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Tier

Ökologische Aquakultur

Die EU-Rechtsvorschriften des ökologischen Landbaus sind die Grundlage für EU-weite einheitliche und verbindliche Richtlinien zur Ökoaquakultur, die neben Fisch auch die Produktion von Muscheln, Schnecken- und Krebstieren sowie Stachelhäutern einschließen.

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Seit 2009 gibt es EU-weite Vorschriften zur Ökoaquakultur.
Foto: BLE, Thomas Stephan

Haltung

In der ökologischen Fischproduktion sind geschlossene Kreislaufanlagen verboten. Sie dürfen nur für Brut- und Jungtierstationen oder für die Erzeugung von ökologischen Futterorganismen genutzt werden. Aufzuchtanlagen an Land müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört zum Beispiel, dass bei Durchflussanlagen die Möglichkeit besteht, die Wasserwechselrate und die Wasserqualität des zufließenden und des abfließenden Wassers zu kontrollieren. Zudem muss mindestens fünf Prozent der Fläche am Teichrand aus natürlicher Vegetation bestehen.

Ökologische Haltungseinrichtungen im Meer müssen so angelegt sein, dass Wasserströmung, Wassertiefe und Wasseraustausch am gewählten Standort gewährleisten, dass Auswirkungen auf den Meeresboden und den umliegenden Wasserkörper auf ein Mindestmaß reduziert werden. Außerdem müssen die Anlagen an die am Standort herrschenden Umweltbedingungen angepasst sein.

Ein weiteres wichtiges Kriterium der ökologischen Aquakultur sind die artspezifischen Besatzdichten. Diese legen fest, wie viele Fische pro Kubikmeter Wasser, bezogen auf die jeweilige Art, gehalten werden dürfen.

Da sich die Besatzdichte auf das Wohlbefinden der Tiere auswirkt, müssen der Zustand der Fische (Flossen- oder andere Verletzungen, Wachstumsraten, Verhalten und allgemeiner Gesundheitszustand) und die Wasserqualität regelmäßig überwacht werden.

Die Konstruktion, Standort und Betrieb der Fischzuchtanlagen sind so zu konzipieren, dass das Risiko eines Entweichens der Tiere minimiert wird. Wenn Fische oder Krebstiere dennoch entweichen, sind angemessene Maßnahmen zu ergreifen, gegebenenfalls einschließlich Wiedereinfang, um nachteilige Auswirkungen auf das Ökosystem zu vermindern. Über entsprechende Vorgänge ist Buch zu führen.  

Umgang mit Aquakulturtieren

Generell sind Eingriffe bei Aquakulturtieren (zum Beispiel beim Impfen) auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Dabei sollten mit äußerster Sorgfalt geeignete Geräte und Verfahren verwendet werden, um Stress und Verletzungen, die mit Behandlungen einhergehen, zu vermeiden.

Die Verwendung von künstlichem Licht ist in der ökologischen Aquakultur beschränkt. Der Übergang von Hell zu Dunkel und umgekehrt darf nicht abrupt erfolgten, sondern ist durch den Einsatz von Dimmern oder Hintergrundbeleuchtung einzuleiten.

Eine Belüftung von Öko-Aquakultur-Anlagen ist im Interesse des Tierschutzes und der Tiergesundheit unter der Bedingung erlaubt, dass mechanische Belüftungsgeräte vorzugsweise mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Der Einsatz von Sauerstoff ist eingeschränkt und darf nur erfolgen, wenn die Gesundheit der Tiere sowie kritische Phasen der Produktion und des Transports dies erfordern. 

Beim Schlachten wird darauf geachtet, dass die Tiere sofort betäubt sind und keinen Schmerz empfinden. Bei der Festlegung optimaler Schlachtmethoden muss den unterschiedlichen Fischgrößen, Arten und Produktionsstandorten Rechnung getragen werden.

Fütterung

Die generell maßgeblichen Anforderungen an jedes Fütterungsregime sind eine geringe Umweltbelastung sowie Tiergesundheit und hohe Produktqualität, die eine hohe Qualität des verzehrbaren Endproduktes gewährleisten. Mit Blick auf die Fütterung ist zwischen den Ansprüchen von Karnivoren (Fleischfressern), Omnivoren (Allesfressern) und Herbivoren (Pflanzenfressern) zu unterscheiden.

Damit karnivore Tiere artgerecht gefüttert werden, dürfen ihre Futterrationen höchstens 60 Prozent pflanzliche Ökoerzeugnisse enthalten. Ferner müssen bei den nichtpflanzlichen Rationsanteilen soweit verfügbar Produkte aus ökologischer Aquakulturproduktion gefüttert werden.

Für omni- und herbivore Tiere wie Karpfen, Schleien etc. gilt, dass sie sich über das natürliche Nahrungsangebot in den Teichen und Seen ernähren. Nur, wenn ein solches natürliches Nahrungsangebot nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht, dürfen ökologische Futtermittel pflanzlichen Ursprungs (die vorzugsweise vom Betrieb selbst stammen) oder Algen zugefüttert werden. Allerdings ist in diesem Fall die Notwendigkeit der Zufütterung vom Betrieb zu dokumentieren. 

Tiergesundheit

In der ökologischen Aquakultur steht der vorbeugende Schutz der Tiergesundheit im Vordergrund. Entsprechend ist eine schriftliche Vereinbarung über eine der Anlage angemessene Gesundheitsberatung mit qualifizierten Gesundheitsdiensten für Aquakulturtiere abzuschließen. Der Gesundheitsdienst besichtigt den Betrieb mindestens einmal im Jahr.

Gegebenenfalls vorhandene Fischfutterreste, Ausscheidungen und tote Tiere sind sofort zu entfernen, um die Wasserqualität nicht zu beeinträchtigen und keine Insekten oder Nager anzulocken. Dadurch werden Krankheitsrisiken eingeschränkt. Weiterhin sind Haltungseinrichtungen, Ausrüstungen und Geräte regelmäßig zu reinigen und zu desinfizieren, um Infektionsrisiken zu minimieren.

Nach Entscheidung der zuständigen Behörde sind nach jedem Produktionszyklus in Haltungseinrichtungen im offenen Meer gegebenenfalls Ruhezeiten über einen angemessenen Zeitraum einzuhalten. Derartige Ruhezeiten werden auch für andere Produktionsmethoden in Becken, Teichen und Netzkäfigen empfohlen. Für die biologische Bekämpfung von Ektoparasiten werden vorzugsweise Putzerfische eingesetzt.

Behandlung von Krankheiten und Parasiten

Treten trotz der zuvor genannten Krankheitsvorsorge gesundheitliche Probleme auf, können tierärztliche Behandlungen durchgeführt werden. Es dürfen homöopathische und bestimmte pflanzliche Stoffe sowie Spurenelementen, Metalle, natürliche Immunostimulanzien oder zugelassene Probiotika eingesetzt werden.

Die Anzahl von allopathischen Behandlungen sowie Parasitenbehandlungen sind beschränkt. Hiervon ausgenommen sind Impfungen und obligatorische Tilgungspläne. Die Wartezeit nach Verabreichung allopathischer Tierarzneimittel und nach Parasitenbehandlungen ist doppelt so lang wie die übliche vorgeschriebene Wartezeit und beträgt, wenn keine Wartezeit festgelegt ist, generell mindestens 48 Stunden.

Der Einsatz von Hormonen und Hormonderivaten ist in der ökologischen Fischzucht generell verboten. Der Einsatz von Tierarzneimitteln ist der Kontrollstelle grundsätzlich zu melden, bevor die Tiere als ökologisch produziert vermarktet werden. Behandelte Tiere müssen eindeutig zu identifizieren sein.