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Tierschutzgerechte BetÀubung und Schlachtung von Fischen

Tierschutzgerechte BetÀubung und Schlachtung von Fischen

Auch fĂŒr Fische gilt das Tierschutzgesetz, wonach das grundlose ZufĂŒgungen von Schmerzen, Leiden oder SchĂ€den an Tieren verboten ist.

Auch wenn in letzter Zeit wieder Zweifel an der Schmerz- und LeidensfĂ€higkeit von Fischen aufgekommen sind, entbindet das auf juristischer und moralischer Ebene niemanden von der Verantwortung, jede Form von Stress und SchĂ€den an Fischen zu minimieren, so Prof. Robert Arlinghaus vom Leibniz-Institut fĂŒr GewĂ€sserökologie und Binnenfischerei.

Um das Lebensmittel Fisch in guter QualitĂ€t bereitzustellen und gleichzeitig die Fische wĂ€hrend des BetĂ€ubens und Schlachtens vor vermeidbaren Belastungen zu bewahren, sollten alle mit der Schlachtung verknĂŒpften Arbeitsschritte, wie die HĂ€lterung, das Sortieren, der Transport zum Schlachtraum sowie die BetĂ€ubung und Schlachtung möglichst schonend fĂŒr die Fische erfolgen.

Nach dem Tierschutzgesetz und der Tierschutzschlachtverordnung dĂŒrfen Fische nur unter BetĂ€ubung getötet werden. FĂŒr die BetĂ€ubung muss ein fĂŒr Fische zugelassenes Verfahren verwendet werden. Welche Arbeitsschritte in Fischzuchten mit der BetĂ€ubung und Schlachtung verbunden sind, ist von vielen betrieblichen Faktoren abhĂ€ngig. Es mĂŒssen beispielsweise die spezifischen AnsprĂŒche der vermarkteten Fischart, die AnsprĂŒche der Verbraucher, die Art der Erzeugnisse, die rĂ€umlichen Gegebenheiten und die Betriebsstruktur berĂŒcksichtigt werden. Deshalb können keine allgemeingĂŒltigen Richtlinien fĂŒr die BetĂ€ubung und Schlachtung aufgestellt werden, die fĂŒr jeden Betrieb verbindlich sind.

Tierschutzkonforme BetÀubungs- und Schlachtmethoden

Dennoch haben sich im Sinne einer "Guten fachlichen Praxis", verschiedene einfache Maßnahmen bewĂ€hrt. Dabei geht es neben dem eigentlichen BetĂ€uben und Schlachten auch um alle TĂ€tigkeiten, die im Zusammenhang damit stehen.

Im Rahmen der durch das Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft geförderten Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz wurde die BetĂ€ubung und Schlachtung von Regenbogenforellen und Karpfen in 24 Fischhaltungsbetrieben in Deutschland evaluiert. Anhand der Auswertung der Betriebsbesuche konnten optimierbare Prozesse identifiziert werden und schließlich Empfehlungen abgeleitet werden.

Grundbedingungen fĂŒr eine tiergerechte Schlachtung von Fischen sind danach: Gute WasserqualitĂ€t in der HĂ€lterung, beim Transport und im BetĂ€ubungsbecken, schonendes Umsetzen und Sortieren, möglichst kurzer Aufenthalt an der Luft und eine sichere BetĂ€ubung.

HĂ€lterung, Sortierung und Transport

Die HĂ€lterung im Verarbeitungsbetrieb sollte nicht lĂ€nger als nötig erfolgen. Dabei sollte vor allem auf eine geeignete WasserqualitĂ€t geachtet werden. Insbesondere der Ammonium- und Ammoniakgehalt und der Sauerstoffgehalt des Wassers mĂŒssen regelmĂ€ĂŸig ĂŒberprĂŒft werden. Beim Handling der Fische ist darauf zu achten, dass es zu keinen Schleimhautverletzungen kommt, weil sonst schnell Verpilzungen auftreten. Auch das HĂ€lterungsbecken selber darf keine Verletzungsrisiken bergen.

FĂŒr die Sortierung und den Transport von der HĂ€lterung zur BetĂ€ubung gilt: Fische soweit wie möglich im Wasser belassen oder transportieren, BerĂŒhrungen auf ein Minimum beschrĂ€nken, nur Kescher mit intaktem, weichem Netz verwenden. WasserqualitĂ€t und -temperatur sollten möglichst gleich bleiben.

BetÀubung

Vor der BetĂ€ubung muss geprĂŒft werden, ob die WasserqualitĂ€t im BetĂ€ubungsbecken geeignet ist. Wichtig ist, dass regelmĂ€ĂŸige Wasserwechsel stattfinden. Das Wasser im BetĂ€ubungsbecken muss alle Fische komplett bedecken - insbesondere die Köpfe mĂŒssen unter Wasser sein.

Jede BetĂ€ubungsmethode muss einen Wahrnehmungsverlust bei Fischen erzielen, der bis zum Eintritt des Todes durch Schlachtung anhĂ€lt. Ein Wahrnehmungsverlust ist am Ausbleiben von Atemreflex und Augendrehreflex erkennbar. Sowohl Kopfschlag als auch ElektrobetĂ€ubung fĂŒhren bei korrekter DurchfĂŒhrung zum Ausbleiben dieser Reflexe. Beide Methoden sind zulĂ€ssig und geeignet. Eine Kombination aus ElektrobetĂ€ubung und Kopfschlag fĂŒhrt am sichersten zum Ausbleiben dieser Reflexe bis zum Eintritt des Todes. Die Wahl der Methode ist abhĂ€ngig von der Betriebsstruktur.

Bei der ElektrobetĂ€ubung erfolgt die BetĂ€ubung aufgrund der Durchströmung des Gehirns mit elektrischem Strom. Bei ausreichend hohen Stromdichten werden Bereiche des Gehirns so beeinflusst, dass keine Wahrnehmung mehr möglich ist. Beim Kopfschlag erfolgt die BetĂ€ubung durch GerhirnerschĂŒtterung. Bei ausreichender IntensitĂ€t des Schlags auf die richtige Stelle fĂŒhrt der Kopfschlag sofort zur Wahrnehmungslosigkeit und BetĂ€ubung.

Sofort im Anschluss an die BetĂ€ubung muss deren Erfolg ĂŒberprĂŒft werden. AussagekrĂ€ftig sind hier der Augenreflex und der Atemreflex. Bleiben Augendrehbewegungen und Kiemdeckelbewegungen aus, ist der Fisch ausreichend betĂ€ubt und kann geschlachtet werden.

Tötung und Schlachtung

Die Tötung und Schlachtung muss wĂ€hrend der Phase des Wahrnehmungsverlustes stattfinden, also so schnell wie möglich im Anschluss an die BetĂ€ubung. DafĂŒr wird ein beidseitiger Kiemenrundschnitt durchgefĂŒhrt, der die großen Arterien eröffnet und dadurch ein schnelles Ausbluten garantiert. Gleichzeitig wird der Fisch einschließlich Herz ausgeweidet.