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Tier

Die Bestäubungsleistung der Bienen

2016 gab es in Deutschland 115.000 Imkerinnen und Imker, Tendenz steigend. Als wichtigstes Ergebnis der Bienenhaltung wird häufig die Produktion von Honig und eventuell noch von Wachs angesehen.

Biene auf einer Blüte

Quelle: BLE

Dabei wird der um ein Vielfaches höhere ökonomische Wert der Bestäubungsleistung außer Acht gelassen.

Hoher ökonomischer Wert

Durch die Bestäubung erhöhen sich sowohl der Ertrag als auch die Qualität unserer Kulturpflanzen. Etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion in der Welt hängt von der Bestäubung ab. Zwischen 800 und 900 Euro beträgt der Bestäubungswert eines Bienenvolkes. Nach Schätzungen der Universität Hohenheim beträgt der ökonomische Wert der Bestäubung weltweit 70 bis 100 Milliarden Euro und in Deutschland etwa 2,5 Milliarden Euro.

Neben den klassischen Bestäubungspflanzen wie Obstbäumen und Beeren muss zusätzlich die Bestäubung von Wildpflanzen, die wiederum Nahrung zahlreicher wildlebender Tiere sind, berücksichtigt werden. So tragen die Bienen auch zur Vielfalt der Natur bei.

Bestäubungsleistung kaum honoriert

Noch in den Anfängen steckt bei uns die professionelle Bestäubungsimkerei. Dabei gilt das Hauptaugenmerk nicht der Honigproduktion, sondern dem Vermieten der Bienenvölker gegen Entgelt für Bestäubungsleistungen. Obwohl von der Bestäubungsleistung jeder profitiert, wird diese Leistung noch nicht entsprechend anerkannt und nur selten bezahlt. Gerade vor dem Hintergrund rückläufiger Bienenvölker wird die Bestäubungsleistung aber immer wichtiger. Anzustreben ist, den Einsatz der Bienenvölker zur Blütenbestäubung als Dienstleistung vertraglich zu regeln.

Im Ausland hat sich dieser Zweig der Imkerei bereits als "Bestäubungsindustrie" etabliert. So wird die Bestäubungsimkerei beispielsweise in den USA – mit etwa 50 Dollar Bestäubungsprämie pro Bienenvolk – zur Erzeugung von Luzerne und in Skandinavien für Rotklee betrieben. Mit dieser indirekten Nutzung der Bienen erwirtschaften manche Imker im Ausland bereits ihr Haupteinkommen. Laut deutschem Imkerbund hängen rund 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge in Deutschland von der Bestäubung der Honigbienen ab. Aber nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität wie Form, Zucker- und Säuregehalt, Keimfähigkeit sowie Lagerfähigkeit der Früchte, wird durch die Bestäubung gesteigert. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung ist enorm und übersteigt den Wert der Honigproduktion um das 10- bis 15-fache.

50 bis 65 Euro pro Hektar

Für eine Apfelanlage werden zwei Völker benötigt, für die meisten Feldfrüchte ein Volk je Hektar. Manchmal können aber auch bis zu acht Völker je Hektar nötig sein. Die Beuten sollten in Zweier- bis Vierergruppen gleichmäßig über die Fläche verteilt werden, nicht weiter als 400 Meter voneinander entfernt sein und jeweils aus mindestens 20.000 Bienen bestehen. Im Obstbau werden die Völker kurz nach Blühbeginn aufgestellt. Laut Angaben der Vereinigung der Bestäubungsimker in Deutschland e. V. belaufen sich die Bestäubungsprämien für Bienen auf etwa 50 bis 65 Euro pro Volk plus Fahrtkosten.  

Hohe Ertragssteigerungen

Beim Besuch der Blüten sammeln die Bienen nicht nur Nektar, sondern auch Blütenstaub (Pollen), mit dem sie ihren Nachwuchs versorgen. Bienen fliegen – im Gegensatz zu anderen bestäubenden Insekten – während ihrer Sammelflüge immer nur eine Pflanzenart an, so lange diese ihnen noch ein ausreichendes Nahrungsangebot bietet. Man nennt das Blütenstetigkeit.

Gerade wenn im Frühjahr unsere Kulturpflanzen blühen, sind nur die Honigbienen in sehr großer Anzahl als Bestäuber verfügbar. Beim Blütenbesuch bleibt immer etwas Pollen am Stempel der Blüte haften. Diese Bestäubung mit Pollen der gleichen Art führt bei insektenbestäubten Pflanzen zur Befruchtung, es entstehen Samen bzw. Früchte.

Zu den wichtigsten insektenbestäubten Nutzpflanzen gehören Obstbäume, Raps, Sonnenblumen, Erbsen, Bohnen, Paprika, Tomaten, Gewürzkräuter, Wein und Getreide. Forschungsergebnisse an der Universität Wien brachten eine Ertragssteigerung von 50 Prozent bei einer Aufstellung von Bienenstöcken in der Nähe eines Rapsfeldes.

Lehrgang für Bestäubungsimker

Erwerbsimkerinnen und -imker können versuchen, sich als Bestäubungsdienstleister für Landwirte und Saatzuchtunternehmen ein neues Standbein aufzubauen. In einem speziellen Lehrgang wird die gesamte Breite des Bestäubungsmanagements gelehrt, z.B.

  • wie Bienenvölker vorzubereiten und aufzustellen sind,
  • wie und wann die Völker in der Kultur verteilt werden sollten,
  • welcher Bestäubungszeitraum am effektivsten ist,
  • welche Kulturen geeignet sind,
  • wie sich auch bei ungünstiger Witterung eine gute Bestäubungsleistung erzielen lässt,
  • welche Dichte das Bienenvolk haben sollte und 
  • wie die Bestäubungsrate optimiert werden kann.

Nach erfolgreichem Abschluss erhält die Imkerin bzw. der Imker den Sachkundenachweis Bestäubungsimker.