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Pflanze

Die neue Düngeverordnung - Was ändert sich für Landwirtschaft und Gartenbau?

Die Düngeverordnung wurde 2017 grundlegend überarbeitet. Sie bringt für Landwirte, Gärtner und Winzer eine Reihe von Veränderungen mit sich.

Düngerausbringung

Quelle: ALWB

Seit 1. Juni 2017 gilt die neue Düngeverordnung. Mit der Novellierung reagierte die Bundesregierung auf die Forderungen der EU-Kommission zur Umsetzung der Nitratrichtlinie. Deutschland konnte in den vergangenen Jahrzehnten die Stickstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft nicht hinreichend reduzieren. Die EU hatte daher gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Die Änderungen der Düngegesetzgebung sollen nun dafür sorgen, dass die Effizienz der Düngung erhöht, die Gewässer besser geschützt und die Ammoniakemissionen reduziert werden.

Wir stellen im Folgenden vor, was sich für landwirtschaftliche und gartenbauliche Betriebe ändert. 

Schlagbezogene Düngebedarfsermittlung

Die neue Düngeverordnung schreibt vor, dass die Düngebedarfsermittlung schriftlich dokumentiert werden muss – und zwar schlagbezogen. Diese Pflicht greift allerdings erst, wenn pro Hektar und Jahr mehr als 50 Kilogramm Stickstoff und 30 Kilogramm Phosphor (P2O5) ausgebracht werden.

Die Stickstoffmenge, die eine Landwirtin oder ein Landwirt düngt, um einen bestimmten Ertrag zu erreichen, ist nun als standortbezogene Obergrenze vorgegeben. Eine Überschreitung dieser Grenze ist ordnungswidrig. Bei der Ermittlung des Düngebedarfs können nach neuer Düngeverordnung Entzüge, Ertragskorrekturen, Nmin-Gehalte im Boden sowie Faktoren wie Vorfrucht und Standortbedingungen mitberücksichtigt werden. Ein Beispiel für eine Stickstoff-Düngebedarfsermittlung nach neuer Düngeverordnung gibt die folgende Tabelle:

Beispiel: Düngebedarfsermittlung nach neuer Düngeverordnung (Düv, Anlage 4)
Faktoren für die DüngebedarfsermitttlungBeispielbetriebErläuterung
1KulturWinterweizenA- oder B-Qualität
2Stickstoffbedarfswert230 kg N/ha
3Ertragsniveau (laut DüV Anlage 4 Tabelle 2)80 dt/ha
4betriebliches Ertragsniveau im dreijährigen Mittel90 dt/ha
5Ertragsdifferenz Zeile 3 und 4+ 10 dt/ha
6im Boden verfügbare Stickstoffmenge(Nmin), in diesem Fall gemessen- 40 kg N/hagemessen oder Richtwert
7Ertragsdifferenz (laut Zeile 5 und DüV Anlage 4 Tabelle 3+10 kg N/ha
8Stickstoffnachlieferung aus dem Bodenvorrat (laut DüV Anlage 4)0 kg N/haZuschlag nur bei größer als 4% Humus
9Stickstoffnachlieferung aus der organischen Düngung der Vorjahre, in diesem Fall 120 kg N/ha Gülle- 12 kg N/hadavon 10% anrechenbar
10Vorfrucht bzw. Vorkultur (laut DüV Anlage 4 Tabelle 7), in diesem Fall Winterraps- 10 kg N/ha
11Zuschlag bei Abdeckung mit Folie oder Vlies zur Ernteverführung0 kg N/ha
12Stickstoffdüngebedarf während der Vegetation178 kg N/ha
13Zuschläge aufgrund nachträglich eintretender Umstände, insbesondere   Bestandsentwicklung oder Witterungsereignissenach Maßgabe der nach Landesrecht zuständigen Stellen

 

 

 Quelle: BZL-Broschüre: Die neue Düngeverordnung

Kostenlose Softwareanwendungen für die Düngebedarfsermittlung

Einige Bundesländer stellen für die Düngebedarfsermittlung kostenlose Excel-Programme zur Verfügung, in denen die Vorgaben der neuen Düngeverordnung bereits berücksichtigt sind, so zum Beispiel:

Mehr zum Thema Düngebedarf in der Düngeverordnung: § 3 Absatz 2 und § 4

Einige Produktionsrichtungen wie Zierpflanzen-, Obstbau oder Forstwirtschaft oder Betriebe mit weniger als zwei Hektar Anbaufläche Wein, Gemüse oder Hopfen sind von der Dokumentationspflicht generell ausgenommen (siehe § 10 Absatz 1 der DüV).

Neue Regeln für die Einarbeitung von Düngern

Auf unbestellten Ackerflächen müssen Düngemittel mit wesentlichen Gehalten an verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff spätestens vier Stunden nach Aufbringung eingearbeitet werden. Darunter fallen flüssige Wirtschaftsdünger wie Gülle und Gärrückstände, aber auch feste organische Dünger, wie Hühnertrockenkot und Geflügelmist. Nicht direkt eingearbeitet werden müssen Festmist von Huf- oder Klauentieren (u. a. Rind, Schaf, Ziege, Pferd, Schwein), Kompost sowie Düngemittel mit Trockenmassegehalten von weniger als zwei Prozent (z. B. Jauche oder Kartoffelfruchtwasser).

Ab dem 1. Februar 2020 gilt die Einarbeitungsfrist auch für Harnstoff, wenn kein Ureasehemmstoff zugegeben wurde. Die Einarbeitung der Düngemittel kann entweder in einem Arbeitsgang, zum Beispiel mit einem Güllegrubber oder in einem zweiten Arbeitsgang nach der Gülleausbringung erfolgen.

Auf bewachsenen Flächen dürfen flüssige organische und organisch-mineralische Dünger nur noch streifenförmig aufgebracht oder mit geeignetem Gerät in den Boden eingebracht werden. Diese Regelung gilt auf Ackerland ab 2020, auf Grünland und mehrjährigem Feldfutter ab 2025.

Mehr dazu in der Düngeverordnung: § 6

Neue Ausbringungsbeschränkungen

Generell gilt: Es dürfen keine stickstoff- und phosphorhaltigen Dünger ausgebracht werden, wenn der Boden überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt ist. Auf gefrorenen Böden, die eine Pflanzendecke tragen und tagsüber auftauen, können jedoch bis zu 60 Kilogramm Gesamtstickstoff je Hektar aufgebracht werden, wenn ein Abschwemmen nicht zu befürchten ist. Eine Ausnahme stellen Festmiste von Huf- oder Klauentieren (u. a. Rind, Schaf, Ziege, Pferd, Schwein) sowie Komposte dar: Sie können auch in höheren Mengen als 60 Kilogramm Gesamtstickstoff je Hektar aufgebracht werden. Dies gilt sowohl im Herbst als auch für die Düngung im Frühjahr.

Mehr dazu in der Düngeverordnung: § 5 Absatz 1


BZL-Broschüre "Die neue Düngeverordnung"

Vertiefenden Informationen zum Thema emissionsarme Ausbringungstechnik und Einarbeitung finden Sie in der Broschüre auf den Seiten 24 bis 28.

Zur Broschüre


Abstandsregeln zu Gewässern und Nachbarfeldern

Teich an einem Feld

Beim Ausbringen von Düngemitteln in der Nähe oberirdischer Gewässer müssen neue Abstandsregeln beachtet werden.
Quelle: Dominic Menzler, BLE

Um den Eintrag von Nährstoffen in oberirdische Gewässer und Nachbarflächen zu vermeiden, gelten folgende neue Abstandsregeln:

  • bei einer Hangneigung von weniger als zehn Prozent muss der Abstand zu Gewässern und Nachbarflächen mindestens vier Meter beziehungsweise ein Meter bei Exaktausbringung (Streubreite = Arbeitsbreite) betragen
  • bei einer Hangneigung von mehr als zehn Prozent ist ein Mindestabstand von fünf Metern einzuhalten; in einem Abstand von fünf bis 20 Metern zur Böschungsoberkante des Gewässers ist eine Düngung auf unbestelltem Ackerland nur bei sofortiger Einarbeitung erlaubt. Dies gilt auch für Festmist.
Vorgeschriebene Gewässerabstände nach § 5 Düngeverordnung (Grafik) - Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster

Mehr dazu in der Düngeverordnung: § 5 Absatz 2 und 3

Geänderte Sperrzeiten

Neu ist, dass Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff (> 1,5 Prozent in der Trockensubstanz) auf Ackerland bereits ab Ernte der Hauptfrucht bis zum Ablauf des 31. Januar nicht mehr ausgebracht werden dürfen. Folgende Ausnahmen davon sind zulässig:

  • Für Zwischenfrüchte, Winterraps und Feldfutter, die bis zum 15. September ausgesät wurden, gilt eine Sperrzeit vom 1. Oktober bis zum 31. Januar.
  • Wird Wintergerste nach einer Getreidevorfrucht bis zum 1. Oktober ausgesät, gilt ebenfalls eine Sperrzeit vom 1. Oktober bis zum 31. Januar.

Allerdings dürfen bei diesen Kulturen insgesamt nicht mehr als 30 Kilogramm Ammoniumstickstoff oder 60 Kilogramm Gesamtstickstoff je Hektar ausgebracht werden. Ausschlaggebend ist immer der Stickstoffdüngebedarf. Spezielle Ländervorgaben sind dabei zu beachten.

Die sogenannte "Strohausgleichsdüngung" im Herbst ist nicht mehr zulässig!

Die Sperrzeit für Gemüse-, Erdbeer- und Beerenobstkulturen wurde um einen Monat auf einen Zeitraum vom 1. Dezember bis zum 31. Januar verkürzt.

Auf Grünland und auf Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau wurde die Sperrzeit um zwei Wochen ausgedehnt: 1. November bis 31. Januar, wenn bis 1. Mai ausgesät wurde.

Für Festmist von Huf- oder Klauentieren oder Komposte wurde eine einmonatige Sperrzeit eingeführt. Diese gilt vom 15. Dezember bis zum 15. Januar.

Unverändert zur alten Düngeverordnung können die zuständigen Länderbehörden eine Verschiebung der Sperrzeiten bis maximal vier Wochen (Vor- oder Zurückverlegung) genehmigen. Eine Verkürzung ist nicht zulässig.

Mehr dazu in der Düngeverordnung: § 6 Absatz 8 bis 10

Erweiterung der Lagerkapazitäten

Landwirtschaftliche Betriebe müssen ab sofort für Kompost und Festmist eine einmonatige Lagerkapazität nachweisen können. Ab Januar 2020 ist sogar eine sichere, mindestens zweimonatige Lagerkapazität Pflicht. Das heißt, Betriebe, die nicht über genügend Lagerkapazitäten verfügen, müssen für mehr Lagerraum sorgen. Die Mindestlagerkapazität für flüssige Wirtschaftsdünger einschließlich Gärreste beträgt nun sechs Monate. Die Lagerung kann aber auch überbetrieblich erfolgen.

Mehr dazu in der Düngeverordnung: § 12

Maximale Obergrenze für Stickstoff

Die Obergrenze von 170 Kilogramm Gesamtstickstoff je Hektar und Jahr gilt ab sofort für alle organischen Dünger. Bisher galt sie nur für tierische Ausscheidungen. Eine Ausnahme stellt die Ausbringung von Kompost dar. Bei der Kompostausbringung dürfen einmal in drei Jahren bis zu 510 Kilogramm Stickstoff je Hektar ausgebracht werden. Die sich aus der ausgebrachten Kompostmenge ergebende Stickstoffmenge kann über drei Jahre verteilt werden, muss aber anteilig auf die jährliche Obergrenze von 170 Kilogramm Stickstoff je Hektar angerechnet werden. Voraussetzung dabei ist immer, dass der Phosphorsaldo auf der Fläche dies zulässt.

Für Grünland und im mehrjährigen Feldfutterbau ist eine Wiederaufnahme der Derogation für Wirtschaftsdünger vorgesehen. Dies muss aber noch von der EU-Kommission genehmigt werden.

Mehr dazu in der Düngeverordnung: § 6 Absatz 4 bis 7

Nährstoffvergleich: Veränderte Stickstoff- und Phosphorsalden

Die betrieblichen Nährstoffüberschüsse, in der neuen Düngeverordnung als „Kontrollwerte“ bezeichnet, wurden nach unten korrigiert. Der Kontrollwert für Stickstoff, das heißt der Stickstoffsaldo über drei Jahre, wird ab 2020 auf 50 Kilogramm je Hektar gesenkt. Bislang lag er bei 60 Kilogramm je Hektar. Der Kontrollwert für Phosphor (P2O5) darf ab 2023 im sechsjährigen Mittel jährlich 10 Kilogramm je Hektar nicht mehr überschreiten. Für Betriebe, die diese Werte nicht einhalten, wird es eine Beratungspflicht geben. Eine erneute Überschreitung führt zu Sanktionen.

Verschiedene Produktionsrichtungen wie Zierpflanzen, Beeren- und Obstgehölze, Unterglasbetriebe und andere sind von der Pflicht des Nährstoffvergleichs befreit.

Mehr dazu in der Düngeverordnung: §8

Neu: Plausibilisierung der Grobfuttererzeugung

Für tierhaltende Betriebe gilt ab sofort die plausibilisierte Flächenbilanz zur präziseren Erfassung der Nährstoffabfuhr von Futterbau- und Grünlandflächen. Das heißt, der Rauhfutterertrag wird nicht mehr geschätzt, sondern über die Anzahl gehaltener Tiere und die Grundfutteraufnahme berechnet.

Aufzeichnungspflichten und Ordnungswidrigkeiten

Was muss dokumentiert werden?

Mit der neuen Düngeverordnung wurden die Aufzeichnungspflichten erweitert. Die Aufzeichnungen dienen dem Landwirt als Nachweis gegenüber den Kontrollbehörden. Was im Detail dokumentiert werden muss, kann dem folgenden PDF entnommen werden:

Aufzeichnungspflichten nach novellierter Düngeverordnung (PDF. Quelle: BZL-Broschüre: Die neue Düngeverordnung)

Rechtsverstöße werden teurer

Wer die Regeln nicht einhält, muss mit Bußgeldern rechnen. Nach neuer Düngeverordnung können Ordnungswidrigkeiten mit Geldbußen bis zu 150.000 Euro geahndet werden. Zum Vergleich: In der alten Düngeverordnung lag die Grenze bei 15.000 Euro. Detaillierte Infos können dem folgenden PDF entnommen werden:

Ordnungswidrigkeiten nach novellierter Düngeverordnung sowie Höhe der maximalen Geldbuße nach Düngegesetz (PDF. Quelle: BZL-Broschüre: Die neue Düngeverordnung)

Länderermächtigungen

Die neue Düngeverordnung ermächtigt die Regierungen der Bundesländer in manchen Punkten Anpassungen vorzunehmen. So können zum Beispiel in Gebieten mit erhöhten Nitrat- und Phosphatbelastungen der Gewässer strengere Regeln erlassen werden. Außerhalb solcher Gebiete können sie auf der anderen Seite aber auch bestimmte Erleichterungen genehmigen. Mit dieser Änderung soll eine Regionalisierung bei der Umsetzung der Verordnung eingeführt werden. Unklar ist jedoch noch, wie die Länder diese Möglichkeiten nutzen. Dies muss bei den entsprechenden Stellen der Länder erfragt werden. Eine Liste der Ansprechpersonen, Beratungseinrichtungen und Informationsabgebote findet sich in der BZL-Broschüre "Die neue Düngeverordnung" auf Seite 44-49.

Interview mit Dr. Susanne Klages zu den Nachbesserungen bei der Düngeverordnung

Praxis-agrar.de sprach mit Frau Dr. Klages über die aktuellen Entwicklungen im Düngerecht. Die Wissenschaftlerin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Düngung und Düngerecht in der Landwirtschaft.

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