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Pflanze

Was ist bei der Begründung von Waldbeständen zu beachten?

Soll ein Waldbestand neu begründet werden, weil der bisherige Bestand geerntet wurde oder Sturm oder Kalamitäten dies erforderlich gemacht haben, muss die Planung dafür möglichst frühzeitig beginnen. Um optimale Bedingungen für die neue Waldgeneration schaffen zu können, gilt es zunächst festzulegen, welches Betriebsziel auf dieser Fläche erreicht werden soll.

Wald

Quelle: BLE

  • Welche Baumarten sollen auf der Fläche wachsen? Je nach Standort kann dies eine größere oder kleinere Auswahl an Baumarten sein. Wenn eine Standortskartierung vorliegt, sollte man diese auf jeden Fall zur Beantwortung heranziehen.
  • Soll auf der Fläche ein Reinbestand oder ein Mischbestand entstehen? Während Reinbestände zwar meist einfacher zu pflegen sind, bieten Mischbestände eine wesentlich größere Sicherheit gegenüber möglichen Risiken. Laubholzbeimischungen in Nadelholzbeständen nutzen oft das Nährstoffangebot des Standortes besser und der Bestand weist eine höhere Gesamtwuchsleistung auf. Durch die Aufnahme von Nährstoffen aus tieferen Bodenbereichen werden Basen in den Nährstoffkreislauf eingebracht, die die Humusform verbessern und den verfügbaren Nährstoffvorrat im Oberboden erhöhen.
  • Gibt es Risiken und Einschränkungen, die auf dem Standort vorgegeben sind? Das können genauso klimatische Aspekte (Nassschnee-, Sturmrisiken) wie spezielle Ausprägungen des Standortes sein. Dazu gehört auch die Frage, ob sich für den neuen Waldbestand durch die Klimaerwärmung spezielle Risiken oder zumindest veränderte Bedingungen ergeben, die die Baumartenwahl und die Umtriebszeit beeinflussen.

Wenn die vorstehenden Fragen beantwortet und betriebliche Ziele und Möglichkeiten miteinander abgeglichen sind, folgt die Einschätzung vor Ort.

Pflanzung, Saat oder Übernahme der Naturverjüngung?

Die Begründung neuer Waldbestände kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen – durch natürliche oder künstliche Verjüngung, noch unter dem Schirm des Altholzes oder auf der geräumten Fläche.

Die Übernahme der Naturverjüngung in den neuen Bestand hat verschiedene Vorteile, insbesondere geringere Kosten (keine Pflanzkosten), aber auch sicheres Anwachsen und gute Wurzelentwicklung. Allerdings ist der Pflegeaufwand mindestens gleich hoch, eher sogar etwas höher, und der Schutz gegen Wildverbiss muss rechtzeitig beginnen.

Wie lassen sich die Möglichkeiten zur Übernahme der Naturverjüngung beurteilen? Wichtige Ansatzpunkte sind:

  • Gibt es auf der Fläche bereits Naturverjüngung?
  • Wie verteilt sie sich auf der Fläche?
  • Lässt der Altbestand eine gute Entwicklung der Naturverjüngung erwarten? (Vorsicht ist geboten u. a. bei häufigem Auftreten von Zwieselbildung oder Drehwuchs und bei früheren Schneebruchschäden durch breitkronigen Habitus)
  • Enthält eine vorhandene Naturverjüngung die Baumarten, die als Betriebsziel hier angestrebt werden?
  • Welche Baumarten der Zielbestockung fehlen?

Verjüngung unter Altholzschirm - das Licht entscheidet

Der Vorteil einer Verjüngung unter dem Schirm des Altholzes ist der Schutz der Verjüngung gegen Witterungsextreme (Frost, Sonneneinstrahlung), die auf der Freifläche zum Ausfall der Jungpflanzen führen können.

Grundvoraussetzung für Photosynthese und Wachstum ist Sonnenlicht. Unter dicht geschlossenen Baumkronen kommen am Waldboden nur etwa ein bis fünf Prozent des Sonnenlichts an – zu wenig für das Wachstum von Baumkeimlingen. Deshalb brauchen selbst kleine Buchen und Tannen, die mit sehr wenig Licht auskommen, zumindest kleine "Lichtfenster" im Altbestand, um sich entwickeln zu können. Nach einem Jahr mit gutem Samenertrag kann die natürliche Verjüngung durch vorsichtiges Auflichten des Bestandes unterstützt werden. Die Auflichtung des Altbestandes sollte in den folgenden Jahren weitergeführt werden, besonders bei Buchenaltbeständen, da sie das Kronendach schnell wieder schließen. Ein "Zuviel" kann dabei allerdings schaden.

Soll aus einem Nadelholzreinbestand in der nächsten Waldgeneration ein Mischbestand aus Laub- und Nadelbäumen werden, bietet sich ein behutsamer "Umbau" an. Da hier nur Nadelbäume auf natürlichem Wege für Nachwuchs sorgen können, werden im Rahmen eines Voranbaus Laubhölzer gepflanzt, um nach der Nutzung des Vorbestandes bereits einen Verjüngungsvorrat auf der Fläche zu haben. Reichen später Voranbau und natürliche Ansamung nicht aus, werden die Lücken noch bepflanzt.

Ein wichtiger Punkt bei der Verjüngung unter Schirm ist die räumliche Ordnung, das heißt: bei der Endnutzung darf durch Einschlag und Rücken der Altbäume nicht der Verjüngungsvorrat zerstört werden.

Pflanzung

Bei der Pflanzung sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Auswahl der für den Standort geeigneten Baumarten
  • Wahl der richtigen Herkünfte von Forstpflanzen: Geeignet sind besonders Pflanzen aus ortsnaher Herkunft. Die Empfehlungen der Länder sollten beachtet werden.
  • Festlegung des Pflanzensortiments: Sämlinge, verschulte Pflanzen oder auch Großpflanzen werden für unterschiedliche Ausgangsbedingungen angeboten. Während für normale Pflanzbedingungen kleine Sortimente ausreichen, können bei starker Unkrautkonkurrenz oder bei sehr hohem Verbissdruck Großpflanzen die kritische Wachstumsphase deutlich verkürzen. An Großpflanzen sind aber besonders hohe Qualitätsanforderungen (Verschulabstand, Spross-/Wurzelverhältnis) zu stellen, um Anwuchsprobleme zu vermeiden. Neben den wurzelnackten Kleinsortimenten werden inzwischen auch Containerpflanzen angeboten, die mit kleinen Erdballen verpflanzt werden und ein verbessertes Anwuchsverhalten und geringere Ausfälle aufweisen.
  • Geeignetes Pflanzverfahren: Bei den Pflanzverfahren muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Wurzeln nicht gestaucht, gedreht oder umgedrückt werden. Die Wurzeln bestimmen das Pflanzverfahren!
  • Pflanzverband: In den letzten Jahrzehnten wurden die Pflanzverbände immer weiter, die Pflanzenzahlen je Hektar sanken entsprechend. Heute wird auch bei Eiche auf der Freifläche eine Pflanzenzahl (2-jährig unverschult) bis maximal 5000 je Hektar empfohlen, bei Fichte und Tanne liegen die Empfehlungen zwischen 2000 und etwas über 3000 Pflanzen je Hektar (3- bis 4-jährig, verschult). Wenn sich auf der Verjüngungsfläche bereits Anflug von Treibhölzern befindet, kann die Pflanzenzahl verringert werden.
  • Schutz gegen Wildverbiss: Außer bei Fichte und Kiefer ist Wildverbiss noch immer ein großes Problem, vor allem bei Pflanzung von Baumarten, die in näheren Umgebung selten vorkommen. Hier muss geprüft werden, ob ein Flächenschutz (Zaun) oder ein Einzelschutz (z.B. Wuchshüllen) vorzuziehen ist oder ob auf Schutz verzichtet werden kann. Hier lohnt sich das Gespräch mit der Jagdpächterin oder dem Jagdpächter.

Neben den "reinen" Verfahrensarten: Saat, Pflanzung, Übernahme der Naturverjüngung gibt es noch eine Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten - zum Beispiel die Ergänzung der natürlichen Verjüngung durch kleinflächiges Einbringen von Pflanzen der Zielbestockung.

Dabei ist die Wuchsdynamik der verschiedenen Baumarten wichtig. Werden zum Beispiel Buchen in eine kleine Lücke einer Fichtennaturverjüngung gepflanzt, so werden sie unter Umständen sehr schnell durch die vorwüchsigen Fichten wieder herausgedunkelt. Umgekehrt sollte eine Pflanzung von Fichten in eine lückige Buchennaturverjüngung stets größere Flächen aussparen, wenn Buche auch im Altbestand noch vertreten sein soll: Pro Baum im Altbestand etwa 10 x 10 Meter, da vom Rand her die Fichten "drücken" und den Buchenbereich mit der Zeit verkleinern.

Saat

Die Saat ist heute zwar eher selten, bietet jedoch wichtige Vorteile, da sie ökologisch der Naturverjüngung sehr ähnelt. Dies bedeutet, dass der auflaufende Keimling von Anfang an am „richtigen Ort“ steht, keinen Pflanzschock erleidet und keine Einschränkung seiner Wurzelentwicklung hinnehmen muss. Allerdings ist die Saat unsicherer hinsichtlich des Auflauferfolges und die Gefährdung durch Wildverbiss und Unkrautkonkurrenz dauert länger als bei der Pflanzung. Die Saat kann auch unter dem Schirm des Altholzes erfolgen. Auch Saatgut muss für den Standort geeignet sein. Wie bei der Pflanzung gilt: Die Herkunftsempfehlungen der Länder beachten!

Mischbestand: Für jede Baumart die notwendige Fläche bereitstellen

Soll ein Mischbestand durch Pflanzung begründet werden, muss bereits in der Gestaltung der Pflanzfläche auf entsprechende Flächengrößen für die einzelnen Baumarten geachtet werden, da sonst dominierende Baumarten (z.B. Douglasie) schnell die Oberhand gewinnen und zu einer Entmischung des Bestandes führen.

Die einzelnen Flächengrößen für die verschiedenen Baumarten sollten deshalb etwa dem Platzbedarf eines Baumes im Endbestand entsprechen (z. B. 10 x 10 Meter). Eine kleinflächigere Mischung macht spätere Pflegeeingriffe erforderlich, um auch weniger zuwachsstarke Baumarten im Bestand zu erhalten.