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Ein harter Winter für Weidetierhaltende

Bei Kälte und Eisregen wird der Herdenschutz noch schwieriger. Wenn es zum Riss kommt, sollten die Behörden ihren Ermessensspielraum bei Entschädigungen nutzen.

Netzzaun mit sehr viel Eis ummantelt und umgebogen
Quelle: Frank Hahnel

Glatteis und Kälte – der Winter hat große Teile Deutschlands fest im Griff. Wer nicht das Glück hat, die wunderschönen Winterlandschaften einfach nur genießen zu können, den schränkt dieser Winter im Alltag stark ein. In besonderem Maße gilt das für die Landwirtschaft und die Weidetierhaltenden.

Der Arbeitsplatz der Weidetierhaltenden ist draußen. Sie haben nicht nur mit kalten Fingern und glatten Wegen zu kämpfen. Auch der Herdenschutz wird zum fast unlösbaren Problem: In die gefrorenen Böden lässt sich keine Erdung eintreiben. Und die Elektro-Netze geben nach Eisregen ein trauriges Bild ab – sie sind voll mit Eis, hängen durch und führen keinen Strom.

Gleichzeitig hat der Wolf bei dieser Kälte besonderen Hunger: Er braucht mehr Energie und findet weniger Wild. Da liegt es für ihn nahe, die Weidetiere hinter ihren fast wirkungslosen Zäunen zu reißen.

Was können Weidetierhaltende tun? Manche haben die Möglichkeit, ihre Zäune in Innenräumen zu enteisen und erneut aufzustellen. Für Kleinbetriebe und Hobbyhaltungen ist das aber meist keine Option. In jedem Fall ist der Arbeitsaufwand immens.

Wenn es tatsächlich zu einem Wolfsübergriff kommt, stehen die Weidetierhaltenden vor einem neuen Problem: Formal halten sie mit ihren vereisten Zäunen den Herdenschutz, der eine Voraussetzung für eine Entschädigung bildet, nicht ein.

Das bedeutet: Die Weidetierhaltenden arbeiten momentan unter widrigsten Bedingungen, können beim besten Willen ihre Tiere nicht wirksam schützen, leiden unter den emotionalen, betrieblichen und finanziellen Folgen und erhalten womöglich nicht einmal einen finanziellen Schadensausgleich.

Hier sind die Behörden gefragt: Wenn es Ermessensspielraum gibt, sollte er genutzt werden. Sonst könnte dieser Winter für weitere Weidetierhaltende das Zünglein an der Waage sein und zur Aufgabe von Betrieben führen.