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Pflanze

Der richtige Baum am richtigen Platz - Standortansprüche von Waldbäumen

Welcher Baum gehört wohin? Diese Frage ist so entscheidend, dass sie als "eisernes Gesetz des Örtlichen" zu den grundlegenden Prinzipien der Forstwirtschaft zählt.

Buchewald

Quelle: BLE

Wo bereits eine Standortkartierung durchgeführt wurde, ist sie ein gutes Hilfsmittel zur Beantwortung dieser Frage und sollte vor Beginn einer waldbaulichen Planung zu Rate gezogen werden. In der Standortkartierung werden die Standorte bezüglich ihrer Ausprägung und ihrer Eignung untersucht. Flächen mit ähnlichen Bedingungen werden zu Standortseinheiten zusammengefasst und deren Eignung für bestimmte Baumarten beschrieben.

Aber auch ohne Standortkartierung lässt sich anhand einer Reihe von Faktoren bestimmen, welche Baumarten grundsätzlich ein gesundes und kräftiges Wachstum am jeweiligen Platz erwarten lassen. Dazu müssen die örtlichen Bedingungen genauer unter die Lupe genommen werden: Boden, Klima, die spezifischen örtlichen Wetterbedingungen, aber auch die übrigen Einflüsse auf die Bäume.

Der Boden ist die Grundlage

Die Bodenentwicklung hängt sehr stark vom Ausgangsgestein ab, denn daraus bestimmt sich im Wesentlichen, ob der Boden sauer oder alkalisch, nährstoffarm oder nährstoffreich, sandig oder tonig ist. Häufige Waldbodentypen sind Pseudogleye, Braunerden, Ranker oder Podsole, mit mittlerer bis sehr geringer Nährstoffversorgung. Diese Bodentypen sind aber auch bei begrenzter Nährstoffbereitstellung für das Baumwachstum gut geeignet.

Böden mit guter Nährstoffversorgung werden weit überwiegend landwirtschaftlich genutzt, soweit sie nicht spezielle Probleme in der Bewirtschaftung aufweisen. So sind schwere Tonböden sehr dicht und schwer zu durchwurzeln. Außerdem hat Ton die Eigenart, unter feuchten Bedingungen zu quellen und sich bei Trockenheit zusammenzuziehen, um dann so hart zu werden wie Beton. Viele Baumarten kommen mit diesen Bedingungen nicht zurecht. Besonders für Tonböden geeignet sind dagegen die Eichenarten und die Weißtanne, mit Einschränkungen auch die Kiefernarten.

Sandböden sind meist sehr nährstoffarm und weisen einen starken Wechsel in der Wasserverfügbarkeit auf, da sie Wasser nur sehr begrenzt festhalten können. Ausgeprägte Sandböden sind daher für Baumarten mit gleichmäßig hohem Wasserbedarf und hohen Nährstoffansprüchen nicht geeignet. Das betrifft insbesondere Edellaubbäume, aber auch die Buche eignet sich hier häufig nicht als Wirtschaftsbaumart. Eichen haben dagegen auch auf sehr armen Standorten als Beimischung in Kiefer eine wichtige Bodenpflege-Funktion. 

Viele Böden wurden durch großräumige Windtransporte während der Eiszeit mit Löss überlagert. Dies führt meist zu einer deutlichen Verbesserung des Wasserhaushalts und der Nährstoffversorgung. Diese Standorte sind daher – soweit sie Wald geblieben sind – prinzipiell für eine breite Palette von Baumarten geeignet, abhängig vom Umfang der Lössüberlagerung.

Im Hügel- und Bergland ist der Waldanteil besonders hoch. Hier wird die Bodenbildung häufig durch Bodenverlagerung beeinflusst; dadurch sind die Böden der Oberhänge in der Regel flachgründiger als im Unterhangbereich. Gleichzeitig haben hier weitere Standortfaktoren großen Einfluss auf die standörtliche Eignung der Bäume.

Hangrichtung: In welche Richtung schaut der Wald?

Die Hangrichtung hat in zweifacher Hinsicht große Bedeutung:

  • Sonneneinstrahlung und Wärmebilanz: Die Lage am Hang hat großen Einfluss auf die Sonneneinstrahlung und die Wärmebilanz. Die kalte, schattige Nordseite bietet häufig der Fichte günstige Bedingungen, während auf der warmen Süd- und Südwestseite oft Wald-Kiefer, Trauben-Eiche, bei ausreichender Wasserversorgung auch Buche und Douglasie (aber Vorsicht: Waldbrandgefahr!) geeignet sind.
  • Wasserverfügbarkeit: Intensive Sonnenstrahlung trocknet den Boden schnell aus. Dies trifft die Süd- und Südwesthänge und Hangkuppen besonders. Durch die höheren Temperaturen auf der Sonnenseite verstärkt sich dieser Effekt zusätzlich. Wenn der Standort insgesamt eher trocken ist oder längere Dürreperioden im Sommer auftreten, wird es für viele Baumarten "eng".  Dann können Elsbeere, Mehlbeere, Feldahorn, Traubeneiche, Hainbuche oder Winterlinde ihre Stärken ausspielen. Die Wasserversorgung der Bäume hängt dabei nicht nur vom Niederschlag ab, auch die Position am Hang ist wichtig. Denn es spielt eine große Rolle, ob der Standort zusätzliches Wasser bekommt, etwa aus oberhalb liegenden Quellhorizonten oder durch Hangzugwasser.  Oben ist es daher meist wesentlich trockener als am Unterhang, der auch in längeren Trockenperioden noch mit zusätzlichem Wasser versorgt wird. Die unteren Hangbereiche eignen sich daher für eine größere Auswahl von Baumarten.

Klima und Wald

Natürlich ist für den Standort das Klima wichtig: besonders die Menge und jahreszeitliche Verteilung von Niederschlag und die Temperaturen unterscheiden sich stark, je nachdem, ob man sich etwa im warmen Südwesten Deutschlands oder in der Nähe der Nordsee befindet. Noch extremer sind die Unterschiede in Bergregionen: Hier kann zwischen unten und oben auf wenigen Kilometern Entfernung ein klimatischer Unterschied vom Weinbauklima bis zu beinahe subarktischen Bedingungen auftreten.

Ebenfalls eine Rolle spielt die Luftbewegung. In den oberen Hangbereichen ist das Sturmwurfrisiko sehr hoch, und die Wärmebilanz ist besonders in den Bereichen, die stark von Wolkennebel beeinflusst werden, sehr ungünstig. Geschützte Muldenlagen weisen im Winter in der Regel sehr tiefe Minimumtemperaturen und im Frühjahr eine extrem hohe Spätfrostgefahr auf, die bei vielen Laubbaumarten, vor allem nach dem Laubaustrieb, zu massiven Schäden führen kann. Aber auch junge Tannen oder Douglasien leiden auf diesen Standorten sehr. In entsprechenden Mittelgebirgslagen findet man hier natürliche Vorkommen von Fichte oder Waldkiefer.

Standort und Risiken: Wetterextreme

Schnee, Frost, Sturm und Hagel oder auch lange Trockenperioden – die Liste der Wetter-Risiken für den Wald ist lang. Manche Gefahren sind offensichtlich: In den letzten Jahrzehnten zogen immer wieder schwere Orkane oder Gewitterstürme über Deutschland, die Wälder in ganzen Regionen verwüsteten.  Neben solch kaum kalkulierbaren Katastrophen treten in bestimmten Regionen oder Höhenlagen regelmäßig weitere Gefahren für die Waldbestände auf.

Nassschneeschäden können besonders in Jungbeständen bestandesbedrohend sein, da diese schnell in die Höhe wachsen und bei h/d-Werten (Schlankheitsgrad) von über 100 sehr empfindlich auf schwere Schneelasten reagieren.

Sturm nach langandauernden Regenfällen ist für Bäume gefährlich, die kein besonders tiefreichendes Wurzelwerk entwickeln. Denn dann ist der Boden aufgeweicht und das Wurzelwerk der Bäume findet wenig Halt im Boden. Das betrifft neben der Fichte auf flachgründigen Standorten teilweise auch die Buche (v.a. im belaubten Zustand). Tiefwurzler wie Eiche und Tanne sind davon unter normalen Umständen nur wenig betroffen.

Dort, wo es im Sommer häufig zu Trockenperioden kommt, eignen sich Baumarten, die von Natur aus an sommerliche Trockenperioden angepasst sind (z.B. Traubeneiche oder Winterlinde).

Standort und Risiken: Tierische Schädlinge

Neben Borkenkäfern sind immer wieder auch bestimmte Schmetterlingsarten wie die Nonne für großflächige Waldzerstörungen verantwortlich. Baumarten, die auf Grenzstandorten stehen (also Standorten, für die sie sich nur eingeschränkt eignen), sind dann meist erhöhten Risiken ausgesetzt. So sind Fichtenbestände auf relativ trockenen Standorten weniger widerstandsfähig gegen Borkenkäfer. Mit zunehmenden Temperaturen können sich die Risiken durch tierische Schädlinge deutlich erhöhen und sich auch auf bisher ungefährdete Standorte ausweiten.

Risiken minimieren: Die Mischung macht‘s

Um Bestände gegen Risiken zu schützen, muss zum einen der einzelne Baum möglichst optimale Wuchsbedingungen finden. Zum anderen sollten die Entwicklungsmöglichkeiten von Schädlingen möglichst eingeschränkt werden, soweit dies waldbaulich möglich ist.

Aber auch die Erziehung von Mischbeständen ist eine wichtige Möglichkeit, Risiken für Waldbestände zu begrenzen – gerade in Bezug auf die Klimaerwärmung. Auch wenn eine Baumart von einer Kalamität betroffen wird, treten Risiken meist nicht für den gesamten Bestand gleichzeitig auf. Außerdem sind bestimmte Befallsrisiken (z.B. Gefährdung der Fichte durch Borkenkäfer) in Mischbeständen eher geringer und die Ausbreitung von Schädlingen wird erschwert.

Da sich ergänzende Mischbaumarten (z.B. Buche-Fichte, Kiefer-Buche, Eiche-Kiefer) oft auch eine höhere Gesamtzuwachsleistung haben, sollte auf geeigneten Standorten eine entsprechende Mischung überlegt werden. Dieser positive Mischungseffekt ist bei einer Kombination von Licht- mit Schattenbaumarten (z.B. Kiefer und Buche) und von Nadelholz- mit Laubholzarten besonders deutlich ausgeprägt.