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Pflanze

Sicherheit bei der Waldarbeit

Das Arbeiten mit der Motorsäge ist gefährlich und setzt viele praktische und theoretische Kenntnisse voraus. Eine fachgerechte Handhabung und die richtige Fälltechnik sind daher entscheidend, um Bäume sicher zu fällen.

Die richtige Handhabung der Motorsäge schafft nicht nur Sicherheit, auch Unfälle und Kosten werden vermieden. Eine gründliche Schulung sollte daher für jeden Anwender Pflicht sein.  Ein Schulungsnachweis, oft auch als Motorsägenführerschein bezeichnet, ist Voraussetzung für private Brennholzselbstwerber und für die gewerbliche Holzwerbung. Je nach Anzahl der absolvierten Module befähigt er seinen Besitzer zum Sägen und gegebenenfalls Fällen von Holz im öffentlichen Wald und in allen zertifizierten Forstbetrieben.

Ein Muss: Sicherheitskleidung

Ein weiterer Schritt, um Verletzungen vorzubeugen, ist eine ausreichende Sicherheitskleidung. Auch kleinere Arbeiten erfordern das Tragen von Sicherheitsschuhen, Schnittschutzhose, Handschuhen und Helm mit Gesichtsschutz. Ein guter Stand und sicherer Halt sind für eine saubere sowie sichere Arbeit unerlässlich. Auch für die Sicherheitskleidung gilt: Unbedingt auf Prüfzeichen achten!

Darüber hinaus sollte möglichst immer eine zweite Person in Ruf- oder Sichtweite sein, damit bei einem Unfall schnell Hilfe bereitsteht oder ein Rettungswagen gerufen werden kann. Vorab sollte jeder kontrollieren: Wo gibt es Rettungspunkte? Hat das Handy Empfang?

Bevor es los geht

Bevor die eigentliche Arbeit mit der Motorsäge beginnt, erfolgt die Begutachtung des Baumes. Sie ist eine wichtige Maßnahme, um mögliche Gefährdungen im Vorfeld zu erkennen. Folgende Merkmale sind von besonderer Bedeutung:

  • Baumhöhe
  • Baumkrone
  • Stammverlauf (Vorhänger, Rückhänger, Seithänger?)
  • Stammfuß und Schaft, Gesundheitszustand
  • Stammdurchmesser
  • Äste (Totäste)
  • Nachbarbäume, Umgebung
  • aktuelle Windsituation

Diese Einflussgrößen bestimmen das Vorgehen bei der Fällung, d.h. die Wahl der richtigen Fälltechnik und die korrekte Anlage des Fällkerbs, um die exakte Fällrichtung zu gewährleisten.  Sie sind auch bei der Vorbereitung der Rückweiche des Motorsägenführers zu beachten. Die Rückweiche muss dem Motorsägenführer eine rasche, hindernisfreie Entfernung vom fallenden Baum erlauben (mindestens 9 Meter!), damit er nicht von herabfallenden Ästen und Stammteilen getroffen wird.

Zudem ist es notwendig, Gefahrenbereiche mit Warnschildern und Absperrband zu kennzeichnen. Als Faustregel gilt, der Fallbereich ist der Kreis um den zu fällenden Baum mit dem Radius der doppelten Baumlänge.

Sicherheitsfälltechnik

Das Verletzungsrisiko ist sehr groß, wenn der zu fällende Baum nicht in die vorgesehene Richtung oder zu früh fällt. Um hier eine Verbesserung zu erreichen, bietet sich die Sicherheitsfälltechnik an. Sie verspricht eine deutliche Verbesserung der Fällungsergebnisse, weniger Schäden am Holz, genau Einhaltung der Fällrichtung und optimale Berücksichtigung aller Sicherheitskriterien. Wichtigster Vorteil: Der Baum kommt nicht vorzeitig ins Fallen.

Die Sozialversicherung Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) legte im Januar 2017 in ihrer Unfallverhütungsvorschrift Forsten (PDF) die Sicherheitsfälltechnik als Regelfälltechnik fest. Kennzeichen sind das Stützband und ein Fällschnitt, der als Stechschnitt begonnen wird. Voraussetzung für die Sicherheitsfälltechnik: Der Baum hat einen ausreichenden Durchmesser von mindestens 25 Zentimetern. Bei einem geringeren Stockdurchmesser lässt sich kein Stechschnitt durchführen. Darüber hinaus darf der Baum keine erkennbare Fäule aufweisen. Weist der zu fällende Baum einen erkennbaren Hang in eine Richtung auf (Vor- oder Seithänger), so muss die Sicherheitsfälltechnik entsprechend angepasst werden.

Die Sicherheitsfälltechnik als Regelfälltechnik anzuwenden bedeutet auch: Ausnahmen sind möglich, sollten zur eigenen Sicherheit aber wohlüberlegt und begründet sein.

Für Normalbäume mit einem Durchmesser über 25 cm gilt die Sicherheitsfälltechnik mit Stützband mittlerweile als Standardverfahren.

Vorgehensweise:

  • Baumansprache und Bestimmen der Fällrichtung
  • Äste, die die Fällungsarbeiten behindern, entfernen 
  • Beischneiden der Wurzelanläufe in Fällrichtung
  • Anlage des Fallkerbs (Ein Fünftel bis ein Drittel des Stammdurchmessers einsägen, Winkel 45 – 60 Grad, Dach- und Sohlenschnitt müssen sich in der Fallkerbsehne genau treffen)
  • Überprüfen der Fällrichtung
  • Bei langfaserigen Bäumen Splintschnitte anbringen, um ein seitliches Aufreißen des Stammes zu verhindern (vor allem bei Nadelbäumen, Esche und Eiche)
  • Fällschnitt mittels Stechschnitt beginnen. Es wird zunächst die Bruchleiste (ein Zehntel des Stammdurchmessers) ausgeformt, die Bruchstufe beträgt ebenfalls circa ein Zehntel des Durchmessers
  • Herausarbeiten eines Stützbands
  • Je nach Stärke des Baumes werden links und rechts des Stützbandes Keile gesetzt
  • Stützband waagerecht durchtrennen
  • Falls der Baum nicht fällt: Baum umkeilen

Sicherheitsfälltechnik in Bildern

Stechschnitt 1 - schräg einsägen

Stechschnitt 2 - Schwert gerade stellen

Stechschnitt 3 - gerade durchsägen

Bruchleiste ausformen, dazu Motorsäge parallel zur Fallkerbsohle nach vorn führen.

Achtung!

Es ist auf jeden Fall erforderlich, diese Fälltechnik wie auch alle anderen Arbeiten bei der Baumfällung im Rahmen einer praktischen Schulung intensiv zu üben! Ansonsten entstehen auch bei der Sicherheitsfälltechnik – besonders beim vorbereitenden Stechschnitt – unkalkulierbare Gefahren für den Motorsägenführer.

Vorteile der Sicherheitsfälltechnik

Die Sicherung mittels Halte- oder Stützband reduziert deutlich die Gefahr durch vorzeitige Baumbewegung und damit auch den Stress bei der Fällung. Der Baum kommt nicht vorzeitig ins Fallen, die Bruchleiste und Bruchstufe, die den Baum lenken, können korrekt ausgeformt werden. Die Technik ermöglicht auch ein zeitiges und zügiges Zurücktreten in die Rückweiche. Zusätzlich reduziert sie das Risiko, dass der Baum aufplatzt.