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Tier

Umstellung auf ökologische Tierhaltung

Sollen Produkte mit dem Hinweis auf ökologische Erzeugung gekennzeichnet werden, muss der Betrieb die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau einhalten und sich entsprechend kontrollieren und zertifizieren lassen.

Quelle: BLE - Dominic Mensler

Im Hinblick auf die Tierhaltung definieren die EU-Rechtsvorschriften zum Beispiel Anforderungen im Hinblick auf die Tierhaltungsbedingungen, Fütterung oder Krankheitsvorsorge.

Kontrolle von Ökobetrieben

Wer kontrolliert Biobetriebe?

Die Kontrolle der Betriebe erfolgt durch eine anerkannte Öko-Kontrollstelle. Diese kann sich der Betriebsleiter oder die Betriebsleiterin selber auswählen. Die Kontrollstellen haben unterschiedliche Leistungsangebote und Kostensätze. Die Kosten für die Kontrolle unterscheiden sich je nach Betriebsgröße und Komplexität.

Wie wird kontrolliert?

Jeder Biobetrieb wird einmal jährlich kontrolliert. Zusätzlich zu dieser angemeldeten Hauptkontrolle erfolgen bei mindestens zehn Prozent der Betriebe Stichprobenkontrollen.

Die Kontrolle umfasst:

  • die Besichtigung sämtlicher Betriebsgebäude,
  • eine Begutachtung der Flächen und Kulturen,
  • die Überprüfung des Betriebsmittelzukaufs,
  • eine Plausibilitätsprüfung der verkauften Mengen,
  • die Überprüfung der Deklaration,
  • gegebenenfalls eine Überprüfung der Trennung zwischen ökologischer und konventioneller Produktion,
  • die Überprüfung der Vorgaben aus dem Umstellungsplan und der bei der letzten Inspektion erteilten Auflagen,
  • die Überprüfung der Haltungssysteme bzw. Haltungsbedingungen der Tiere sowie der Fütterung,
  • die Überprüfung der Rezepturen, des Rohwareneinkaufs und des Warenflusses in der Verarbeitung,
  • die Einhaltung der Verbandsrichtlinien bei Verbandsbetrieben.

Die Kontrolleurin oder der Kontrolleur hält die Ergebnisse der Inspektion in einem Prüfbericht fest. Der Betrieb erhält eine Kopie dieses Berichtes und nach der Bearbeitung durch die Kontrollstelle die Auswertung mit Erläuterungen oder gegebenenfalls Auflagen sowie das Zertifikat (Konformitätsbescheid).

Umstellungszeiten

Bevor Tiere oder tierische Erzeugnisse ökologisch vermarktet werden dürfen, müssen die Tiere bereits eine gewisse Zeit nach ökologischen Regeln gehalten worden sein. Je nach betrieblichen Voraussetzungen, kann zwischen den folgenden beiden Verfahren gewählt werden:

Gleichzeitige Umstellung

Die gesamte Produktionseinheit, das heißt alle Tiere, Weiden und Futterflächen werden gleichzeitig über einen Zeitraum von 24 Monaten umgestellt. Dieses Verfahren wird empfohlen für die Mutterkuhhaltung oder für Milchviehbetriebe, bei denen größere Stallumbaumaßnahmen erforderlich sind. Nach Ablauf der 24 Monate sind Flächen und Tiere ökologisch anerkannt.

Nicht-gleichzeitige Umstellung

Tierhaltung, Weiden und Futterflächen werden bei diesem Verfahren getrennt voneinander umgestellt. Begonnen wird hierbei mit der Umstellung der Futterflächen. Sobald nach zwölf Monaten erstmals betriebseigenes Umstellungsfutter zur Verfügung steht, kann mit der Umstellung der Tiere begonnen werden. Je nach Tierart und Nutzungsrichtung gelten folgende Umstellungsfristen:

 

Tierart und NutzungsrichtungUmstellungszeit
Rinder zur Fleischerzeugung12 Monate und mind. 3/4 der Lebenszeit
Milchproduzierende Tiere6 Monate
Schafe, Ziegen zur Fleischnutztung6 Monate
Schweine zur Fleischnutzung6 Monate
Geflügel (Masthähnchen, Puten, Gänse, Enten) zur Fleischnutzung10 Wochen bei Zukauf bis 3. Lebenstag
Legegeflügel zur Eiererzeugung6 Wochen
Imkereierzeugnisse12 Monate

Quelle: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen: EU-Verordnung Ökologischer Landbau Eine einführende Erläuterung mit Beispielen, 4. Auflage, Stand Januar 2013

Die baulichen Anpassungen zur Erfüllung der ökologischen Haltungsanforderungen müssen spätestens mit Beginn der Tierumstellungsfristen erledigt sein.

Das Verfahren der nicht-gleichzeitigen Umstellung wird meist angewendet, wenn eine möglichst schnelle Umstellung angestrebt wird, zum Beispiel

  • in der Schweine- oder Geflügelhaltung (die Umstellungsfristen dieser Tierarten sind kurz),
  • in der Milchviehhaltung, wenn nur geringe Stallumbauten nötig sind, oder
  • wenn Futterflächen im Rahmen anderer Programme bereits als umgestellt gelten bzw. als solche anerkannt werden können.

Für die Mutterkuhhaltung wird dieses Verfahren nicht empfohlen, da es aufgrund der gesetzlich vorgegebenen Umstellungszeiten (siehe Tabelle oben) bei Rindern mitunter sehr lange dauern kann, bis diese Tiere als ökologische Schlachttiere vermarktet werden dürfen.

Ein Beispiel: Ein Rind, das zum Zeitpunkt der Umstellung zwei Jahre alt ist, müsste gemäß der Regel "3/4 der Lebenszeit" bis zu einem Alter von acht Jahren im Betrieb gehalten werden, bevor es ökologisch anerkannt ist.

Mitgliedschaft in einem Anbauverband

Der Anschluss an einen Anbauverband ist nicht erforderlich, um Ökoprodukte zu erzeugen oder zu vermarkten. Die Mitgliedschaft in einem Anbauverband bietet jedoch Vorteile, wie zum Beispiel die Erschließung von Vermarktungswegen, den Informationsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen und die Interessensvertretung durch den Verband.

Umstellungsberatung

Mit der Umstellung auf die ökologische Wirtschaftsweise ist ein hoher Beratungsbedarf verbunden. Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) fördert landwirtschaftliche Unternehmen vor und während der Umstellungsphase. Beide Beratungsformen können jeweils einmalig mit 50 Prozent der Beratungskosten bis maximal 4.000 Euro gefördert werden.