

Die Wirtschaftsgefl├╝gelzucht f├╝r die Eiererzeugung ist hochspezialisiert. Die meisten Betriebe in Deutschland konzentrieren sich auf eine der folgenden f├╝nf Produktionsstufen:

1. Basiszucht: Sie liegt heute in der Hand weniger kommerzieller Zuchtunternehmen. Diese erzeugen die Elterntierk├╝ken und verkaufen diese an die Vermehrungsbetriebe.

2. Vermehrungsbetrieb: Hier wachsen die Elterntierk├╝ken auf. H├Ąhne und Hennen werden kombiniert, sodass befruchtete Eier entstehen, die an die Br├╝tereien verkauft werden.

3. Br├╝tereien: Hier werden die befruchteten Eier der Elterntiere innerhalb von drei Wochen ausgebr├╝tet. Die weiblichen K├╝ken ÔÇô die sp├Ąteren Legehennen ÔÇô, werden an die Aufzuchtbetriebe geliefert. Die m├Ąnnlichen K├╝ken werden, weil sie f├╝r die Gefl├╝gelmast unwirtschaftlich sind, get├Âtet.

4. Junghennenaufzucht: Die K├╝ken werden hier bis zu einem Alter von etwa f├╝nf Monaten gro├čgezogen. Kurz vor der ersten Eiablage werden sie an den Legebetrieb ausgeliefert.

5. Legebetrieb: Hier werden die Legehennen f├╝r einen Zeitraum von 12 bis 14 Monaten f├╝r die eigentliche Eiererzeugung genutzt.

In der Legehennenhaltung werden heute fast ausschlie├člich auf hohe Legeleistung spezialisierte Hybridz├╝chtungen eingesetzt. Diese k├Ânnen ├╝ber 300 Eier pro Jahr legen. Die Hybriden gehen aus der Kreuzung von Linien ÔÇô Tieren mit besonderen und reinen Merkmalen ÔÇô hervor. Durch den Kreuzungseffekt haben sie eine h├Âhere Legeleistung und sind robuster als die reinen Rassen. Einen weiteren Einfluss auf die Legeleistung haben die Inhaltsstoffe des Futters und das Licht.

Junghennen beginnen im Alter von circa f├╝nf Monaten damit Eier zu legen. Den H├Âhepunkt der Leget├Ątigkeit erreichen sie im Alter von sechs bis sieben Monaten. Bereits nach einem Jahr geht die Leistung wieder zur├╝ck und nach rund eineinhalb Jahren werden die Tiere geschlachtet und als Suppenh├╝hner verkauft.

├ľkologische Legehennenhaltung

Wie auch schon in den Vorjahren hat die Zahl der ├ľkolegehennen in 2016 weiter zugenommen und liegt aktuell bei 4,9 Millionen Tieren. Das sind 10,9 Prozent der Legehennen insgesamt. Kleine Haltungen von weniger als 3.000 Tieren spielen in ├ľkobetrieben eine gr├Â├čere Rolle als in konventionellen. Immer mehr ├ľkobetriebe setzen auf die mobile H├╝hnerhaltung und die Direktvermarktung.

Mehr Informationen zur ├Âkologischen Gefl├╝gelhaltung

Tierwohl: Schwerpunkte in der Legehennenhaltung

Besonders die H├╝hnerhaltung r├╝ckte in den vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus der Tierwohlbem├╝hungen. Das Ziel ist ein praktikabler und ├Âkonomisch tragf├Ąhiger Konsens zwischen Verbrauchererwartungen und der Landwirtschaft. Ein bedeutender Schwerpunkt der Tierwohlinitiativen in der Legehennenhaltung ist die Entwicklung praxisf├Ąhiger Alternativen, die das T├Âten der m├Ąnnlichen K├╝ken von Legehennenrassen ├╝berfl├╝ssig macht. Derzeit gibt es zwei vielversprechende Ans├Ątze zur Geschlechtsbestimmung im Ei. Beide verfolgen das Ziel, das Geschlecht zu ermitteln, noch bevor das Schmerzempfinden beim Embryo einsetzt. Eier, in denen sich m├Ąnnliche K├╝ken entwickeln, werden nicht weiter bebr├╝tet und k├Ânnen weiterverarbeitet werden.

Erg├Ąnzend zur Geschlechtsbestimmung im Ei, f├Ârdert das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) ein Projekt, das die Z├╝chtung von sogenannten Zweinutzungsh├╝hnern voranbringen soll. Damit sind Rassen gemeint, die sowohl zur Eier- als auch zur Fleischproduktion genutzt werden k├Ânnen.

Alternativen zum T├Âten m├Ąnnlicher K├╝ken

Ein weiterer Schwerpunkt in Sachen Tierwohl in der Legehennenhaltung ist der Verzicht auf das Schnabelk├╝rzen: Auf Initiative des BMEL beschloss die deutsche Gefl├╝gelwirtschaft 2015 in einer freiwilligen Vereinbarung, dass ab dem 1. August 2016 keinem K├╝ken mehr, das f├╝r die Legehennenhaltung in Deutschland vorgesehen ist, der Schnabel gek├╝rzt wird. Damit erhalten seit dem 1. Januar 2017 Legehennenbetriebe Tiere mit intaktem Schnabel. Zus├Ątzlich f├Ârdert das BMEL Ma├čnahmen, um das Federpicken und den Kannibalismus in der Legehennenhaltung, auch ohne Schnabelk├╝rzen, zu minimieren.

 

Tierwohl: Initiativen und Programme

Das KTBL hat au├čerdem einen Leitfaden mit Tierschutzindikatoren f├╝r die Legehennenhaltung herausgebracht, der unter dem folgenden Link heruntergeladen werden kann: