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Fischerei und Aquakultur in Deutschland

Fischer auf einem Fischerboot mit Netz in der Hand

Quelle: BLE

Die Eigenproduktion der deutschen See- und Binnenfischerei deckt einen Anteil von rund 13 Prozent der Inlandsnachfrage, Importe haben somit die größte Bedeutung für die Versorgung des deutschen Marktes. Dennoch ist die deutsche Fischereiwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Über 40.000 Menschen sind hier beschäftigt – in der Fischerei selbst, vor allem aber in der Fischverarbeitung und im Handel sowie in der Gastronomie; mit einem Umsatz von insgesamt fast sechs Milliarden Euro pro Jahr.

In der Seefischerei unterscheidet man hierzulande zwischen Großer und Kleiner Hochseefischerei sowie der Küstenfischerei. In der deutschen Großen Hochseefischerei sind seit dem Sommer 2016 noch acht Fang- und Verarbeitungsschiffe mit über 500 BRZ im Einsatz.

BRZ = Bruttoraumzahl: Die Bruttoraumzahl ist eine dimensionslose Zahl, die die Bruttoregistertonne als Maß für die Gesamtgröße von Schiffen in der Schiffsvermessung ersetzt hat. Die BRZ ergibt sich aus dem gesamten umbauten Raum, multipliziert mit einem je nach Schiffstyp variierenden Faktor.

Die Flotte der deutschen Kutter- und Küstenfischer besteht aus 1.413 Fahrzeugen, von denen 1.088 kleiner als 12 Meter sind. 39 Fahrzeuge sind Muschel- und Spezialfahrzeuge (Stand 2016). Die deutsche Flotte stellt damit insgesamt drei Prozent der EU-Flotte.

Die deutsche Binnenfischerei unterteilt sich in die Seen- und Flussfischerei, die Aquakultur sowie die Angelfischerei. Die Aquakultur ist dabei sowohl nach Produktionsmenge als auch nach erzielten Erlösen der ertragreichste Sektor.

Die deutsche Küstenfischerei

Die küstennahe Fischerei in der Nord- und Ostsee wird mit kleineren Booten oder Kuttern ausgeübt. In der Anlandestatistik wird nicht zwischen Kleiner Hochsee- und Küstenfischerei differenziert: 2016 wurden in Deutschland insgesamt rund 56.135 Tonnen Fisch (einschließlich Miesmuscheln) angelandet, mit einem Erlös von etwa 86,99 Millionen Euro.

Im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU obliegt es in Deutschland der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) unter anderem

  • die Bewirtschaftung und Überwachung der Fangquoten nationaler Fischereifahrzeuge (Höchstfangmengen und Quoten) und
  • die Verwaltung des Fischereiaufwandes (mit welcher Intensität gefischt werden darf)

vorzunehmen. Vor der jährlichen Verteilung der Fangmengen an die deutschen Fischereibetriebe durch die BLE werden die Bundesländer und die Fischwirtschaft zur Festlegung der Zuteilungskriterien angehört.

Wichtige Zielarten in der Nordsee sind mengenmäßig Hering, Garnelen und Plattfische.

EU- und deutsche Quoten 2017 bei wichtigen Nordseebeständen (Auszug)
BestandEU-Quote
(Angaben in Tonnen)
Deutsche Quote
(Angaben in Tonnen)
Veränderung 2017/2016
(Angaben in Prozent)
Hering288.765 51.066-7
Scholle122.4947.0670
Seelachs47.88810.447+53
Kabeljau32.553 4.222+17
Schellfisch26.4051.225-45

Hervorzuheben ist, dass der Nordseekabeljau – lange Zeit Symbolfisch für die Überfischung der Meere – sich deutlich erholt hat und jetzt nachhaltig befischt wird. Die Bestände von Hering und Scholle befinden sich nach wie vor auf einem hohen Niveau. Die Fangmenge für Scholle bleibt daher auf Vorjahresniveau, bei Hering ist eine leichte Kürzung vorgesehen.

Wichtige Zielarten in der Ostsee sind mengenmäßig Hering, Dorsch/Kabeljau und Plattfische.

EU- und deutsche Quoten 2017 bei wichtigen Ostseebeständen (Auszug)
BestandEU-Quote
(Angaben in Tonnen)
Deutsche Quote
(Angaben in Tonnen)
Veränderung 2017/2016
(Angaben in Prozent)
Hering, westl. Ostsee28.40115.670+8
Hering, mittl. Ostsee 191.129 1.115+8
Dorsch, westl. Ostsee 5.597  1.194-56
Dorsch, östl. Ostsee  30.857 2.820 -25
Scholle7.862626+95

Die Situation der meisten Fischbestände in der Ostsee hat sich in den letzten Jahren durch ein verantwortungsvolles Management deutlich verbessert – mit Ausnahme von Dorsch/Kabeljau. Erstmals beschloss die EU, in der Ostsee auch die Anglerfänge zu reglementieren. Freizeitangler dürfen nur noch fünf Dorsche pro Tag angeln, in der Laichzeit nur drei.

Die Quotenabsenkung der Dorschfischerei wird vom Verbandes der deutschen Kutter- und Küstenfischer (VDKK) sehr kritisch gesehen. Ohne Beihilfen sieht der Verband viele der kleinen Familienbetriebe in ihrer Existenz bedroht. Generell kommt in der deutschen Küstenfischerei die Besonderheit zum Tragen, dass viele Betriebe (circa 42 Prozent) nur im Nebenerwerb geführt werden. Dies gilt insbesondere für die Fahrzeuge unter acht Meter. Fördermittel für Investitionen an Bord werden jedoch nur an Haupterwerbsbetriebe vergeben.

Spannungsfeld Ökologie und Ökonomie

Ferner befindet sich die Fischerei im Spannungsfeld von Ökologie und Ökonomie. Ein Schwerpunkt der künftigen Förderung wird in der Erforschung/Erprobung alternativer und Beifang ärmerer Fanggeräte sein sowie der Unterstützung von Vorhaben, die den Schutz von Meeresbiodiversität und Meeresökosystemen in Zusammenarbeit mit Fischern zum Ziel haben.

Die Lösung des Konfliktes zwischen Fischerei und Naturschutz ist insbesondere für die Küstenfischerei von besonderer Bedeutung, da ein großer Teil der deutschen Küstengewässer als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen ist und aufgrund des eingeschränkten Fahrtbereichs der Fahrzeuge keine Ausweichmöglichkeiten bestehen. Fischereiliche Maßnahmen in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) können allerdings nur auf europäischer Ebene realisiert werden, da hier die EU-Kommission alleinige Regelungskompetenz hat.

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Die deutsche Miesmuschelfischerei

Die deutsche Miesmuschelfischerei findet hauptsächlich im Watt der Nordseeküste statt. Gemäß Bundeswasserstraßengesetz überlässt der Bund den Küstenländern das alleinige Recht zur Nutzung der Muscheln in den Küstengewässern. Die Länder regeln ihrerseits zum Beispiel Standorte, Schonzeiten und Verweildauer.

Die Erträge sind starken natürlichen Schwankungen unterworfen. Im vergangenen Jahr wurden rund 21.475 Tonnen Miesmuscheln in Deutschland angelandet, 2015 waren es etwa 12.000 Tonnen. Durchschnittlich stammen rund 20.000 Tonnen der europäischen Produktion aus dem deutschen Wattenmeer. Die Miesmuschelfischerei ist heute in der Regel eine Kombination von Wildmuschelfang und der Bewirtschaftung extensiver Bodenkulturen. Das Grundprinzip der Muschelfischerei besteht darin, junge Miesmuscheln von Naturbänken abzufischen und auf günstiger gelegenen Kulturenflächen auszusäen. Auf den Kulturen verweilen sie bis zum Erreichen der Konsumgröße (ab 5 cm Schalenlänge) und werden dann geerntet.

Austern verdrängen Muscheln

Seit einigen Jahren fehlt den Kulturen die Ausbildung befischungswürdiger Jungmuschelbänke. Grund dafür ist, dass sich auf allen Standorten natürlicher Muschelbänke Austern niedergelassen haben (seit Ende der 1990er Jahre) und somit diese Naturbänke nicht mehr für die Gewinnung von jungen Miesmuscheln zum Belegen der Kulturen zur Verfügung stehen.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass die hohen Garnelenbestände dazu beitragen, dass die sich niederlassenden, kleinsten Jungmuscheln (ab circa 0,3 Millimeter Größe) von den räuberischen Garnelen weggefressen werden. Auch werden Muschellarven, die in die Nähe von Austern geraten, von diesen herausgefiltert und eliminiert.

Um den natürliche Nachwuchs junger Saatmuscheln zu erhalten, wurden vor wenigen Jahren spezielle Brutsammler entwickelt. Da man weiß, dass jährlich sehr viele Larven in der Wassersäule sind, es aber nicht jedes Jahr zu einem natürlichen Brutfall im Watt kommt, bietet man den Larven durch Netze und Taue künstliches Anheftungssubstrat an.

Die dort angesiedelten Muscheln entstammen einem Jahrgang und sind somit von den Fischern besser zum Belegen der Kulturen zu nutzen. Dieses technische Verfahren funktioniert sehr gut, ist aber wesentlich teurer als das Abfischen von Saatmuschelbänken.

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Die deutsche Fluss- und Seenfischerei

Die Seen- und Flussfischerei ist die erwerbsmäßig ausgeübte Fischerei in oberirdischen Binnengewässern. Wichtige Aufgaben sind die Hege und Nutzung der Fischbestände gemäß den Fischereigesetzgebungen der Bundesländer. Die Seen- und Flussfischerei hat hierzulande nur eine geringe wirtschaftliche Bedeutung.

Laut Jahresbericht zur Deutschen Binnenfischerei und Binnenaquakultur 2015 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) umfasst dieser Wirtschaftszweig etwa 340 Haupterwerbsbetriebe – mit rückläufiger Tendenz – und mehrere hundert Nebenerwerbsbetriebe. Sie bewirtschaften in Deutschland etwa 230.000 Hektar Seen, Talsperren, Flüsse und Kanäle. Das entspricht rund einem Viertel der in Deutschland vorhandenen Wasserflächen.

Die Schwerpunkte sowohl hinsichtlich der fischereilich genutzten Gewässerflächen als auch der Anzahl der Fischereibetriebe liegen in den seenreichen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. Hauptregion der erwerbsmäßigen Seen- und Flussfischerei Deutschlands ist Brandenburg. Mit 1.433 Tonnen kommt nahezu die Hälfte der gesamten Anlandungen aus diesem Bundesland (insgesamt rund 3.000 Tonnen, Stand 2015). Zu berücksichtigen ist dabei allerdings, dass vom Gesamtfang aus Brandenburger Gewässern nur etwa ein Viertel als Speisefisch beziehungsweise Satzfisch, der weitaus überwiegende Teil jedoch als Futterfisch vermarktet wurden.

Der überwiegende Teil der durch Erwerbsfischer bewirtschafteten Flächen wird gleichzeitig auch angelfischereilich genutzt. Es gibt knapp 1,8 Millionen Besitzer von Fischereischeinen, die damit die im überwiegenden Teil der Bundesländer erforderliche Voraussetzung zur Ausübung des Angelns in Binnengewässern besitzen.

Schwierige Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen für die Erwerbsfischerei auf deutschen Seen und Flüssen werden stetig komplizierter und problematischer. Das hat zu einer wirtschaftlich sehr angespannten Situation der meisten Betriebe sowie zu Betriebsaufgaben geführt. Viele Fluss- und Seenfischer wechseln nach der Ausbildung zur Aquakultur.

Neben dem anhaltenden Kormoranproblem erschweren naturschutzrechtliche Regelungen und Einschränkungen wie zum Beispiel Bewirtschaftungs- oder Besatzverbote massiv die Fischerei. Konflikte treten speziell im Zusammenhang mit Managementplanungen in Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH-Richtlinie) auf, wo Einschränkungen in der fischereilichen Gewässernutzung zum Beispiel durch Ausgrenzung von Teilflächen oder Beschränkungen des Fanggeräteeinsatzes gefordert werden. Hinzu kommen Konflikte mit der intensiven Gewässernutzung anderer Interessenbereiche wie Schifffahrt, Freizeitaktivitäten/Tourismus, Energiegewinnung durch Wasserkraft und Entnahme von Kühlwasser.
Die Situation und Perspektive der Erwerbsfischerei am größten deutschen Binnensee, dem Bodensee, verschlechtert sich seit Jahren durch einen stark abgesunkenen Nährstoffgehalt im Obersee.

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Aquakultur in Deutschland

Unter Aquakultur versteht man die Vermehrung und Aufzucht von im Wasser vorkommenden Organismen in einer kontrollierten oder besonders ausgewählten Umgebung. Die Ursprünge der Aquakultur sind in der Teichwirtschaft zu sehen, die in Deutschland eine lange Tradition hat, begünstigt durch geografische Gegebenheiten (Mittelgebirgslagen) und Wasserreichtum.

Auch heute dominieren hierzulande Teichwirtschaften, in denen überwiegend Regenbogenforellen und Karpfen erzeugt werden. Die Haltungssysteme in der Teichwirtschaft sind vielfältig und reichen von Natur- und Erdteichen bis hin zu künstlichen Rinnen und Beckenanlagen, in denen die Tiere mit ausreichend Sauerstoff und qualitativ hochwertigem Futter versorgt werden.

Die Fischzucht ist in Kreislaufanlagen auch Standort unabhängig möglich. Das für die Fischzucht genutzte Wasser wird biologisch und mechanisch aufbereitet und wiederverwendet, fehlende Stoffe, wie etwa Sauerstoff und Wärme, wieder hinzugefügt.

Diese technisch anspruchsvolle Haltungsform erlaubt eine ganzjährige Marktplatzierung von Frischfisch unter kontrollierten Bedingungen und gleichbleibender Qualität, kommt jedoch nur für hochpreisige Warmwasserfische, wie zum Beispiel Aal, Wels, Stör und Steinbutt, infrage.

Nach Angabe des Statistischen Bundesamts gab es 2017 in Deutschland 2.706 Betriebe der Aquakultur. Sie erzeugten 6.803 Tonnen Regenbogenforellen, 4.957 Tonnen vom Gemeinen Karpfen und 1.594 Tonnen Lachsforellen.

Die Karpfenproduktion und -nachfrage ist in den letzten Jahren immer weiter zurückgegangen, trotz hoher Produktqualität. Die Forellenproduktion konnte eine leichte Steigerung erfahren. Darüber hinaus wurden unter anderem erzeugt: 1.373 Tonnen Elsässer Saibling, 1.202 Tonnen Europäischer Aal, 1.061 Tonnen Afrikanischer Raubwels und 73 Tonnen Rogen/Kaviar. Das Haupterzeugerland für Rogen und Kaviar ist Niedersachsen.

Aquakultur in Deutschland stagniert

Global betrachtet, hatte die Aquakultur in den letzten zehn Jahren zweistellige Wachstumsraten zu verzeichnen, hierzulande stagniert sie. Eine Reihe rechtlicher Bestimmungen, die die Ausübung der Binnenfischerei und der Fischaufzucht berühren, hemmen deren Entwicklung in Deutschland. Die EU-Vorschriften zum Natur- und Artenschutz und zur Wassernutzung besitzen eine hohe Komplexität und werden regional unterschiedlich ausgelegt. Sie erschweren und verhindern die Erweiterung und Neugründung von Betrieben ebenso wie nationale Bestimmungen. Zunehmender Bürokratieaufwand beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit der zumeist relativ kleinen, handwerklich strukturierten Betriebe. Es ist aus Umweltschutzgründen nahezu unmöglich, eine Genehmigung für neue Teichanlagen zu erhalten.

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