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Pflanze

Jagdgenossenschaften und ihre Aufgaben im Jagdrechtssystem

In Deutschland gibt es ungeahnt viele Jagdgenossinnen und Jagdgenossen. Denn der überwiegende Teil der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, aber auch der Landwirtinnen und Landwirte ist in Jagdgenossenschaften zusammengeschlossen. Und das ganz ohne ihr Zutun. Die Mitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft ist gesetzlich begründet und vielen Jagdgenossinnen und Jagdgenossen ebenso wenig vertraut wie Aufgabe und Bedeutung einer solchen Jagdgenossenschaft.

Rehwild im Wald

Quelle: BLE

Jagdrecht ist nicht gleich Jagdausübungsrecht

In Deutschland ist seit 1848 das Jagdrecht untrennbar mit dem Eigentum an Grund und Boden verbunden. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Grundeigentümerin und jeder Grundeigentümer automatisch auch berechtigt ist, die Jagd auf dem eigenen Grund auszuüben. Vielmehr darf die Jagd nur in Jagdbezirken mit ausreichender Größe – den "Jagdrevieren" – ausgeübt werden. Gemeinschaftliche Jagdbezirke werden dann gebildet, wenn die einzelnen Grundflächen der Eigentümerinnen und Eigentümer nicht die Mindestfläche für einen Eigenjagdbezirk erreichen. In der Regel sind dies 75 Hektar arrondierte land-, forst- oder fischereiwirtschaftlich nutzbare Fläche (Länderregelungen können davon abweichen). Die so entstandene Jagdgenossenschaft kann das Jagdrecht durch Verpachtung an einen oder mehrere Jägerinnen oder Jäger oder durch Eigenbewirtschaftung ausüben.

Wie werde ich Mitglied in einer Jagdgenossenschaft?

Die Mitgliedschaft in der Jagdgenossenschaft entsteht automatisch durch das Eigentum an einer Grundfläche, die zu einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk gehört. Dies sind in der Regel alle Flächen, ausgenommen befriedete Bereiche. Dies sind insbesondere Wohn- und Nebengebäude und deren umfriedete Hofräume, Hausgärten sowie Friedhöfe. Öffentliche Anlagen und abgeschlossene Grundflächen können durch behördliche Anordnung ganz oder teilweise befriedet sein.

Wie ist eine Jagdgenossenschaft organisiert?

In Deutschland sind etwa 4 Millionen Grundeigentümerinnen und -eigentümer in rund 40.000 Jagdgenossenschaften organisiert. Als Körperschaften öffentlichen Rechts können Jagdgenossenschaften sich eine eigene Satzung geben, in der sie Fragen ihrer inneren Organisation regeln. Diese Satzungen müssen genehmigt werden. Die meisten Bundesländer haben hierzu Mustersatzungen herausgegeben. Oberstes Organ der Jagdgenossenschaft ist die Jagdgenossenschaftsversammlung. Sie wählt den Jagdvorstand, der die Jagdgenossenschaft nach außen – gerichtlich und außergerichtlich – vertritt. Da es bei Abstimmungen neben der Mehrheit nach Köpfen auch auf die Grundflächenmehrheit ankommt, führt die Jagdgenossenschaft ein Jagdkataster, also ein Flächenverzeichnis mit Angabe der Eigentümer und der Flächengrößen.

Auf Länderebene werden die Interessen der Jagdgenossenschaften durch insgesamt 17 Vereinigungen vertreten, die sich wiederum zur Bundesarbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer (BAGJE) zusammengeschlossen haben.

Aufgaben der Jagdgenossenschaft

Die Jagdgenossenschaften entscheiden, in welcher Form das Jagdrecht auf ihrem Gebiet ausgeübt werden soll: Verpachtung an externe Pächter, Verpachtung im Kreis der eigenen Jagdgenossen oder Eigenbewirtschaftung. Im Falle der Verpachtung schließen sie die Jagdpachtverträge mit den Jagdpächtern und kontrollieren die Erfüllung der vertraglichen Pflichten der Pächter. Dazu gehört die Zahlung der Jagdpacht und die Erfüllung der Nebenpflichten, so z.B. die Erfüllung des Abschussplans, Wildschadensverhütung oder Aufgaben des Jagdschutzes. Die Regelung der Kostenübernahme bei Wildschäden bzw. der Kosten zur Wildschadensverhütung ist ein wichtiger Punkt. Denn Jagdgenossenschaften sind ihren Mitgliedern zum Ersatz von Wildschäden verpflichtet, übertragen diese Verpflichtung im Pachtvertrag aber häufig auf den Jagdpächter.

Jagdgenossenschaften vertreten die Interessen der Grundeigentümer in jagdlichen Fragen, kontrollieren ob diese ihre Hegeaufgaben ordnungsgemäß erfüllen und vermitteln bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Grundeigentümern und Jagdpächtern. Auf kommunaler Ebene sind sie Schnittstelle und Vermittler zwischen kommunalen Interessen und den Interessen ihrer Mitglieder und können z.B. bei Jagdwertminderung durch Bau einer Straße, Eisenbahnlinie oder Hochspannungsleitung Schadenersatzforderungen geltend machen. Häufig übernehmen sie auch die Pflege von Wald- und Feldwege und tragen zur Pflege natürlicher Lebensräume bei – etwa durch die Anlage von Hecken oder Feuchtbiotopen.