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Pflanze

Regionalität - Eine Chance für Einzelhandelsgärtnereien mit Eigenproduktion

Im Lebensmittelhandel ist der Trend zur Regionalität ungebrochen. Neben dem vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderten "Regionalfenster" und vielen weiteren Labels entwickeln auch Supermärkte ihre eigenen Regionalmarken.

Blumen in Blumentöpfen im Gewächshaus

Quelle: auremar - stock.adobe.com

Dadurch wird die gärtnerische Eigenproduktion zunehmend interessant. Denn wie könnte man Regionalität glaubwürdiger anbieten, als mit selbst angezogenen Pflanzen aus der eigenen Gärtnerei? Das eröffnet neue Möglichkeiten für kleinere Gärtnereien, die sich einem scharfen Wettbewerb mit großen Gartencentern und Baumärkten ausgesetzt sehen.

Das Für und Wider der Eigenproduktion

Galt die gärtnerische Eigenproduktion ihnen bislang häufig als Sorgenkind, bietet das Verkaufsargument "Regionalität" nun also neue Chancen. Ein Selbstläufer ist sie aber nicht. Ob die Eigenproduktion sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

Was spricht für die Eigenproduktion?

Vor allem der ländliche Raum bietet oft keine Sortenvielfalt bei Beet- und Balkonpflanzen, Sondergrößen fehlen, termingerechter Bedarf kann nicht gedeckt werden. Wenn Pflanzen nur schwer zu beschaffen sind und Probleme beim Zukauf bestehen, spricht das für die Eigenproduktion. Gleiches gilt, wenn betriebliche Kapazitäten wie Hochglasflächen und Arbeitskräfte dadurch besser ausgelastet werden können.

Auch die Qualität, etwa im Hinblick auf Frische, Haltbarkeit und Pflanzengröße, oder die bessere Kundenorientierung, durch ein ausgefalleneres, breiteres und qualitativ hochwertigeres Sortiment, sprechen für die Eigenproduktion.

Was spricht gegen die Eigenproduktion?

Ganz anders sieht das aus, wenn Pflanzen für alle Sortimente optimal und über kurze Wege in der Nähe zu beschaffen sind oder aber Gewächshäuser und ihre Einrichtung veraltet und nicht wirtschaftlich zu betreiben sind.

Auch bei einer zu hohen Quote nicht verkaufter Pflanzen, einer zu hohen Verderbsquote oder insgesamt zu kleinen Mengen lohnt sich die Eigenproduktion nicht.

Frau am Schreibtisch

Quelle: picture factory - Fotolia.com

Eigenproduktion braucht Marketing

Wer den Trend zur Regionalität nutzen möchte, sollte nicht nur gut produzieren, sondern diese Stärke auch an Kundinnen und Kunden kommunizieren können. Denn nur wenn die Kunden die Vorzüge der Eigenproduktion kennen, sind sie bereit, dafür höhere Preise zu zahlen. Durch geschicktes Marketing kann der Wert der Eigenproduktion hervorgehoben werden. Dabei sollten Maßnahmen der Werbung, Verkaufsförderung und Öffentlichkeitsarbeit auf die Eigenproduktion abgestimmt sein, um diese Stärke herauszustellen.

Verkaufsargumente für die Eigenproduktion

Um glaubwürdig zu sein, müssen die Verkaufsargumente für die Eigenproduktion korrekt, transparent und für den Kunden nachvollziehbar sein - etwa durch Einblick in die Produktion oder zumindest eine saisonale Öffnung der Produktionsflächen (zum Beispiel zur Beet- und Balkonpflanzensaison). Zudem muss der Gedanke der Eigenproduktion mit ihrer Wertigkeit im ganzen Betrieb "gelebt" werden. 

Frische

Frische ist das wichtigste Argument für die Eigenproduktion. Der Weg von der Produktion oder Ernte zum Kunden ist kurz. Das Risiko von Transportschäden entfällt und weil kaum Lagerung notwendig ist, halten Schnittblumen länger. Auch die Haltbarkeit von blühenden Zimmerpflanzen ist besser.

Qualität

In erster Linie beeindruckt die sichtbare Qualität den Kunden: Pflanzengröße, Habitus und Wuchs, Blütenreichtum und Blühwilligkeit. Zudem sind Saisonpflanzen aus eigener Produktion besser abgehärtet, was für die innere Qualität spricht.

Eigenproduktion hat aber nicht automatisch eine bessere Qualität, sondern kann nur dann glaubwürdig als Verkaufsargument dienen, wenn entsprechend hohe Maßstäbe angelegt werden und nur hochwertige Ware in den Verkauf kommt.

Sortimentsbreite

Mit der eigenen Produktion können Einzelhandelsgärtnereien ein differenzierteres und breiteres Pflanzensortiment anbieten. Das sind beispielsweise besondere Größen, besondere Sorten und besondere Farben oder Produktvarianten wie Büsche, Stämmchen oder Ampeln. Außerdem gehören dazu Arten, die über lange Wege schwierig zu transportieren sind.

Nachhaltigkeit

Dieser Begriff umfasst neben der Regionalität auch eine umweltfreundliche Produktion durch den reduzierten Einsatz von Wasser und Dünger sowie die Verwendung umweltfreundlicher Materialien und die Vermeidung von Verpackungsmüll. Der inzwischen weit verbreitete Einsatz von Nützlingen trägt ebenfalls zur Nachhaltigkeit bei. Mit dem Argument der Nachhaltigkeit wird zwar auch auf anderen Absatzwegen für gärtnerische Produkte geworben, aber eine Einzelhandelsgärtnerei mit eigener Produktion kann ihren Kunden besonders unmittelbar und glaubwürdig demonstrieren, wie nachhaltig im eigenen Betrieb gewirtschaftet wird. Dies gilt auch für soziale und ökonomische Aspekte der Nachhaltigkeit, wie die Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen und die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe.