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Pflanze

Wildschäden am Wald

Wildschäden am Wald sind schon seit langem ein gravierendes Problem und führen auch heute noch in vielen Gegenden Deutschlands zu Beeinträchtigungen bei der Verjüngung der Wälder. Neben den Kosten durch Schäden an den Waldbeständen sind auch die Vorsorgemaßnahmen zur Vermeidung von Wildschäden mit erheblichen Aufwendungen verbunden.

Waldschäden

Quelle: Landpixel.de

Am häufigsten entstehen Wildschäden durch Verbiss von Jungpflanzen. In Gebieten mit Rotwildvorkommen spielen zum Teil auch Schälschäden eine große Rolle. Neben der Verringerung der Wildbestände können unter Umständen auch eine Beunruhigung des Wildes durch Lenkung der Waldbesucher sowie weitergehende waldbauliche Maßnahmen helfen, die Wildschadensproblematik einzudämmen.

Grundsätzlich sind das Äsen von Knospen und Trieben sowie das Fegen und das Schälen von Rinde Teil der natürlichen Verhaltensweisen vieler Schalenwildarten und somit normale Aspekte des natürlichen Lebensraums Wald. Überschreitet der Einfluss des Schalenwildes jedoch die ökologische Tragfähigkeit seiner Lebensräume, so hat dies Auswirkungen auf die Verjüngung, das Wachstum und letztlich auf die Zusammensetzung und die Artenvielfalt der Wälder.

Um eine Einschätzung der ökologischen Tragfähigkeit der Wälder in Bezug auf die Wildpopulationen zu erhalten, wird in zahlreichen Bundesländern regelmäßig alle drei Jahre eine Beurteilung der Wildschadenssituation vorgenommen. Die Ergebnisse werden in Forstlichen bzw. Waldbaulichen Gutachten zusammengefasst und bilden eine Grundlage für die Beurteilung der notwendigen Eingriffe in die Wildpopulationen.

Wildschäden – ein bundesweites Problem

In vielen Gebieten gibt es bereits seit längerem intensive Bemühungen zur Reduktion der Wildschäden. Zum Teil konnten dadurch die Schäden deutlich verringert werden. Dies belegen die jüngsten Forstlichen Gutachten verschiedener Bundesländer. Dennoch sind die Wildschäden bundesweit noch immer sehr hoch.

Erhebungen im Rahmen der dritten Bundeswaldinventur (2012) an etwa 60.000 Stichprobenpunkten zeigen bei den 20 bis 130 Zentimeter hohen Jungbäumen sehr hohe Verbissprozente: bundesweit über 40 Prozent bei Eiche und Laubbäumen mit hoher Lebensdauer (außer Buche), 27 Prozent bei Kiefer und 25 Prozent bei Tanne. Hinzu kommen teilweise erhebliche Schälschäden. In einigen Gebieten an über 20 Prozent der Bäume.

Oft verschärft sich die Wildschadensproblematik noch zusätzlich durch eine immer stärkere Zerschneidung der Wildlebensräume durch Straßenbau oder die Anlage von Leitungstrassen. Damit verbunden ist eine Einschränkung der Bewegungsmöglichkeiten und zunehmende Störung der Wildpopulationen.

Auch Formen der Erholungsnutzung, die zur Beunruhigung in den Einstandsgebieten des Wildes führen, erhöhen den Energieverbrauch des Wildes und verursachen dadurch zusätzlichen Verbissdruck. Besonders problematisch ist dies im Winter, wenn der Energieverbrauch des Wildes durch Störungen außerordentlich gesteigert wird.

Verbiss

Verbissen werden an den jungen Bäumen meist Knospen und junge Triebe, die noch nicht verholzt sind. Besonders problematisch ist der Verbiss des Leittriebes, da dies das Wachstum der jungen Bäumchen direkt beeinträchtigt und in der Konkurrenz häufig zum Ausfall der betroffenen Pflanzen führt. Denn nicht alle Waldbäume sind von Verbissschäden gleichermaßen betroffen. Relativ wenig werden Fichtenjungpflanzen verbissen. Bei Buche sind besonders Verjüngungen betroffen, die in Gebieten ohne oder mit geringem Buchenvorkommen zur Entwicklung von Mischbeständen gepflanzt werden. Grundsätzlich treten die Schäden besonders an Baumarten auf, die am jeweiligen Standort eher selten sind: Besonders Rehwild schätzt als Konzentratselektierer das Angebot an nährstoffreichen, leicht verdaulichen Knospen und Blättern der Laubbäume und besonders auch der Tanne.

Dieser selektive Verbiss kann zur Entmischung von Kulturen und zur Entstehung von Fichtenreinbeständen führen: Eine waldbaulich besonders problematische Entwicklung, da diese Reinbestände weniger stabil und sehr anfällig gegen Sturm und Schädlinge sind. Hinzu kommt, dass die Fichte bei einer weiteren Klimaerwärmung auf vielen ihrer bisherigen Standorte mittelfristig ausfallen wird. Besonders große Probleme entstehen in den alpinen Bergwaldgebieten, da hier Buche und Tanne als Grundgerüst stabiler Schutzwälder unentbehrlich sind, bei hohem Verbissdruck aber bei der Verjüngung der Waldbestände keine Chance haben und untergehen. Die dadurch entstehenden Fichtenreinbestände sind auch heute schon durch Borkenkäferkalamitäten bedroht, da diese inzwischen auch in höheren Berglagen auftreten.

Schälschäden

In den Rotwildgebieten stehen neben Verbissschäden vor allem Schälschäden im Vordergrund. Dabei wird die Rinde vorwiegend junger Fichten, Buchen und Tannen abgenagt. Betroffene Bäume werden massiv geschädigt, sterben ab oder gehen an nachfolgenden Pilzinfektionen innerhalb weniger Jahrzehnte ein. Dies kann in stark geschädigten Bereichen zum Zusammenbruch ganzer Waldbestände führen. Rotwild steht gerne in größeren Gruppen zusammen. Wird es am Verlassen seines Einstandes durch äußere Störeinflüsse gehindert, so treten hier besonders massive Schäden auf.

Lösungsansätze

  • Die Reduktion überhöhter Schalenwildbestände bleibt eine wichtige Grundlage und erste Voraussetzung zur Verringerung der Schäden. Häufig reicht aber alleine die Verringerung der Wildbestände nicht aus, um die Wildschadensproblematik zu lösen. So ist unter Umständen die Lenkung der Waldbesucher besonders in den Wintermonaten wichtig, um eine Beunruhigung des Wildes und nachfolgend massiv erhöhte Verbissbelastung zu vermeiden. Oft sind auch weitergehende waldbauliche Maßnahmen sinnvoll und können die Schäden in Problembereichen verringern:
  • Regelmäßige Durchforstungen der Waldbestände stabilisieren nicht nur die Bestände, sondern bringen insgesamt auch mehr Licht auf den Boden. So verbessert sich großflächig das Äsungsangebot in der Krautschicht und vermindert so den Verbissdruck auf den Kulturflächen.
  • Weite Pflanzverbände bei der Aufforstung von Kahlflächen erhalten für längere Zeit die Begleitvegetation der Krautschicht; allerdings muss deren mögliche verdämmende Wirkung mit bedacht werden. Intensive Kulturpflege ist daher unbedingt erforderlich. Außerdem wird bei Verzicht auf Zäunung häufig Einzelschutz der gepflanzten Bäume erforderlich sein.
  • Wenn möglich, sollte keine großflächige Zäunung von Kulturflächen erfolgen, da dies häufig zu einer Konzentration des Wildverbisses auf den restlichen Waldflächen führt. Großflächige Zäunungen können auch nur sehr schwer wildfrei gehalten werden.
  • Holzeinschlag im Winter bietet dem Wild zusätzliches Äsungsangebot an Knospen und Trieben der im Wald verbleibenden Kronenteile.

Kommunikation ist der erste Schritt zur Problemlösung

Ein regelmäßiger direkter Kontakt zwischen Jagdpächtern und Waldbesitzern, gemeinsam mit Gemeindevertretern bietet die Möglichkeit, auftretende Probleme anzusprechen und Lösungen für besonders sensible Bereiche zu entwickeln. Wichtig ist der Austausch über

  • Waldflächen mit besonders hohen Wildschäden,
  • geplante Maßnahmen der Holzernte, der Waldverjüngung und der Jungbestandspflege,
  • geplante Hegemaßnahmen und Abschussplanung beim Schalenwild,
  • aktuelle Probleme des Jagdbetriebs,
  • den Ort und den Zeitpunkt geplanter Gesellschaftsjagden,
  • Möglichkeiten zur Vermeidung von Störungen des Wildes durch Besucher.

Wildschadenersatz

Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer haben grundsätzlich Anspruch auf Ersatz der Wildschäden an ihren Waldflächen, wenn diese durch Schalenwild, Wildkaninchen oder Fasanen verursacht wurden. Zum Schalenwild zählen Rot-, Reh-, Schwarz-, Dam-, Muffel-, Gams- und Sikawild.

Um Wildschäden im Wald ersetzt zu bekommen, müssen sie Schäden an forstwirtschaftlichen Grundstücken jeweils bis zum 1. Mai oder 1. Oktober anmelden (Länderregelungen können davon abweichen.) Der Anspruch auf Schadenersatz erlischt, wenn der Schaden bis zum Stichtag bei der zuständigen Behörde nicht gemeldet ist. Der Anspruch bezieht sich also immer nur auf neue Schäden, die seit dem letzten Meldefristtermin entstanden sind. Schäden an landwirtschaftlich genutzten Flächen müssen binnen einer Wochen nach Kenntnis des Schadens gemeldet werden.