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Richtig umgehen mit Tierarzneimitteln

Richtig umgehen mit Tierarzneimitteln

Die Verschreibung, Abgabe und Anwendung von Arzneimitteln wird durch viele Gesetze und Verordnungen geregelt. Das zentrale Gesetz ist das Arzneimittelgesetz, das sowohl f├╝r den humanmedizinischen als auch f├╝r den veterin├Ąrmedizinischen Bereich gilt.

Beim Medikamenteneinsatz bei Nutztieren sollen Resistenzentwicklungen und Arzneimittelr├╝ckst├Ąnde in Lebensmitteln wie Fleisch, Milch und Eiern vermieden werden. Die Vorschriften f├╝r den Einsatz von Medikamenten bei Tieren sind sehr umfangreich und werden h├Ąufig ├╝berarbeitet. Da ist es f├╝r Tierhalterinnen und Tierhalter nicht immer leicht, den ├ťberblick zu behalten.

1. Welche Medikamente d├╝rfen bei Tieren eingesetzt werden?

F├╝r alle Tiere, egal ob Nutz- oder Heimtier, gilt grunds├Ątzlich: Ein Arzneimittel darf nur eingesetzt werden, wenn es f├╝r die jeweilige Tierart zugelassen ist. Es kann innerhalb einer Tierart nach Altersklassen unterschieden werden: Eine Zulassung kann beispielsweise auch nur f├╝r Kalb, Mastbulle oder Milchkuh gelten. Au├čerdem spielt die Krankheit (Indikation), gegen die das Medikament eingesetzt wird, eine Rolle.
Ein Arzneimittel, das zum Beispiel nur f├╝r Hunde zur Verf├╝gung steht, darf beim Schwein nicht eingesetzt werden. Ein Antibiotikum, das f├╝r die Behandlung von Atemwegserkrankungen bei K├Ąlbern zugelassen ist, darf nicht ohne weiteres gegen eine Euterentz├╝ndung bei einer Milchkuh eingesetzt werden.

2. Was ist bei Arzneimitteln zu beachten, die dem Futter oder Trinkwasser beigemischt werden?

Um Dosierfehler und Verschleppungsrisiken zu minimieren und sicherzustellen, dass jedes Tier die ihm zugedachte Dosis bekommt, ist Einiges zu beachten. Daher gibt es f├╝r Tierhalterinnen und Tierhalter zwei Merkbl├Ątter mit genauen Anwendungshinweisen f├╝r das Beimischen von Fertigarzneimitteln in Futter und Trinkwasser. Sie sind Teil des von einer Expertengruppe erstellten Leitfadens "Orale Anwendung von Tierarzneimitteln im Nutztierbereich ├╝ber das Futter oder das Wasser".

3. Muss ein krankes Tier unbehandelt bleiben, wenn es kein Medikament gibt, das f├╝r seine Tierart und seine Krankheit zugelassen ist?

Nein, bei einem solchen "Therapienotstand" haben die Tier├Ąrztin oder der Tierarzt einen gewissen Spielraum, ein Arzneimittel auszuw├Ąhlen, das f├╝r eine andere Tierart oder f├╝r eine andere Indikation zugelassen ist. Sie sprechen dann von "umwidmen". Wenn es also keine Alternative gibt, kann auf diese Weise ein Rindermedikament beim Schaf oder sogar ein Arzneimittel aus der Humanmedizin beim Schwein zum Einsatz kommen. Leider gibt es auch F├Ąlle, in denen eine Umwidmung nicht m├Âglich ist, weil bestimmte Wirkstoffe bei Lebensmittel liefernden Tieren nicht einmal im Therapienotstand angewendet werden d├╝rfen.

Umgewidmete Arzneimittel m├╝ssen Tier├Ąrztinnen und Tier├Ąrzte selber anwenden oder die Anwendung beaufsichtigen (Anwendung nach Anweisung und Erfolgskontrolle). Au├čerdem m├╝ssen nach der Anwendung von umgewidmeten Arzneimitteln h├Ąufig l├Ąngere Wartezeiten eingehalten werden, n├Ąmlich mindestens

  • 28 Tage bis zur Schlachtung (bei Pferden u. U. bis zu sechs Monate),
  • 7 Tage bis die Milch an die Molkerei abgegeben werden darf,
  • 7 Tage bis die Eier verkauft werden k├Ânnen.

Die Wartezeit nach der Anwendung von hom├Âopathischen Arzneimitteln darf auf null Tage festgesetzt werden (vorausgesetzt sie enthalten ausschlie├člich Wirkstoffe, die im Anhang II der EU-Verordnung EWG 2377/90 aufgelistet sind).

4. Welche Tiere geh├Âren zu den "Lebensmittel liefernden Tierarten"?

Folgende Tierarten gelten grunds├Ątzlich als "Lebensmittel liefernd":

  • Equiden (Pferde, Ponys, Esel, Maultiere und Maulesel)
  • Rinder
  • Schweine
  • Schafe
  • Ziegen
  • Gefl├╝gel (au├čer Zierv├Âgel, Singv├Âgel, Brieftauben)
  • Kaninchen (au├čer Kaninchen, die nicht zur Schlachtung vorgesehen sind)
  • Wild
  • Fische (au├čer Zierfische)
  • Bienen

Diese Zuordnung ist nicht immer abh├Ąngig davon, wie ein Tier tats├Ąchlich genutzt wird. Auch bei einem Schwein, das klein ist, an der Leine spazieren geht und in der Stadt lebt wird davon ausgegangen, dass es eines Tages geschlachtet werden k├Ânnte. Beim Kaninchen ist diese Regel etwas weicher, da "nicht zur Schlachtung vorgesehene Kaninchen" im Arzneimittelgesetz ausdr├╝cklich zu den Heimtieren z├Ąhlen. Die Unterscheidung nehmen die Tier├Ąrztin oder der Tierarzt von Fall zu Fall vor.

F├╝r ein Pferd k├Ânnen Halterinnen und Halter allerdings festlegen, dass es nicht zur Schlachtung bestimmt ist. Dann steht der Tier├Ąrztin oder dem Tierarzt eine gr├Â├čere Auswahl an Arzneimitteln zur Verf├╝gung. Diese Entscheidung wird im Equidenpass eingetragen. Sie ist unwiderruflich und auch f├╝r eventuelle Folgebesitzer bindend. Der Eintrag "Schlachtung/Lebensmitteltier" kann hingegen jederzeit widerrufen werden, so dass ein Besitzwechsel nicht behindert wird.

5. Was bedeutet "freiverk├Ąuflich", "apothekenpflichtig", "verschreibungspflichtig" oder "F├╝tterungsarzneimittel"?

Freiverk├Ąufliche Arzneimittel d├╝rfen Halterinnen und Halter bei ihrem Tier anwenden, ohne einen Tierarzt hinzuzuziehen. Freiverk├Ąufliche Arzneimittel sind ÔÇô au├čer bei der Tier├Ąrztin, dem Tierarzt oder in der Apotheke ÔÇô zum Beispiel in Drogerien oder im Tierfachhandel zu bekommen. Viele Arzneimittel aus pflanzlichen Wirkstoffen sind freiverk├Ąuflich. Desinfektions- und Pflegemittel zur ├Ąu├čeren Anwendung sind keine Arzneimittel und ebenfalls frei verk├Ąuflich.

F├╝r apothekenpflichtige Arzneimittel ben├Âtigen Tierhalterinnen und Tierhalter zwar kein Rezept, m├╝ssen die Mittel aber in einer ├Âffentlichen Apotheke oder bei der Tier├Ąrztin bzw. dem Tierarzt kaufen. Sie d├╝rfen apothekenpflichtige Arzneimittel auch ohne tier├Ąrztliche Anweisung anwenden, m├╝ssen sich aber an die Angaben in der Packungsbeilage halten. Dort steht auch, ob das Medikament f├╝r die Tierart und das Anwendungsgebiet (die Krankheit) zugelassen ist. Die meisten Hom├Âopathika sind apothekenpflichtig. Aber auch f├╝r sie gilt, dass sie nur angewendet werden d├╝rfen, wenn sie f├╝r die jeweilige Tierart zugelassen sind.

Verschreibungspflichtige Tierarzneimittel bekommt man nur ├╝ber die Tier├Ąrztin oder den Tierarzt. Falls sie das ben├Âtigte Medikament nicht aus ihrer tier├Ąrztlichen Hausapotheke abgeben, schreiben sie ein Rezept (Verschreibung), mit dem das Arzneimittel in jeder ├Âffentlichen Apotheke bestellt werden kann. Zu den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln geh├Âren zum Beispiel Antibiotika und Schmerzmittel. Tierhalterinnen und Tierhalter d├╝rfen diese Medikamente selber bei ihrem Tier anwenden, m├╝ssen sich dabei aber an die Behandlungsanweisungen der Tier├Ąrztin oder des Tierarztes halten. Bei einem neuen Krankheitsfall muss er erst eine neue Behandlungsanweisung einholen. Die Anwendung von Antibiotika in Eigenregie au├čerhalb einer tier├Ąrztlichen Behandlung ist also nicht erlaubt.

Ein F├╝tterungsarzneimittel m├╝ssen Tier├Ąrztinnen oder Tier├Ąrzte verschreiben, k├Ânnen es aber nicht selber an die Tierhalterin oder den Tierhalter abgeben. Anhand der Verschreibung stellt ein zugelassener Hersteller die ben├Âtigte Menge aus dem Futter und einer Arzneimittelvormischung her. Das fertige F├╝tterungsarzneimittel bekommt die Tierhalterin bzw. der Tierhalter unmittelbar vom Hersteller. Bei Atemwegs- oder Durchfallerkrankungen von Schweinen ist es oft einfacher und tierschonender, ein Arzneimittel ├╝ber das Futter zu verabreichen, anstatt Dutzende von Tieren einzeln zu behandeln. Die Verabreichung eines F├╝tterungsarzneimittels muss aber genauso sorgf├Ąltig dokumentiert werden wie eine Behandlung mit der Spritze.

6. D├╝rfen Tierarzneimittel aus dem Internet oder aus dem Ausland bezogen werden?

Nur freiverk├Ąufliche Arzneimittel f├╝r Nutztiere d├╝rfen von der Halterin oder dem Halter auf dem Versandweg bezogen werden. Apotheken- und verschreibungspflichtige Arzneimittel f├╝r Tiere, die der Lebensmittelgewinnung dienen, d├╝rfen ausschlie├člich in der Apotheke oder bei der Tier├Ąrztin oder dem Tierarzt gekauft werden. Jeglicher Bezug solcher Arzneimittel auf dem Versandweg ist verboten, also auch der Bezug ├╝ber das Internet. Das gilt nicht f├╝r Haustiere: F├╝r diese Tiere k├Ânnen auch verschreibungspflichtige Medikamente ├╝ber das Internet bezogen werden.

7. Was ist eine tier├Ąrztliche Hausapotheke?

Anders als Humanmediziner d├╝rfen Tier├Ąrztinnen und Tier├Ąrzte eine eigene Apotheke f├╝hren. Daraus nehmen sie die Medikamente, mit denen sie die Tiere selber behandeln, und k├Ânnen daraus auch Medikamente an Tierhalterinnen und Tierhalter abgeben. Diese d├╝rfen die Medikamente dann selber bei ihrem Tier anwenden, m├╝ssen sich aber an die Behandlungsanweisungen der Tier├Ąrztin oder des Tierarztes halten.

Apotheken- und verschreibungspflichtige Arzneimittel d├╝rfen Tier├Ąrztinnen und Tier├Ąrzte nur im Rahmen einer "ordnungsgem├Ą├čen Behandlung" anwenden oder abgeben. Sie m├╝ssen daf├╝r das Tier oder den Bestand in angemessenem Umfang untersuchen und ein geeignetes und zugelassenes Medikament mit entsprechender Dosierung ausw├Ąhlen. Sie d├╝rfen also keine Medikamente f├╝r einen Krankheitsfall abgeben, der ihnen nur am Telefon beschrieben wurde und bei dem sie das oder die Tiere gar nicht untersucht haben.

Sie d├╝rfen auch nur die f├╝r den jeweiligen Fall erforderliche Menge mit konkreten Behandlungsanweisungen abgeben. Damit ist eine Medikamentenabgabe "auf Vorrat" oder "f├╝r alle F├Ąlle" nicht erlaubt.

8. Was bedeuten die Begriffe "31-Tage-Regelung" und "7-Tage-Regelung"?

Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln f├╝r lebensmittelliefernde Tiere gelten besondere Mengenbegrenzungen: Hier d├╝rfen Tier├Ąrztinnen und Tier├Ąrzte h├Âchstens die Menge abgeben, die in den darauffolgenden 31 Tagen ben├Âtigt wird. Bei systemisch wirkenden Antibiotika sogar nur den Bedarf f├╝r maximal sieben Tage. Ausnahmen gibt es auch hier: Wenn n├Ąmlich in den Zulassungsbedingungen f├╝r das Medikament bereits eine l├Ąngere Anwendungsdauer vorgesehen ist.

9. Wie ist mit Arzneimitteln umzugehen?

Medikamente sollten vor Licht und Schmutz und unbefugtem Zugriff gesch├╝tzt aufbewahrt werden. Ein staubiges und spinnwebverhangenes Stallfenstersims ist sicher nicht der geeignete Ort, um eine angebrochene Flasche Antibiotikum oder die Wurmkur sachgerecht zu lagern. Die Packungsbeilage gibt weitere Hinweise, zum Beispiel, ob das Medikament in den K├╝hlschrank geh├Ârt und wie lange es verwendet werden kann.

10. Wen betrifft die Tierhalter-Arzneimittel-Nachweisverordnung?

Die Tierhalter-Arzneimittel-Nachweisverordnung betrifft nur

  • Betriebe, die Tiere halten, die der Gewinnung von Lebensmitteln dienen und
  • Arzneimittel, die apotheken- oder verschreibungspflichtig sind (also Arzneimittel, die nicht freiverk├Ąuflich sind, inklusive F├╝tterungsarzneimittel) und f├╝r Lebensmittel liefernde Tiere bestimmt sind.

Hundehalterinnen und Hundehalter m├╝ssen sich also keine Gedanken ├╝ber diese Nachweispflichten machen. Wer Schweine h├Ąlt, muss auch nicht ├╝ber die Wurmkuren der Hofkatzen Buch f├╝hren ÔÇô wohl aber ├╝ber jene, die die Schweine bekommen.

11. Was m├╝ssen Tierhalterinnen und Tierhalter Lebensmittel liefernder Tiere nachweisen?

Sie m├╝ssen den Erwerb (Welche und wie viele Medikamente wurden woher bezogen?) und die Anwendung (Wann wurden sie, wie und bei welchen Tieren angewendet?) nachweisen.

Als Erwerbsnachweise dienen

  • bei F├╝tterungsarzneimitteln: der Durchschlag der Verschreibung, den der Hersteller zusammen mit dem F├╝tterungsarzneimittel versendet.
  • bei Arzneimitteln, die von einer Tier├Ąrztin oder einem Tierarzt abgegeben wurden: der Nachweis, der bei der Medikamentenabgabe ausgeh├Ąndigt wurde.
  • bei Arzneimitteln, die in einer Apotheke gekauft wurden: das Originalrezept der Tier├Ąrztin oder des Tierarztes bzw. bei verschreibungsfreien Arzneimitteln ein Beleg der Apotheke, aus dem das Arzneimittel und die Menge hervorgehen muss.
  • bei sonstigen Arzneimitteln: Belege, wie beispielsweise Verschreibungen der Tier├Ąrztin oder des Tierarztes, Rechnungen, Lieferscheine, aus denen der Lieferant und die Art und Menge der erworbenen Arzneimittel hervorgehen.

Die Anwendungsnachweise geben Auskunft ├╝ber:

  • Anzahl, Art und Identit├Ąt der behandelten Tiere
  • Standort der Tiere (wenn diese Angabe zur Identifizierung der Tiere n├Âtig ist)
  • Bezeichnung des Arzneimittels
  • verabreichte Menge des Arzneimittels
  • Datum jeder einzelnen Anwendung
  • Wartezeit in Tagen
  • Name der Person, die das Medikament angewendet hat
  • die Nummer des Beleges der Tier├Ąrztin oder des Tierarztes

Die Dokumentation ist f├╝r jeden Tierbestand des Betriebes ├╝bersichtlich, in allgemein verst├Ąndlicher Form und zeitlich geordnet zu f├╝hren. Die Belege m├╝ssen f├╝nf Jahre lang aufbewahrt werden. Bis Ende Dezember 2006 gab es Musterformulare, wie diese Nachweise auszusehen haben ("Bestandsbuch"). Diese Vorlagen k├Ânnen nat├╝rlich weiterhin benutzt werden. Vorgeschrieben ist jedoch nur noch, welche Angaben dokumentiert werden m├╝ssen, aber nicht mehr, in welcher Form. Es ist auch m├Âglich, die Nachweise in elektronischer Form zu f├╝hren, wenn sichergestellt ist, dass sie unver├Ąnderlich sind (also NICHT als Excel-Tabelle) und jederzeit lesbar gemacht werden k├Ânnen.

Wenn die Tier├Ąrztin oder der Tierarzt die Medikamente am Tier oder im Bestand selbst verabreicht haben, k├Ânnen sie die notwendigen Daten direkt in die Bestandsdokumentation eintragen und unterschreiben. Dann brauchen sie keinen zus├Ątzlichen Abgabe- und Anwendungsbeleg (AuA) auszustellen. Dies erspart der Tierhalterin oder dem Tierhalter das l├Ąstige ├ťbertragen der Daten aus dem AuA in das Bestandsbuch sowie die Pflicht, trotzdem beide Dokumente zu archivieren.

Bei Abgabe eines Medikaments an die Tierhalterin oder den Tierhalter muss jedoch ein vollst├Ąndiger Abgabebeleg mit allen n├Âtigen Angaben einschlie├člich des Namens und der Praxisanschrift, Diagnose, Chargenbezeichnung und detaillierter Behandlungsanweisungen ausgeh├Ąndigt werden. Dieser muss dann auch als Erwerbsnachweis aufbewahrt werden.

12. Was bedeutet das Antibiotikaminimierungskonzept der 16. AMG-Novelle?

Im April 2014 trat mit der 16. Novellierung des Arzneimittelgesetzes auch das Antibiotikaminimierungskonzept in Kraft. Betriebe ab einer gewissen Gr├Â├če, die Rinder, Schweine, H├╝hner oder Puten m├Ąsten, m├╝ssen halbj├Ąhrlich ihren Antibiotikaverbrauch an die zust├Ąndige L├Ąnderbeh├Ârde melden. Die Daten werden in einer Datenbank gesammelt. In halbj├Ąhrlichem Rhythmus werden die entsprechenden bundesweiten Kennzahlen ver├Âffentlicht, die mit den betriebsindividuellen Zahlen verglichen werden. Geh├Âren die Tierhalterin oder der Tierhalter zu den 25 Prozent der Betriebe, die am meisten Antibiotika verbrauchen, m├╝ssen sie mit der Hoftier├Ąrztin oder dem Hoftierarzt einen schriftlichen Reduktionsplan erstellen. Ziel ist es, den Einsatz von Antibiotika in Mastbetrieben auf das therapeutisch notwendige Ma├č zu begrenzen. Denn kranke Tiere m├╝ssen aus Tierschutzgr├╝nden behandelt werden.

Nach zwei Jahren (Stand: Oktober 2017) hat sich der Verbrauch bei Ferkeln und Mastschweinen verringert, der Verbrauch bei Mastk├Ąlbern und Mastrindern ist auf niedrigem Niveau in etwa konstant geblieben. Der h├Âchste Verbrauch von Antibiotika wurde bei Masth├╝hnern und Puten festgestellt. W├Ąhren er bei Puten im Laufe der zwei Jahre leicht gesunken ist, stieg er jedoch im Masth├╝hnerbereich entgegen der Erwartungen an.

13. Welche Arzneimittel d├╝rfen Tierhalterinnen und Tierhalter nicht selber anwenden?

Einige Arzneimittel k├Ânnen bei nicht fachgerechter Verabreichung gesundheitsgef├Ąhrlich (f├╝r Mensch und Tier) sein oder es besteht die Gefahr, dass sie zu Mastzwecken missbraucht werden. Deshalb d├╝rfen Tier├Ąrztinnen und Tier├Ąrzte sie nicht aus der Hand geben, sondern m├╝ssen sie selber anwenden. Dazu geh├Âren die Sexualhormone Progesteron und Testosteron, wenn sie bei lebensmittelliefernden Tieren eingesetzt werden sollen. Eine Ausnahme gilt lediglich f├╝r die Abgabe von Hormonen und hormonwirksamen Medikamenten zur Brunstsynchronisation oder um Tiere f├╝r einen Embryotransfer vorzubereiten. Auch sogenannte "├č-Agonisten mit anaboler Wirkung" wie Clenbuterol d├╝rfen als Wehenhemmer bei K├╝hen und Stuten nur von der Tier├Ąrztin oder vom Tierarzt verabreicht werden. Bestimmte Bet├Ąubungsmittel d├╝rfen Tier├Ąrztinnen und Tier├Ąrzte ebenfalls nicht an die Tierhalterin oder den Tierhalter abgeben.

Auch umgewidmete Arzneimittel m├╝ssen Tier├Ąrztinnen und Tier├Ąrzte selber anwenden oder die Anwendung beaufsichtigen, weil sie bei der Umwidmung eines Medikaments pers├Ânlich gro├če Verantwortung tragen.

14. Welche Regelungen gelten f├╝r Impfstoffe?

Impfstoffe unterliegen nicht den Regelungen des Arzneimittelgesetzes. Sie werden z. B. durch das Tierseuchengesetz und die Tierimpfstoffverordnung reglementiert. Impfstoffe m├╝ssen von der Tier├Ąrztin oder dem Tierarzt verabreicht werden.

Nur wenn bestimmte Voraussetzungen erf├╝llt sind, d├╝rfen gewerbs- oder berufsm├Ą├čige Tierhalterinnen und Tierhalter ihre Tiere selber impfen:

  • Sie beziehen den Impfstoff von ihrer Hoftier├Ąrztin oder ihrem Hoftierarzt, werden von ihr oder ihm unterwiesen und erhalten einen detaillierten Anwendungsplan. Dabei unterliegen sie der Aufzeichnungs- und Informationspflicht.
  • Die Tier├Ąrztin oder der Tierarzt betreuen den geimpften Bestand regelm├Ą├čig (u. a. mindestens viertelj├Ąhrliche Bestandsuntersuchung). Sie stellen die Notwendigkeit f├╝r eine Impfung fest und attestieren die Impff├Ąhigkeit der Tiere. Sie kontrollieren die geimpften Tiere zu festgelegten Terminen, beziehen die Aufzeichnungen der Tierhalterin oder des Tierhalters in die Beratung mit ein und zeigen die Abgabe des Impfstoffes beim Veterin├Ąramt schriftlich an.

Geht es jedoch um

  • Impfungen gegen anzeigepflichtige Tierseuchen (z. B. BHV-1 oder BVD beim Rind),
  • amtlich angeordnete Impfungen (z. B. gegen die Blauzungenkrankheit) oder
  • tierseuchenrechtlich vorgeschriebene Impfungen,

ist die Impfstoffabgabe an und die Anwendung durch die Tierhalterin oder den Tierhalter verboten (Ausnahmen bestehen f├╝r die Impfung von Gefl├╝gel oder Fischen).

15. Welche gesetzlichen Grundlagen regeln den Umgang mit Tierarzneimitteln?

1.) Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln (Arzneimittelgesetz - AMG) vom 12. Dezember 2005, letzte Änderung vom 17. Juli 2017 mit Folgeverordnungen

  • a) Tier├Ąrztliche Hausapothekenverordnung (T├äHAV), in der Neufassung vom 20. Dezember 2006, letzte ├änderung vom 16. M├Ąrz 2009
  • b) Verordnung ├╝ber die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln (Arzneimittel-Verschreibungs-Verordnung - AMVV) vom 21. Dezember 2005, letzte ├änderung vom 18. Juli 2017
  • c) Verordnung ├╝ber apothekenpflichtige und freiverk├Ąufliche Arzneimittel (AMVerkRV), vom 24. November 1988, letzte ├änderung vom 19. Dezember 2014
  • d) Verordnung ├╝ber Standardzulassungen von Arzneimitteln (StandZV), vom 3. Dezember 1982, letzte ├änderung vom 19. Oktober 2006
  • e) Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV), vom 14. November 1980, letzte ├änderung vom 4. Mai 2017
  • f) Verordnung ├╝ber Nachweispflichten der Tierhalter f├╝r Arzneimittel, die zur Anwendung bei Tieren bestimmt sind (Tierhalter-Arzneimittel-Nachweisverordnung), vom 17. Juli 2015

2.) Gesetz ├╝ber den Verkehr mit Bet├Ąubungsmitteln (Bet├Ąubungsmittelgesetz - BtMG) vom 1. M├Ąrz 1994, letzte ├änderung vom 17. Juli 2017 mit Folgeverordnungen

  • a) Verordnung ├╝ber das Verschreiben, die Abgabe und den Nachweis des Verbleibs von Bet├Ąubungsmitteln (Bet├Ąubungsmittel-Verschreibungsverordnung ÔÇô BtMVV)
  • b) Bet├Ąubungsmittel-Binnenhandelsverordnung (BtMBinHV) mit Bekanntmachung
  • c) Bet├Ąubungsmittel-Au├čenhandelsverordnung (BtMAHV) mit Bekanntmachung
  • d) Verordnung ├╝ber Sera, Impfstoffe und Antigene nach dem Tierseuchengesetz (Tierimpfstoff-Verordnung - TierImpfStV), vom 24. Oktober 2006

3.) Verordnung ├╝ber Stoffe mit pharmakologischer Wirkung (PharmStV)

4.) Europ├Ąisches Recht

  • a) Verordnung (EWG) Nr. 2377/90 des Rates vom 26. Juni 1990 zur Schaffung eines Gemeinschaftsverfahrens f├╝r die Festsetzung von H├Âchstmengen f├╝r Tierarzneimittelr├╝ckst├Ąnde in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs inklusive Anhang I, Anhang II, Anhang III und Anhang IV
  • b) Verordnung (EG) Nr. 1950/2006 der Kommission vom 13. Dezember 2006 zur Erstellung eines Verzeichnisses von f├╝r die Behandlung von Equiden wesentlichen Stoffen gem├Ą├č der Richtlinie 2001/82/EG des Europ├Ąischen Parlaments und des Rates zur Schaffung eines Gemeinschaftskodexes f├╝r Tierarzneimittel.

Seiten-Titel: Mehrkosten des staatlichen Tierwohlkennzeichens

Seiten-Beschreibung:

Agrar├Âkonom Stefan Leuer von der Landwirtschaftskammer NRW erl├Ąutert, welche Mehrkosten auf schweinehaltende Betriebe zukommen und wie sich diese im Detail zusammensetzen.

Seiten-Titel: ├ľkologische Tierhaltung

Seiten-Beschreibung:

Im ├Âkologischen Landbau ist die Tierhaltung ein wichtiges Bindeglied im Betriebskreislauf Boden-Tier-Pflanze. Die Kopplung von Pflanzenbau und Tierhaltung tr├Ągt dazu bei, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu erh├Âhen. 

Seiten-Titel: Tierschutzinitiativen und -programme

Seiten-Beschreibung:

Viele Landwirtschaftsbetriebe sind bereit, sich f├╝r mehr Tierschutz auf ihren Betrieben einzusetzen. Die Menge an Programmen und Initiativen samt der dazugeh├Ârigen Labels macht es aber schwer, den ├ťberblick zu behalten.