Springe zur Hauptnavigation Springe zu den wichtigen Themen Springe zum Inhalt
Suche schließen

Tier

Tierschutzinitiativen und -programme: Welche eignen sich für den eigenen Betrieb?

Viele Landwirtschaftsbetriebe sind bereit, sich für mehr Tierschutz auf ihren Betrieben einzusetzen. Die Menge an Programmen und Initiativen samt der dazugehörigen Labels macht es aber schwer, den Überblick zu behalten.

Schwein

Quelle: Simone van den Berg - stock.adobe.com

Welche Initiative kümmert sich um welche Tierart, welche Anforderungen gilt es wo zu beachten, wie werden die Tierschutzprodukte am Ende vermarktet und was kostet mich die Umstellung, sind nur einige Fragen, die viele Praktikerinnen und Praktiker sich stellen. Praxis-agrar.de gibt Ihnen einen Überblick und stellt die bekanntesten Tierschutzprogramme und –initiativen vor.

Welches Programm für welche Tierart?

Allen Tierschutzprogrammen und -initiativen ist gemein, dass sie Anforderungen an den Tierschutz definieren, die über die gesetzlichen Mindeststandards hinausgehen.

Wie diese Anforderungen inhaltlich aussehen und an welche Tiergruppe sie gebunden sind, ist teilweise jedoch sehr unterschiedlich. Nicht jede Tierschutzinitiative deckt jede Tierart ab. Ein erster Schritt für Landwirtinnen und Landwirte, die Auswahl einzugrenzen, ist daher zu prüfen, welche Programme überhaupt die eigene Tierart berücksichtigen. Hilfestellung dafür gibt die Tabelle "Programme und Initiativen: Ein Überblick".

Wie intensiv soll´s sein?

Landwirtinnen und Landwirte sollten sich von Beginn an darüber bewusst werden, wie intensiv sie den eigenen Betrieb umkrempeln möchten. Der Einstieg in den Ökolandbau beispielsweise bedeutet, dass man neben der Tierhaltung auch den gesamten Pflanzen- und Futterbau umstellen muss. Eine solche Umstellung ist sehr viel aufwendiger, als wenn man nur die Tierhaltung umstellt.

Mit NEULAND sowie der Premiumstufe des Tierschutzbundes gibt es Programme, die in Sachen Tierschutz durchaus an die Ökovorgaben herankommen, bei denen man den Pflanzen- und Futterbau aber weitestgehend unverändert lassen kann.

Genau hinschauen: Unterschiede bei Tierschutzanforderungen

Mitunter starke Unterschiede gibt es hinsichtlich der Tierschutzanforderungen, die zu erfüllen sind. Hier sollte man sehr genau hinsehen und prüfen, was gefordert wird und was realistisch umsetzbar ist. Einige Programme und Initiativen arbeiten zweistufig. So zum Beispiel die Initiative "Für mehr Tierschutz" des deutschen Tierschutzbundes und die Aktion "Tierschutz-kontrolliert" von Vier Pfoten. Eine Eingangsstufe bietet den Betrieben hier die Möglichkeit in das Konzept einzusteigen und bereits mit einer überschaubaren Menge an Änderungen für mehr Tierschutz zu sorgen. Der nächste Schritt, die Premiumstufe, umfasst dann weiterreichende Tierschutzmaßnahmen, für die schon mehr Einsatz erforderlich ist. Auch das vom Bundeslandwirtschaftsministerium geplante staatliche Tierwohllabel wird zwei Stufen haben.

Sehr hohe Anforderungen an den Tierschutz müssen NEULAND- und Ökobetriebe erfüllen. Im Ökolandbau muss allerdings noch differenziert werden zwischen Bio nach EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau und Bio nach den Richtlinien der ökologischen Anbauverbände wie Demeter, Naturland oder Bioland. Letztere formulieren strengere Tierschutzanforderungen als die EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau.

Finanzieller Ausgleich - nicht überall

Beim staatlichen Agrarinvestitionsförderprogramm oder beim Programm "Förderung besonders nachhaltiger und tiergerechter Haltungsverfahren" handelt es sich um reine Förderprogramme. Das heißt Landwirte, die die geforderten Tierschutzkriterien erfüllen, erhalten vom Staat eine Ausgleichszahlung. Auch die Initiative Tierwohl sieht eine finanzielle Unterstützung der beteiligten Landwirte vor – alle anderen Initiativen dagegen nicht. Hier muss der Mehraufwand, den die Betriebe für die höheren Tierschutzmaßnahmen betreiben, allein über den höheren Preis kompensiert werden. Um diesen höheren Preis erzielen zu können, bieten die meisten Programme und Initiativen Labels an, mit denen die Tierschutzprodukte gekennzeichnet werden können. Der Verbraucher erkennt somit auf einen Blick, dass es sich um Produkte von Tieren handelt, die mehr Tierschutz genossen haben und ist daher meist auch bereit, dafür einen höheren Preis zu zahlen.

Staatliches Tierwohllabel ist in Arbeit

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) arbeitet zur Zeit an einem staatlichen Tierwohllabel. Begonnen wird mit dem Bereich Schwein, weitere Nutztierarten sollen folgen. Die Teilnahme ist freiwillig, die Bedingungen werden aber über einen gesetzlichen Rahmen definiert. Wie in einigen der anderen Initiativen, wird es auch beim staatlichen Tierwohllabel eine Eingangsstufe und eine Premiumstufe geben. Die Nutzung des staatlichen Labels schließt die Teilnahme an anderen Initiativen nicht aus. Kriterien und Anforderungen zum geplanten staatlichen Tierwohllabel finden Sie auf der Website des BMEL.