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Tier

Tierschutzgerechte Betäubung und Schlachtung von Fischen

Auch für Fische gilt das Tierschutzgesetz, wonach das grundlose Zufügungen von Schmerzen, Leiden oder Schäden an Tieren verboten ist.

Fisch im Wasser

Quelle: 26 max - Fotolia

Auch wenn in letzter Zeit wieder Zweifel an der Schmerz- und Leidensfähigkeit von Fischen aufgekommen sind, entbindet das auf juristischer und moralischer Ebene niemanden von der Verantwortung, jede Form von Stress und Schäden an Fischen zu minimieren, so Prof. Robert Arlinghaus vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei.

Um das Lebensmittel Fisch in guter Qualität bereitzustellen und gleichzeitig die Fische während des Betäubens und Schlachtens vor vermeidbaren Belastungen zu bewahren, sollten alle mit der Schlachtung verknüpften Arbeitsschritte, wie die Hälterung, das Sortieren, der Transport zum Schlachtraum sowie die Betäubung und Schlachtung möglichst schonend für die Fische erfolgen.

Nach dem Tierschutzgesetz und der Tierschutzschlachtverordnung dürfen Fische nur unter Betäubung getötet werden. Für die Betäubung muss ein für Fische zugelassenes Verfahren verwendet werden. Welche Arbeitsschritte in Fischzuchten mit der Betäubung und Schlachtung verbunden sind, ist von vielen betrieblichen Faktoren abhängig. Es müssen beispielsweise die spezifischen Ansprüche der vermarkteten Fischart, die Ansprüche der Verbraucher, die Art der Erzeugnisse, die räumlichen Gegebenheiten und die Betriebsstruktur berücksichtigt werden. Deshalb können keine allgemeingültigen Richtlinien für die Betäubung und Schlachtung aufgestellt werden, die für jeden Betrieb verbindlich sind.

Tierschutzkonforme Betäubungs- und Schlachtmethoden

Dennoch haben sich im Sinne einer "Guten fachlichen Praxis", verschiedene einfache Maßnahmen bewährt. Dabei geht es neben dem eigentlichen Betäuben und Schlachten auch um alle Tätigkeiten, die im Zusammenhang damit stehen.

Im Rahmen der durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz wurde die Betäubung und Schlachtung von Regenbogenforellen und Karpfen in 24 Fischhaltungsbetrieben in Deutschland evaluiert. Anhand der Auswertung der Betriebsbesuche konnten optimierbare Prozesse identifiziert werden und schließlich Empfehlungen abgeleitet werden.

Grundbedingungen für eine tiergerechte Schlachtung von Fischen sind danach: Gute Wasserqualität in der Hälterung, beim Transport und im Betäubungsbecken, schonendes Umsetzen und Sortieren, möglichst kurzer Aufenthalt an der Luft und eine sichere Betäubung.

Hälterung, Sortierung und Transport

Die Hälterung im Verarbeitungsbetrieb sollte nicht länger als nötig erfolgen. Dabei sollte vor allem auf eine geeignete Wasserqualität geachtet werden. Insbesondere der Ammonium- und Ammoniakgehalt und der Sauerstoffgehalt des Wassers müssen regelmäßig überprüft werden. Beim Handling der Fische ist darauf zu achten, dass es zu keinen Schleimhautverletzungen kommt, weil sonst schnell Verpilzungen auftreten. Auch das Hälterungsbecken selber darf keine Verletzungsrisiken bergen.

Für die Sortierung und den Transport von der Hälterung zur Betäubung gilt: Fische soweit wie möglich im Wasser belassen oder transportieren, Berührungen auf ein Minimum beschränken, nur Kescher mit intaktem, weichem Netz verwenden. Wasserqualität und -temperatur sollten möglichst gleich bleiben.

Betäubung

Vor der Betäubung muss geprüft werden, ob die Wasserqualität im Betäubungsbecken geeignet ist. Wichtig ist, dass regelmäßige Wasserwechsel stattfinden. Das Wasser im Betäubungsbecken muss alle Fische komplett bedecken - insbesondere die Köpfe müssen unter Wasser sein.

Jede Betäubungsmethode muss einen Wahrnehmungsverlust bei Fischen erzielen, der bis zum Eintritt des Todes durch Schlachtung anhält. Ein Wahrnehmungsverlust ist am Ausbleiben von Atemreflex und Augendrehreflex erkennbar. Sowohl Kopfschlag als auch Elektrobetäubung führen bei korrekter Durchführung zum Ausbleiben dieser Reflexe. Beide Methoden sind zulässig und geeignet. Eine Kombination aus Elektrobetäubung und Kopfschlag führt am sichersten zum Ausbleiben dieser Reflexe bis zum Eintritt des Todes. Die Wahl der Methode ist abhängig von der Betriebsstruktur.

Bei der Elektrobetäubung erfolgt die Betäubung aufgrund der Durchströmung des Gehirns mit elektrischem Strom. Bei ausreichend hohen Stromdichten werden Bereiche des Gehirns so beeinflusst, dass keine Wahrnehmung mehr möglich ist. Beim Kopfschlag erfolgt die Betäubung durch Gerhirnerschütterung. Bei ausreichender Intensität des Schlags auf die richtige Stelle führt der Kopfschlag sofort zur Wahrnehmungslosigkeit und Betäubung.

Sofort im Anschluss an die Betäubung muss deren Erfolg überprüft werden. Aussagekräftig sind hier der Augenreflex und der Atemreflex. Bleiben Augendrehbewegungen und Kiemdeckelbewegungen aus, ist der Fisch ausreichend betäubt und kann geschlachtet werden.

Tötung und Schlachtung

Die Tötung und Schlachtung muss während der Phase des Wahrnehmungsverlustes stattfinden, also so schnell wie möglich im Anschluss an die Betäubung. Dafür wird ein beidseitiger Kiemenrundschnitt durchgeführt, der die großen Arterien eröffnet und dadurch ein schnelles Ausbluten garantiert. Gleichzeitig wird der Fisch einschließlich Herz ausgeweidet.