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Tier

Geflügelfleischerzeugung in Deutschland

Die Deutschen essen immer mehr Geflügel. Dadurch hat sich die Geflügelfleischerzeugung in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Innerhalb der EU ist Deutschland eines der wichtigsten Erzeugerländer.

Geflügel

Quelle: landpixel.de

In Deutschland wurden 2016 rund 1,5 Millionen Tonnen Geflügel geschlachtet. Mit dieser Menge liegen die Deutschen in der EU auf Rang fünf der Erzeugerländer, hinter Spanien, Polen, Großbritannien und Frankreich. Im weltweiten Vergleich entfallen rund 45 Prozent der Geflügelproduktion auf die USA, China und Brasilien.

Relevante Schlachtmengen fallen hierzulande bei Mast- und Suppenhühnern, Puten, Enten und Gänsen an. Andere Geflügelarten wie Perlhühner, Wachteln oder Fasane kommen dagegen nur in sehr geringer Stückzahl vor.

Geflügelfleisch wird immer beliebter

Kuchendiagramm zur Zusammensetzung der Geflügelfleischproduktion in Deutschland

Zusammensetzung der Geflügelfleischproduktion in Deutschland, gemessen an den Schlachtmengen (2016) Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis von Daten der Fachserie 3, Reihe 4, Destatis

Der Konsum von Geflügelfleisch hat in den vergangenen 20 Jahren enorm zugenommen. Belief sich der Pro-Kopf-Verzehr 1996 noch auf 8,4 Kilogramm, waren es 2016 bereits 12,5. Entsprechend haben die deutschen Mastgeflügelhalter ihre Produktion ausgeweitet: Zwischen 1996 und 2016 ist die Menge an geschlachtetem Geflügel von 638.000 Tonnen auf 1,55 Millionen Tonnen angestiegen und hat sich damit mehr als verdoppelt.

Masthähnchen haben mit rund 63 Prozent den weitaus größten Anteil am verbrauchten Geflügelfleisch (siehe Grafik). Bedeutend sind aber auch Puten mit rund 32 Prozent. Suppenhühner, Enten und Gänse machen zusammen nur rund fünf Prozent aus.

Immer mehr Großbetriebe

Wie in anderen Bereichen der Landwirtschaft hat auch in der Mastgeflügelhaltung in den vergangenen Jahren ein starker Strukturwandel stattgefunden. Dies lässt sich am deutlichsten bei der Masthühnerhaltung beobachten: Die Anzahl der Betriebe ging zwischen 1999 und 2016 um rund 28 Prozent zurück, während sich die Gesamtzahl der Masthühner im gleichen Zeitraum um 90 Prozent erhöhte.

Außerdem gab es erhebliche Veränderungen bei den Bestandsgrößen. Die Anzahl Betriebe mit weniger als 10.000 Masthähnchen hat sich zwischen 1999 und 2016 stark reduziert. Deutlich zugenommen haben dagegen die großen Betriebe mit mehr als 50.000 Tieren. Obwohl solch große Betriebe nur einen Anteil von 20 Prozent an der Gesamtbetriebszahl haben, werden dort fast 80 Prozent aller Masthühner gehalten. In Betrieben mit weniger als 10.000 Mastplätzen leben gerade einmal ein Prozent aller Masthühner.

Starke regionale Konzentration

Der Schwerpunkt der deutschen Hühnermast liegt in Niedersachsen. Dort leben mit 61 Millionen Tieren knapp zwei Drittel aller deutschen Masthühner (2016). Niedersachsen ist auch das Bundesland mit den meisten Betrieben: Über 1.000 Masthähnchenbetriebe gibt es dort. Das Land mit den größten Beständen ist dagegen Sachsen-Anhalt mit durchschnittlich 143.000 Masthähnchen. Die kleinsten Hähnchenmastbetriebe gibt es in Rheinland-Pfalz: Die mittlere Bestandsgröße liegt dort bei 409 Tieren.

Auch die Putenmast hat ihren Schwerpunkt in Niedersachsen: 42 Prozent der insgesamt 12,4 Millionen Puten leben dort. Zweitwichtigstes Land bei der Putenhaltung ist Nordrhein-Westfalen, wo 12,6 Prozent aller deutschen Puten leben. Über die Hälfte aller Großbetriebe (> 10.000 Puten) befindet sich in diesen beiden Bundesländern. Bayern ist mit 456 Betrieben zwar das Bundesland mit den meisten Putenmastbetrieben, dort leben aber gerade mal sechs Prozent aller deutschen Puten.

Hochspezialisiert: Produktionsstufen der Masthähnchen- und Putenerzeugung

Die Wirtschaftsgeflügelzucht zur Fleischgewinnung in Deutschland ist hochspezialisiert. Es werden fast ausschließlich auf hohe Gewichtszunahme und gute Futterverwertung gezüchtete Tiere eingesetzt. Durch intensive Züchtungsbemühungen konnte die Wachstumsgeschwindigkeit in den letzten 65 Jahren etwa vervierfacht werden: In den 1950er Jahren wogen Masthühner nach etwa 120 Tagen circa 1,5 Kilogramm. Heutige Masthybriden erreichen dieses Gewicht bereits nach weniger als 30 Tagen.

Die meisten Betriebe konzentrieren sich heute auf eine der folgenden vier Produktionsstufen:

1.Basiszucht: Diese liegt heute in der Hand weniger kommerzieller Zuchtunternehmen. Die Basiszuchtbetriebe erzeugen die Elterntierküken und verkaufen diese an die Vermehrungsbetriebe.

2. Vermehrungsbetrieb: Hier wachsen die Elterntierküken auf. Hähne und Hennen werden kombiniert, sodass befruchtete Eier entstehen, die an die Brütereien verkauft werden.

3. Brütereien: Die befruchteten Eier der Elterntiere werden hier ausgebrütet. Männliche und weibliche Küken – die späteren Masttiere – werden an die Mastbetriebe geliefert.

4. Mastbetrieb: Hier werden die Masthähnchen und Mastputen bis zur Mastreife gemästet.

Puten oder Hähnchen: Es gibt Unterschiede in der Haltung

Hähnchen werden meist in geschlossenen Ställen gehalten, wobei Belüftungsanlagen für frische Luft und Fenster für Tageslicht sorgen. Daneben gibt es die Mast in offenen Ställen mit natürlicher Lüftung, sie ist jedoch weniger verbreitet. Männliche und weibliche Masthähnchen werden zusammen aufgestallt und verbringen etwa fünf Wochen im Stall, bis sie ihr Mastendgewicht von 1,5 Kilogramm erreicht haben. Hähnchen, die für die Verarbeitung von Teilstücken vorgesehen sind, bleiben rund sieben Wochen im Stall bis zu einem Mastendgewicht von 2,5 Kilogramm.

Laut Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung liegt die maximal zulässige Besatzdichte in der Hähnchenmast bei 35 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter (bei verlängerter Aufzucht 39 Kilogramm). In der Praxis bedeutet dies, dass sich gegen Ende der Mastzeit meist 16 bis 26 Tiere einen Quadratmeter Stallboden teilen.

Puten werden meist in Offenställen gehalten, die den Tieren eine natürliche Luft- und Lichtzufuhr bieten. Es gibt aber auch Haltungen in geschlossenen Ställen mit Belüftungsanlagen. Männliche und weibliche Puten werden wegen des unterschiedlichen Wachstumstempos getrennt aufgestallt: Die Hennen haben bereits nach 16 Wochen ihr Endgewicht von 10 Kilogramm erreicht. Hähne werden noch sechs Wochen länger aufgezogen, bis sie etwa 20 Kilogramm wiegen.

Für die Putenhaltung gelten in Deutschland bislang keine spezifischen Rechtsvorschriften. Die Haltung von Mastputen erfolgt daher nach bundeseinheitlichen Eckwerten, die die deutsche Geflügelwirtschaft unter Führung des Bundeslandwirtschaftsministeriums entwickelt hat. Danach liegt die maximal zulässige Besatzdichte in der Putenmast bei 45 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter für Hennen und 50 Kilogramm pro Quadratmeter für Hähne. Bei verbindlicher Beteiligung an einem Gesundheitskontrollprogramm kann die zulässige Besatzdichte sogar auf bis zu 52 Kilogramm bei Putenhennen und bis zu 58 Kilogramm bei Putenhähnen ausgeweitet werden.

Ökologische Geflügelmast

Die ökologische Mastgeflügelhaltung in Deutschland ist nach wie vor eine Nische. Mit rund 19.000 Tonnen erreicht Ökogeflügelfleisch einen Marktanteil von nur 1,1 Prozent. Biogeflügel ist beim Verbraucher aber zunehmend gefragter und so hat die Biogeflügelfleischproduktion 2016 um knapp sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen können. Dies liegt vor allem an den Ökomasthähnchen deren Anzahl zwischen 2015 und 2016 um rund 11 Prozent zugenommen hat. Die Ökoputenbestände dagegen haben sich 2016, wie schon im Jahr zuvor, weiter verkleinert. Den höchsten Bioanteil unter den Mastgeflügelarten haben die Gänse mit 5,5 Prozent.

Mehr Informationen zur ökologischen Geflügelhaltung

Tierwohl

Seit einigen Jahren rückt das Mastgeflügel immer mehr in den Fokus der Tierwohlbemühungen. Das Ziel ist ein praktikabler und ökonomisch tragfähiger Konsens zwischen Verbrauchererwartungen und der Landwirtschaft.

Derzeit gibt es zahlreiche staatliche und nichtstaatliche Programme und Initiativen, die Anforderungen an das Tierwohl bzw. den Tierschutz definieren. Die Programme und Initiativen unterscheiden sich inhaltlich wie auch hinsichtlich der Produktionsrichtungen, die sie abdecken. Welche Tierschutzprogramme und -initiativen es gibt und welche Anforderungen diese stellen, hat das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) auf der folgenden Seite zusammengefasst.

Aktuelle Tierschutzprogramme und -initiativen

Das KTBL hat außerdem Leitfäden mit Tierschutzindikatoren für die Mastrinderhaltung herausgebracht, die unter folgendem Link heruntergeladen werden können:

Tierschutzindikatoren Masthühner

Tierschutzindikatoren Mastputen