Springe zur Hauptnavigation Springe zu den wichtigen Themen Springe zum Inhalt
Suche schließen

Tier

EU-weites Freilandverbot für Neonicotinoide

Der zuständige EU-Ausschuss sprach sich Ende April 2018 für den Vorschlag der Europäischen Kommission aus, den Einsatz von Neonicotinoiden auf Äckern zu verbieten und auf Gewächshäuser zu beschränken.

Honigbiene beim Anflug auf Rapsblüte

Quelle: Heinz Waldukat - stock.adobe.com

Konkret geht es um die Wirkstoffe Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hatte zuvor die Schädlichkeit der Stoffe für Wild- und Honigbienen bestätigt. Die aktuelle Entscheidung soll bis Ende 2018 in Kraft treten.

Neonicotinoide schon länger in der Kritik

Neonicotinoide stehen schon seit Mitte der 2000er Jahre im Verdacht, für das Bienensterben mitverantwortlich zu sein. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen über die negativen Auswirkungen dieser Wirkstoffgruppe bewogen die EU-Kommission daher bereits im April 2012 die EFSA mit einer Untersuchung der Zusammenhänge zu beauftragen. In einer im Januar 2013 veröffentlichten Studie bestätigte die EFSA, dass insbesondere von den drei Neonicotinoiden Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxan eine Reihe von Risiken für Bienen ausgehe.

Auf Grundlage der EFSA-Bewertung schränkte die EU im Mai 2013 die Verwendung dieser drei Neonicotinoide ein. Seitdem dürfen diese Wirkstoffe im Haus- und Kleingartenbereich nicht mehr verwendet werden und auch beim gewerblichen Gebrauch in Landwirtschaft und Gartenbau gibt es weitreichende Einschränkungen. So dürfen Neonicotinoide in Raps, Mais und Sonnenblumen nicht mehr verwendet werden. Die als besonders kritisch angesehene Saatgutbehandlung von Mais mit Neonicotinoiden ist in Deutschland bereits seit 2008 nicht mehr zulässig. Damals kam es im Rheintal zum Massensterben von Bienen. Die Ursache dafür lag in einem Abrieb von Maissaatgut, das mit dem Neonicotinoid Clothianidin behandelt worden war.

Für einige Kulturen und Anwendungsbereiche sieht die EU bislang jedoch Sonderregelungen vor: So dürfen zum Beispiel Zuckerrüben, Kartoffeln oder Kulturen in Gewächshäusern weiterhin mit Neonicotinoiden behandelt werden.

Wie schädigen Neonicotinoide Bienen und andere Insekten?

Bei Neonicotinoiden handelt es sich um systemische Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe, die über die Wurzeln und Blätter aufgenommen und dann über die Pflanze verteilt werden. Wenn die Pflanzen blühen, finden die Wirkstoffe ihren Weg somit auch in den Pollen und Nektar. Dort werden sie dann von Bienen und anderen pollen- und nektarsammelnden Insekten, wie Hummeln, Schmetterlingen oder Schwebfliegen aufgenommen.

Ein anderer Weg, wie die Nutzinsekten in Kontakt mit dem Wirkstoff kommen, sind Stäube, die bei der Aussaat von gebeiztem Saatgut auftreten. Eine weitere Kontaktquelle ist das Wasser, das Bienen von den Pflanzen oder vom Boden aufnehmen: Denn nicht alles von dem an die Pflanze verabreichten Wirkstoff geht in die Pflanze über. Ein Teil davon löst sich im Niederschlagswasser, geht in die Bodenlösung über und wird von dort wachsenden Pflanzen – auch Unkrautpflanzen – wieder aufgenommen.

Verschiedene Studien belegen, dass auch kleine Mengen – also solche, die die Tiere nicht direkt töten – den Bienen schaden: Neonicotinoide können zu einer Beeinträchtigung der Gehirnprozesse der Bienen führen und damit ihre Kommunikation und Orientierungsfähigkeit einschränken. Mit dem Resultat, dass die Tiere weniger Pollen sammeln und länger für die Rückkehr zum Bienenstock benötigen.

Seit 2014 stehen Neonicotinoide außerdem im Verdacht, Vögel zu schädigen. Forscher in den Niederlanden stellten einen indirekten Effekt zwischen der Pestizidkonzentration in der Umwelt und abnehmenden Vogelzahlen fest.

Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland und der EU nur nach Zulassung durch die zuständigen Behörden ausgebracht werden. Was steckt dahinter und was müssen Anwender beachten?

zum Artikel